Bietigheim-Bissingen „Ich habe mich so frei gefühlt“

Von Petra Neset-Ruppert
Bahar Braunbach hat Models bei der New Yorker Fashion Week gestylt. Foto: /privat

Die Friseurin Bahar Braunbach arbeitete sechs Tage auf der New York Fashion Week. Für die dreifache Mutter war es ein Balanceakt und gleichzeitig auch ein unvergessliches Erlebnis.

Das war schon toll an New York: Die Leute können sein wie sie wollen. In der U-Bahn kam mir eine Frau im Rosa Hasen-Kostüm entgegen. Die Leute waren unglaublich freundlich“, schwärmt die Bietigheimer Friseurin Bahar Braunbach von ihren Tagen bei der New York Fashion Week, die vor Kurzem stattfand.

Bereits im September war die 37-Jährige bei der Pariser Fashion Week und stylte dort international bekannte Models (die BZ berichtete). Damals war es ein Sprung ins kalte Wasser. Für New York war sie nun vorbereitet. Bei einem Workshop in Hannover, der die Friseure für die Fashion Week schult, wurde Braunbach, die über die Organisation Grenzenlos Friseure zur Fashion Week kam, fortgebildet. „Ich hab in New York wieder so viel auch fachlich für mich mitnehmen können, das war schon toll“, schwärmt die Mutter von drei Kindern.

Dass sie als selbstständige Friseurin mit eigenem Laden und drei Kindern zu Hause bei der New Yorker Fashion Week arbeiten konnte, war aber nur mit einer genauen Planung und sehr viel Unterstützung der Familie möglich. „Ohne meinen Mann hätte ich das nicht machen können“, sagt Braunbach. Während sie in New York war, kümmerte sich ihr Mann um die Kinder. „Das war für mich auch nicht einfach, vor allem, weil sich mein Sohn mit der Trennung auf Zeit wirklich schwer getan hat“, erzählt die Friseurmeisterin.

Wenig Schlaf

So kam es vor, dass mitten in der Nacht das Handy klingelte, weil eines ihrer Kinder sie brauchte. „Mehr als drei bis vier Stunden Schlaf pro Nacht hatte ich in New York nie“, schätzt Braunbach. Doch sie würde es wieder machen: „In New York habe ich mich, wieder wie ich selbst gefühlt. Na klar war die Trennung schwer, aber ich möchte meinen Kindern ja auch zeigen, dass man seine Lebensträume auch erfüllen kann und dass das wichtig ist.“

Doch nicht nur das Thema Mutterrolle beschäftigte sie in New York. „Ich war vor sieben Jahren schon mal dort. Damals begannen auch meine Probleme mit meinem Herzen.“ Braunbach leidet an einer schweren Herzkrankheit, die sie kurz nach der Geburt ihrer beiden Zwillinge fast das Leben gekostet hätte. „Noch mal in New York unterwegs zu sein und das gesund und stark zu erleben hat gut getan. Ich habe die Krankheit dort gelassen – und leider meinen Werkzeugkoffer auch“, sagt sie und lacht.

Im Vergleich zur Pariser Fashion Week, sei es in New York „krasser“ zugegangen. Von der Mode bis hin zu den Designern sei es viel exzentrischer gewesen. „Als wir bei einer Show die Models stylten, hatte ich mich gewundert, dass in der Location noch so schwere Vorhänge dekoriert werden, bis ich erkannt habe, dass in den Stoffen Models waren“, schmunzelt sie.

In Bietigheim-Bissingen fühlt sich Bahar Braunbach einfach wohl. /Oliver Bürkle

Gemeinsam mit dem Ludwigsburger Friseur Sebastian Beck erkundete sie außerhalb der Arbeitszeiten die Stadt. „Wir hatten einen riesen Spaß und ich habe mich so frei wie schon lange nicht mehr gefühlt.“ Genau das empfiehlt sie auch allen Mamas: „Einfach auch auf sich selbst schauen und die eigenen Wünsche und Träume umsetzen. Das ist ja nicht nur für einen selbst wichtig.“

Netflix-Doku und Rihanna

Und so genoss die Bietigheimer Friseurin die sechs Tage in New York in vollen Zügen: Sie schaute sich ein Musical auf dem Broadway an, probierte die angesagten Lokale aus und knüpfte viele neue Kontakte. „Eine Designerin wurde von Netflix begleitet, weil die eine Doku über die Fashion Week drehten, da bin ich dann auch gelandet“, sagt Braunbach. Sie sei schon gespannt auf das Ergebnis. Per Zufall lief sie auf der Straße der Sängerin Rihanna über den Weg. „Das sind schon so tolle Momente, die nur durch meine Arbeit möglich waren. Dafür hat sich all das gelohnt. Ich bin so glücklich und dankbar.“

Eventuell wird sie in diesem Jahr nochmals bei der Pariser Fashion Week arbeiten, doch das müsse sie noch sehen, denn im September steht für sie noch ein Jubiläum an, dass sie groß feiern möchte: „Seit zehn Jahren bin ich selbstständig.“ Eine Idee für die Party hat sie auch schon: „Ein Bietigheimer Fashion Day, das wärs.“

„Einfach glücklich in Bietigheim“

Doch trotz all der tollen Erfahrungen ist sie so froh nun auch wieder zurück zu Hause zu sein. „Diese warme Umgebung, mit den Menschen die man kennt und meinen lieben Kunden, das bedeutet mir tatsächlich mehr, als jedes Abenteuer in New York. Hier in Bietigheim bin ich einfach glücklich.“ Und das heißt ja nicht, dass Ausflüge zu anderen Fashion Shows nicht noch möglich seien: „Also London und Mailand stehen definitiv noch auf meiner Wunschliste“, verrät sie.

 
 
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