Als Hanspeter Diehl im Jahr 2006 Schulleiter der Realschule Bissingen wurde, da sah die Welt noch anders aus: An eine weltweite Pandemie war nicht zu denken, die Digitalisierung im Bildungsbereich steckte noch in den Kinderschuhen. Diehl, der in Kornwestheim aufwuchs hatte sich damals nach vier Jahren als Konrektor einer Stuttgarter Realschule für den Posten des Schulleiters beworben und hatte Glück.
Bietigheim-Bissingen „Ich war Lehrer mit Haut und Haaren“
Nach 20 Jahren als Schulleiter der Realschule Bissingen geht Hanspeter Diehl in den Ruhestand. Die Schul- und Unterrichtsentwicklung hat in seiner Laufbahn eine große Rolle gespielt.
„Ich war Lehrer mit Haut und Haaren“, sagt der 63-Jährige, der Sport, Mathematik und Chemie studiert hat. Obwohl die Einstellungschancen für junge Lehrer seiner Zeit schlecht waren, ließ er sich von diesem Weg nicht abbringen. „Ich habe dafür gebrannt, ich wollte es unbedingt.“ Allerdings sei ihm früh klar geworden, dass er nicht bis zur Pensionierung „nur“ als Lehrer arbeiten wolle. Diehl wollte mehr, bildete eine Zeit lang selbst Sportlehrer aus, wurde Konrektor und schließlich in Bissingen Schulleiter.
Schul- und Unterrichtsentwicklung
Dort fand er eine gut aufgestellte und strukturierte Bildungseinrichtung vor, wie er heute sagt. In seinem ersten Jahr an neuer Wirkungsstätte nahm er sich zunächst vor, alles zu beobachten. Das Kollegium sei seit jeher engagiert bei der Sache, die Schule habe eine Größe, durch die man zwar alles anbieten könne, trotzdem aber den persönlichen Charakter behalte, so seine Feststellungen. Vorangetrieben habe er den Aufbau der Qualitätszentrierten Schulentwicklung. Diehl führte Stufenteams ein, die gemeinsam mit der Schulleitung eine Steuerungsfunktion übernahmen, unter anderem auch das Notfallmanagement während der Corona-Pandemie leisteten.
Zu den Höhepunkten seiner Zeit als Schulleiter zählt Hanspeter Diehl die 40- und 50-Jahr-Feier der Realschule. Über 1000 Ehemalige habe man bei den Festen begrüßen dürfen. „Deren Geschichten zu hören, war traumhaft“, sagt Diehl. Unheimlich verbindende Momente seien das gewesen. Ebenfalls herausragend sei der Schüleraustausch mit der Bietigheim-Bissinger Partnerstadt Kusatsu in Japan gewesen. Er habe extra darum gebeten, die Schülergruppe, die zum Ende der Sommerferien nach Japan reist, noch einmal begleiten zu dürfen, erzählt der Schulleiter. „Das ist eine super Bereicherung, Schüler aus einer anderen Kultur hier zu begrüßen und dort selbst reinschnuppern zu können.“ Unter anderem habe er ein Instrument der Unterrichtsentwicklung von einem Professor aus Kyoto für die Bissinger Realschule adaptiert.
Nun rückt der Ruhestand mit großen Schritten näher. Doch das Kollegium mache ihm den Abschied schwer, indem sie ihn schon seit einigen Monaten immer wieder mit Bildern aus den vergangenen 20 Jahren an besondere Momente erinnern. „Als Schulleiter kann man eine Richtung vorgeben und Impulse setzen. Aber man kann nichts bewegen, wenn das Kollegium nicht mitzieht“, sagt Diehl. Er sei ein Verfechter der Realschule, am Ende zähle jedoch nicht, was auf dem Schild stehe, sondern dass die Menschen alles dafür geben, eine gute Schule für die Kinder zu bieten. Die zahlreichen Kontakte und Gestaltungsmöglichkeiten werde er vermissen. „Für mich war prägend, dass wir einen unheimlich schönen Beruf haben, der sinnstiftend ist, weil wir die nachfolgende Generation auf ihrem Lebensweg begleiten.“ Selbst in schwierigen Zeiten könne man daraus etwas für sich ziehen, weiß der Schulleiter. „Ich bin jeden Tag gerne hier.“
Zeit für Privates und Ehrenamt
Die Früchte der aktuellen Baustelle auf dem Bissinger Campus wird Hanspeter Diehl nicht mehr ernten können, es freue ihn jedoch, dass die Bauarbeiten gut laufen. Es sei ein schönes Zeichen, dass die Kommune so in den Standort investiert.
Die kommenden zwei Wochen bis zu den Sommerferien werden für Diehl ein Wechselbad der Gefühle. „Ich weiß noch nicht, wie ich das durchstehen soll“, sagt er mit Wehmut in der Stimme. Und trotzdem hat er im Ruhestand noch einiges vor: Bereits im letzten Halbjahr habe er eine Ausbildung beim Kinderschutzbund gemacht, für den er sich engagieren will. Außerdem will er Zeit mit seiner Enkelin verbringen und auch die ein oder andere Reise werde wohl anstehen.
Diehls offizielle Verabschiedung findet am 27. Juli statt.
