An heißen Tagen wie zuletzt sind die Freibäder in der Region sehr beliebt, um sich in dem kühlen Nass abzukühlen. Da nicht jeder Freibadbesucher auch gleichzeitig ein geübter Schwimmer ist oder sich an alle Regeln hält, bedeutet das auch einen erhöhten Bedarf an Aufsichtspersonal. In Bietigheim-Bissingen können dies die Bademeister nicht alleine leisten, an Wochenenden, in den Ferien oder an besonders heißen Tagen hilft der DLRG Bietigheim-Bissingen deshalb im Badepark Ellental aus.
Bietigheim-Bissingen „Ich bin an der Aufgabe gewachsen“
Die Beckenaufsicht im Freibad wird zum Teil von Jugendlichen der DLRG-Ortsgruppe übernommen. Haben die Badegäste den nötigen Respekt vor ihnen? Die BZ hat nachgefragt.
Dabei werde es immer schwieriger, Ehrenamtliche zu finden, die bereit sind, die Arbeit ohne Vergütung auszuführen, beklagt Patrick Rogg, Leiter Einsatz und Ausbildung der DLRG Ortsgruppe. In der Theorie habe man rund 64 Wachgänger, immerhin 56 davon engagieren sich auch aktiv, hebt er hervor.
Das liegt auch daran, dass der Nachwuchs schon früh an die Aufgabe herangeführt wird, schon ab 13 Jahren können die DLRG-Mitglieder mit Rettungsschwimmerabzeichen und den nötigen Schulungen am Beckenrand aushelfen.
Maßnahmen zur Deeskalation
Doch werden die Jugendlichen von den Badegästen überhaupt ausreichend respektiert? Am Anfang habe es schon Situationen gegeben, in denen man nicht ernst genommen werde, sagt Raphael, der inzwischen im vierten Jahr dabei ist. Da man aber immer mit älteren Wachgängern unterwegs sei und im Kontakt mit anderen Helfern stehe, lassen sich auch solche Situationen bewältigen. In der zweiten Saison ist Emilia im Einsatz. Gemeinsam haben sie ein wachsames Auge auf das Schwimmerbecken und greifen ein, sofern es erforderlich wird. Dass sie tatsächlich ins Wasser springen, komme aber selten vor, sagt Raphael. Nur einmal habe er einen Ertrinkungsunfall erlebt.
In Sicherheitsschulungen lernen die Wachgänger Maßnahmen zur Deeskalation, sagt Emilia. Eine wirklich gefährliche Situation haben die beiden deshalb auch noch nicht erlebt. Ein paar Meter weiter sitzt Linnéa Brandt und beobachtet das Springerbecken. Es sei selten, dass wirklich jemand untergehe, häufiger müssten sie Wespenstiche verarzten oder das Gespräch mit Regelbrechern suchen, sagt die 17-Jährige.
Die meisten hätten Verständnis für die Hinweise der Wachgänger, doch immer wieder hätten sie es auch mit Gruppen zu tun, die diese bewusst ignorieren. Für den Ernstfall sei der Sicherheitsdienst im Bad unterwegs, in Ausnahmefällen sei auch schon die Polizei gerufen worden. In den jährlichen Schulungen lerne man deshalb, wie man seine Körpersprache einzusetzen habe oder dass ermahnende Hinweise besser angenommen werden, wenn sie direkt mit einem konstruktiven Lösungsvorschlag einhergehen.
Noch keine Situation eskaliert
Als Mädchen habe es sie zu Beginn nicht immer einfach gehabt von erwachsenen Männern wahrgenommen zu werden, sagt Linnéa Brandt.
„Ich bin aber mit der Aufgabe gewachsen und habe mich jedes Jahr weiterentwickelt.“ Und auch wenn manche Badegäste anfangen würden zu diskutieren, sei alles in allem noch keine Situation besonders eskaliert.
Für ihr Engagement erhalten die Jugendlichen eine Jahreskarte für den Badepark und freie Getränke des DLRG.
