Bietigheim-Bissingen „Ich sehe bessere Zeiten, aber zuerst ein tiefes Tal “

Von Yannik Schuster
SWBB-Geschäftsführer Herbert Marquard Foto: /Oliver Bürkle

Herbert Marquard ist der neue Geschäftsführer der Stadtwerke. Die BZ hat mit Ihm über seine Pläne für das Unternehmen gesprochen.

Seit 1. August ist Herbert Marquard Geschäftsführer der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen und soll helfen, das angeschlagene Städtische Tochterunternehmen wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Immerhin verlief seine letzte Station in Pforzheim finanziell sehr erfolgreich: Im aktuellen Wirtschaftsjahr 2024 schlug ein Überschuss von 32,5 Millionen Euro zu Buche – Zahlen, von denen die hiesigen Stadtwerke derzeit nur träumen können. Und dennoch waren es andere Schlagzeilen, die zunächst die Runde machten. Denn die Staatsanwaltschaft Pforzheim ermittelt aufgrund eines Anfangsverdachts der Untreue und Bestechlichkeit gegen Marquard (die BZ berichtete). Im Interview spricht der Interimsgeschäftsführer über seinen Start in Bietigheim-Bissingen und seine Pläne für die Stadtwerke.

BZ: Herr Marquard, inwiefern haben die laufenden Ermittlungen gegen Sie Ihren Start in Bietigheim-Bissingen beeinflusst?

Herbert Marquard: Ich bedauere, dass die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen dadurch in die Schlagzeilen kam. Es war aber auch zu erwarten, dass der/die anonymen Hinweisgeber weitermachen würden. Ich konzentriere mich auf die Aufgaben, die aktuell bei den Stadtwerken anstehen.

Wie kam der Kontakt zu den Stadtwerken Bietigheim-Bissingen zustande?

Ich bin in der Branche bekannt für Sanierungen von Unternehmen. Deshalb bin ich angesprochen worden, ob ich nochmals bereit bin, so eine Aufgabe zu übernehmen.

Worin liegt der Reiz in der Aufgabe?

Der Reiz liegt immer darin, dass man etwas bewegen will. Das Brett hier in Bietigheim-Bissingen ist allerdings sehr dick und wird etwas länger benötigen.

Sie sind 71 Jahre alt.

(lacht) Der Jungmanager des Jahres. Genau.

Warum tun sie sich das überhaupt noch an?

Ich hatte Kontakt mit dem Oberbürgermeister. Dieser hat mich um Unterstützung gebeten, das Unternehmen wieder in eine Erfolgsspur zu bringen. Das ist aber garantiert meine letzte Station.

Welche Eindrücke haben Sie in Ihren ersten Wochen gewonnen?

Ich habe zunächst einmal die Mitarbeiter kennengelernt. Die Hoffnung, dass wir hier in Bietigheim-Bissingen wieder in die Spur kommen, ist bei den Mitarbeitern, bei den Gesellschaftern, im Aufsichtsrat überall vorhanden. Schließlich war meine Zeit in Pforzheim eine Erfolgsgeschichte mit einem deutlich positiven Ergebnis.

Sie haben ihren Ruf als Sanierer angesprochen. Wie haben Sie sich den erarbeitet?

Eigentlich ist der Begriff ja negativ belastet. „Sanierer“ bedeutet: der kommt, schmeißt erstmal die Mitarbeiter raus und sieht zu, dass kein Geld mehr ausgegeben wird. Das ist nicht mein Stil. Wir brauchen die Mitarbeiter, um die Dinge wieder gerade zu rücken. Ich bin auch keiner, der einen Berater reinholt, um alles für viel Geld umzukrempeln. Das bringt nichts.

Ihr Vorgänger Richard Mastenbroek stand zuletzt immer stärker in der Kritik. Was wollen Sie anders machen?

Die Basics müssen stimmen. Das heißt, wir brauchen eine Organisationsstruktur, die die Verantwortung klar regelt. Dann müssen wir Doppelstrukturen aufgeben und ran an Themen wie Beschaffung, Vertrieb und Kundenservice. Wir müssen uns wieder auf den heimischen Markt konzentrieren, mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen.

Das bedeutet konkret?

Wir müssen attraktive Produkte für unsere Haushalts- und Gewerbekunden bieten. Die dafür nötigen Schritte werden wir in diesem Jahr noch beginnen. Hierbei werden alle bisherigen Vertriebskanäle auf den Prüfstand gestellt.

Wird es Veränderungen im Bäderbereich geben?

Die Sparten Bäder und Abwasser bei den Stadtwerken werden für die Stadt verantwortungsvoll geführt.

Inwiefern kann die aktuelle Situation noch mit der Energiekrise in Verbindung gebracht werden?

Die Energiekrise bedeutet ja nicht, dass man automatisch das Unternehmen ins Wanken bringt. Zahlreiche Energieversorger haben die Energiekrise unbeschadet überstanden und gute Geschäfte gemacht. Das war hier nicht der Fall, weswegen man auch in Schieflage geraten ist. Man muss sehen, dass man gute Leute hat, die wissen, was sie tun.

Und die haben Sie hier?

Ja. Klare Strukturen und Kompetenzen für die anstehenden Aufgaben bringen das Unternehmen voran. Die Mitarbeiterentwicklung und Zusammenarbeit sind hier gefordert.

Wie sieht Ihr Zeitplan aus?

Zunächst geht es darum, die strukturellen Probleme zu lösen. Dann müssen wir das Geschäft wieder auf gesunde Füße stellen und attraktive Produkte für unsere Kunden entwickeln. Die Sanierung wird länger dauern. Auch in diesem Jahr wird es deshalb kein positives Ergebnis geben.

Das hört sich an, als ob Sie ein Engagement über das eine Jahr hinaus, ausschließen.

Das lässt sich nach so kurzer Zeit noch nicht sagen. Meine Lebensplanung sieht es aber nicht vor.

Wie schätzen Sie das Potenzial der Stadtwerke ein?

Gut – das Potenzial ist da. Wir versorgen mit Strom, Gas, Wasser, und entsorgen das Abwasser, wir beschaffen und erzeugen Energie vor Ort. Jetzt liegt ein Schwerpunkt auf der Transformation hin zur CO2-Neutralität. Das ist eine Sache, die man in den Gremien beraten muss. Da ist viel zu tun. Ich sehe bessere Zeiten, aber zuerst müssen wir durch ein tiefes Tal.

Wie müsste 2026 die Bestandsaufnahme ausfallen, dass Sie sagen können, Sie waren erfolgreich?

Die Strukturen werden von den Mitarbeitern so umgesetzt, dass das Unternehmen wieder in die Erfolgsspur kommt und alle wieder gerne zur Arbeit kommen. Auch die Kundenzufriedenheit muss im nächsten Jahr wieder erkennbar besser sein.

 
 
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