Bietigheim-Bissingen „Ich würde es immer wieder so machen“

Von Petra Neset-Ruppert
Der Altoberbürgermeister Manfred List feiert heute seinen 90. Geburtstag. Für ihn ist Bietigheim-Bissingen eine „lebendige und wohlsituierte Stadt“ in der er gerne lebt. Foto: /Oliver Bürkle

Alt-Oberbürgermeister Manfred List feiert an diesem Dienstag seinen 90. Geburtstag. Das Stadtbild Bietigheim-Bissingens hat er mit vielen Projekten geprägt.

Fragt man Alt-Oberbürgermeister Manfred List, was ihn in seiner Amtszeit beschäftigt hat, so kommen viele Themen auf, die seinen Nachfolger auch heute noch beschäftigen: Verkehr, Wohnraum und Finanzen. „Bietigheim-Bissingen ist ein lebendige und wohlsituierte Stadt, ich habe sehr gerne im Rathaus gearbeitet und lebe gerne hier“, sagt der ehemalige Verwaltungschef, der am heutigen Dienstag seinen 90. Geburtstag feiert. Die BZ hat gemeinsam mit ihm auf seine aktive politische Zeit zurückgeblickt.

Als erster Oberbürgermeister der zusammengeführten Stadt Bietigheim-Bissingen trat Manfred List 1975 sein Amt im Rathaus an. „Ich habe mein Amt immer so geführt, dass sich Bissingen nicht benachteiligt gefühlt hat, das war mir wichtig“, sagt List. So kam das Freibad Ellental zwischen Bietigheim und Bissingen und auch das Schulzentrum entstand dort.

Landesgartenschau hatte Entwicklungspotenzial

Ein prägender Schritt in der Stadtentwicklung war die Bewerbung für die Landesgartenschau 1989. „Das ist damals auf beiden Seiten gefeiert worden“, erinnert sich List. Als er damals dafür im Gemeinderat warb, betonte er: „Das ist ein Entwicklungspotenzial, das wir nicht auslassen sollten.“ Denn nicht nur das Enztal wurde durch das Landesgartenschau-Gelände aufgewertet, auch die Umleitung des Verkehrs bot Potenzial für die Bietigheimer Altstadt.

Und die langen Diskussionen im Gemeinderat haben nicht ermüdet? „Nein, wenn man das Ergebnis gesehen hat, war alles vergessen“, sagt List und lacht. Neben dem Sanierungsgebiet half auch die verkehrsberuhigte Zone, die Altstadt aufzuwerten. „Auch die Wohnungen, die damals über der Bücherei gebaut wurden, waren wichtig und sehr begehrt.“

Bei den samstäglichen Bürgersprechstunden war List stets vorbereitet. Als Aufsichtsratsvorsitzender der Bietigheimer Wohnbau hatte er sich immer die neuesten Wohnungsausschreibungen geben lassen und diese in den Gesprächen weitergegeben. „Bezahlbare Wohnungen, das war schon immer ein Thema.“ Ebenso wie der Verkehr, der durch die Süd- und Nordtangente und den Grotztunnel aus den städtischen Zentren herausgeführt wurde.

Doppelbelastung: Landtag und Rathaus

1991 waren dann nicht nur die Belange der Stadt seine Aufgabe, sondern auch Landesthemen. Als Landtagsabgeordneter rückte er als Stellvertreter für Lothar Späth nach. „Das war eine nette Freundschaft und als er mich fragte, ob mich ich als zweiter Kandidat aufstellen lassen würde, habe ich es gemacht.“

Das bedeutete für den Oberbürgermeister aber auch eine erheblich höhere Arbeitsbelastung: „Das ging auch nur, weil ich ein tolles Team im Rathaus hatte.“ So begann er damals den Arbeitstag um 7.30 Uhr im Rathaus, um zwei Stunden später mit dem Zug zum Landtag nach Stuttgart zu fahren. „Danach ging es dann wieder ins Rathaus. Ich war aber auch immer telefonisch für meine Mitarbeiter erreichbar.“ Sein Arbeitstag endete häufig erst um 23 Uhr. „Es war eine Doppelbelastung, die viel Kraft gekostet hat, aber ich würde es immer wieder so machen.“

Denn dadurch habe er Wünsche aus dem Kreis auch in der Landespolitik thematisieren können. Bis 2001 war er Landtagsabgeordneter. Von 1979 bis 2019 war er Mitglied im Kreistag Ludwigsburg und von 2004 bis 2014 auch Regionalrat beim Verband Region Stuttgart.

Jede Zeit hat ihre eigenen Herausforderungen

Gerade auch der Kontakt mit den Menschen sei das Besondere an seinem Beruf als Oberbürgermeister gewesen. „Ich habe schon immer gerne die Feste besucht und dann mit den Leuten geredet.“ Das mache er auch heute noch gerne, wenn er auf seinen Spaziergängen entlang der Felder alte Bekannte treffe oder jemand ihn erkenne, dann unterhalte er sich sehr gerne mit den Leuten, wenn es die Zeit erlaubt.

Das Tennisspielen hat er mittlerweile aufgegeben und auch den Vorsitz im Altenheim-Förderverein. Doch um seinen Garten kümmert er sich immer noch. „Alles hat seine Zeit und jede Zeit hat ihre Herausforderungen.“ In die Politik heute mische er sich nicht mehr ein, denn aus seiner Erfahrung heraus weiß er: „Es ist alles zu bewältigen.“ Und die Stadt schuldenfrei an seinen Nachfolger Jürgen Kessing zu übergeben sei ihm damals wichtig gewesen. „Das war nicht selbstverständlich“, erinnert sich List.

Seinen Geburtstag heute feiert List mit engen Freunden und seiner Familie, zu der mittlerweile sechs Enkel und ein Urenkel zählen. „Das ist schon ein erhebendes Gefühl, den Urenkel auf dem Arm zu haben“, schwärmt List. Für ihn gehe es an diesem Tag nicht um Geschenke und Kuchen, sondern darum, „die Zeit mit Menschen zu verbringen, die einem ans Herz gewachsen sind“.

 
 
- Anzeige -