Bietigheim-Bissingen Im Zeichen von Turm, Rad und Kreuz

Von Uwe Mollenkopf
Das Bietigheim-Bissinger Stadtwappen auf der Fahne, die normalerweise vor dem Rathaus zu sehen ist, aber wegen der Sanierung der Fassade abgehängt wurde. Foto: /Martin Kalb

Vor 50 Jahren wurde das neue Stadtwappen von Bietigheim-Bissingen offiziell genehmigt. Es vereint Elemente aus Bietigheim und Bissingen.

Mit der Gründung der neuen Stadt Bietigheim-Bissingen im Jahr 1975 stellte sich auch die Frage nach einem neuen Wappen. Die Verantwortlichen entschieden sich damals für eine Form, die Elemente der Stadt Bietigheim und der Gemeinde Bissingen in sich vereinigte. Mit etwas Verspätung wurde das neue Stadtwappen vor rund 50 Jahren, am 12. August 1976, vom Regierungspräsidium Stuttgart offiziell genehmigt – ein Anlass, einen Blick auf die beiden Vorgängerwappen und weitere Hoheitszeichen in den Stadtteilen zu werfen.

Die Geschichte der Wappen geht zurück ins Mittelalter. Sie entstanden, indem Adelige und Ritter ihre Schilde als Erkennungszeichen farbig gestalteten. Städte nutzten örtliche Symbole zunächst für ihre Siegel, auch auf Grenzsteinen wurden diese verwendet. Schließlich erschienen sie auch in Schildform.

Besonders beliebt waren Türme und Mauern in Stadtwappen, da sie für Wehrhaftigkeit standen – so auch in Bietigheim. Dort ist ein silberner Zinnenturm mit schwarzem Tor auf rotem Hintergrund seit 1474 in den Bietigheimer Stadtsiegeln belegt. Er weist auf die einstige Stadtbefestigung als charakteristisches Merkmal der mittelalterlichen Stadt hin. Auch in den 500 Jahre alten Bietigheimer Annalen, die im Stadtarchiv aufbewahrt werden, ist der Wappenturm abgebildet und wird auch erläutert.

Spital übte das Patronat aus

Im benachbarten Bissingen ist die Wappenfarbe hingegen Blau, darauf ein goldenes Doppelkreuz mit gespaltenem goldenem Fuß und links an den Stamm angelehnt ein B, wie Bissingen. Es handelt sich dabei um das Hochkreuz des Spitals Markgröningen, das im 15. Jahrhundert das Kirchenpatronat, also die Schirmherrschaft, sowohl in Bissingen als auch in Bietigheim erworben hatte. Ein Wappen des Markgröninger Heilig-Geist-Spitals mit der Jahreszahl 1518 ist etwa an der Kilianskirche zu sehen.

Auch Untermberg, das 1953 zu Bissingen kam, hatte ein Wappen. Darauf abgebildet: die Ruine Altsachsenheim, die württembergischen Hirschstangen und die Initialen U. B., so Hermann Roemer („Bissinger Heimatbuch“).

Mühlrad als Fleckenzeichen

Ein ganz anderes Wappen war in der Gemeinde Metterzimmern gebräuchlich. Dort wurde 1715 erstmals ein Mühlrad als Fleckenzeichen auf einem Grenzstein verwendet. Andreas Walter (Heimatbuch „Metterzimmern“) vermutet, dass die Zimmerer damit den Stolz auf ihre eigene Mühle ausdrücken wollten, die um diese Zeit gebaut wurde. Daraus abgeleitet ist das Wappen, bestehend aus einem roten Mühlrad auf weißem Grund. Mit der Eingemeindung Metterzimmerns nach Bietigheim 1930 rückte das Wappen in den Hintergrund, das Rad ist aber bis heute über dem Eingang zum alten Rathaus zu sehen.

Im neuen Bietigheim-Bissinger Stadtwappen von 1975 blieben der alte Bietigheimer Turm und die rote Farbe erhalten. Als Zeichen des Zusammengehens mit Bissingen wurde ein blaues Markgröninger Spitalkreuz in den Turm integriert. Zu sehen ist das Stadtwappen beispielsweise ganz prominent auf der Fahne vor dem Bietigheimer Rathaus. Allerdings: So lange, bis die derzeitige Sanierung der Rathausfassade fertig ist, müssen die Bürger auf den Anblick verzichten.

 
 
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