Bietigheim-Bissingen Immer mehr Lehrer suchen Schulsozialarbeit auf

Von Uwe Mollenkopf
Frank Schneider, der Leiter der Jugendförderung „Das Netz“, und Janina Müller, die Fachbereichsleiterin für Schulsozialarbeit, berichteten im Jugendausschuss aus ihrer Arbeit. Foto: /Archiv/Martin Kalb

Die Verantwortlichen der Jugendförderung zogen im Jugendausschuss Bilanz. Die Mobile Jugendarbeit ist seit Juli 2024 am Bahnhof präsent. 

Im Februar des vergangenen Jahres hat er die Nachfolge von Harald Finkbeiner-Loreth als Leiter der Jugendförderung „Das Netz“ in Bietigheim-Bissingen übernommen, jetzt legte Frank Schneider zusammen mit Janina Müller, der Fachbereichsleiterin für Schulsozialarbeit, im Jugendausschuss seine erste Bilanz vor. Der Rückblick auf den Zeitraum September 2024 bis August 2025 war geprägt von etlichen personellen Wechseln und weiterhin viel Arbeit für die 16 Schulsozialarbeiter, fünf hauptamtlichen Mitarbeiter des Jugendhauses und zwei Streetworker (plus Auszubildende).

Personell stieg Janina Müller, die bisher schon in der städtischen Schulsozialarbeit tätig war, zu deren Leiterin auf, nachdem Schneider, der zuvor diese Stelle inne hatte, die Gesamtleitung von „Das Netz“ übernommen hatte. Weiterhin übernahm Schneider auch die Leitung des Jugendhauses 4D, nachdem dies ein Gutachten empfohlen hatte. Die bisherige Teamleiterin, Petra Loreth, ist aber weiterhin im Team tätig.

40 Streetwork-Gänge

Laut Schneider hat sich in der Mobilen Jugendarbeit der Standort Bahnhof stabilisiert. Dort ist die Jugendarbeit seit Juli 2024 präsent (die BZ berichtete). Bei über 40 Streetwork-Gängen seien insgesamt 106 neue Kontakte hergestellt worden. „Wir gehen in die Welt der Jugendlichen“, beschrieb er die Tätigkeit. Regelmäßige Routen führten vom Bahnhof entlang der Enz, durch den Bürgergarten, über das Parkdeck am Kaufland bis in die Innenstadt und zum Overlandpark.

Im April 2024 sei die Jugendarbeit in Bietigheim-Bissingen auch aufgrund von Auseinandersetzungen zwischen Jugendgruppen gefragt gewesen, berichtete Schneider. In enger Zusammenarbeit mit Ordnungsamt, Polizei und Jugendsachbearbeitern habe die Situation durch verstärkte Präsenz entschärft werden können. Insgesamt gebe es eine deutliche Zunahme an Einzelfallhilfen, regelmäßige Cliquenangebote seien aufgebaut worden.

Das Jugendhaus in Bietigheim-Bissingen bleibe „ein verlässlicher und sicherer Ort“, der Jugendlichen in sehr unterschiedlichen Lebenslagen Halt, Entwicklungsmöglichkeiten und Zugehörigkeit biete, stellte Frank Schneider im Jahresbericht fest. Gleichwohl hab es auch Probleme mit Jugendgruppen gegeben, unter anderem trat im Herbst 2024 eine Gruppe ukrainischer Jugendlicher auf, es kam zu wiederholtem unerlaubten Alkoholkonsum.

Nach dem Motto, dass Jugendliche am besten durch eine abwechslungsreiche Angebotsstruktur erreicht werden, gibt es laut Schneider eine ganze Reihe von Angeboten, die von einem Gartenprojekt über Boxen und Fitness bis hin zu Zirkus und Theater reichen. Durchschnittlich besuchen 145 Jugendliche pro Woche das Jugendhaus, im Winter mehr als im Sommer. Die Schulsozialarbeit ist laut Janina Müller geprägt durch steigende psychosoziale Belastungen, darunter eine wachsende Zahl psychischer Erkrankungen bei Jugendlichen. Ein zentrales Problem bestehe darin, dass notwendige Weitervermittlungen an externe Stellen, insbesondere an psychologische Fachinstitutionen, immer schwieriger würden.

Warteliste wächst an

Die Themenfelder der psychosozialen Beratung sind laut Müller breit gefächert und umfassen unter anderem Bindungsstörungen, Drogenkonsum, Traumata, selbstverletzendes Verhalten, Depressionen sowie weitere psychosomatische Erkrankungen. Im Schuljahr 2024/25 habe die psychosoziale Beratung an acht von zehn Schulen etabliert werden können. Die Warteliste sei dabei kontinuierlich angewachsen.

Aber auch Lehrer suchen die Schulsozialarbeit laut Müller vermehrt auf, nicht nur im Rahmen der Schülerunterstützung, sondern auch für ihre eigene Entlastung. Im Betrachtungszeitraum habe es 1130 Beratungen gegeben. Viele berichteten von einer Überforderung angesichts steigender Anforderungen, wachsender Verhaltensauffälligkeiten und komplexer sozialer Dynamiken in den Klassen. Hinzu kämen zeitlicher Druck, hohe Erwartungshaltungen und die Sorge um die eigene Gesundheit, schilderte die Expertin die Situation an den Schulen in der Stadt.

 
 
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