Bietigheim-Bissingen „Industriecharakter und Authentizität überdauern“

Von Uwe Mollenkopf
Die historischen Fabrikgebäude auf dem ehemaligen Elbe-Areal wurden saniert und einer neuen Nutzung zugeführt. Foto: /Martin Kalb

Beim Wettbewerb „Beispielhaftes Bauen“ im Landkreis Ludwigsburg hat die Jury gleich zwei Projekte im Aurain-Carré prämiert.

Die ehemalige Fabrikanlage der Schmirgelwarenfabrik Elbe gilt als herausragendes Kulturdenkmal der Industrialisierung um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Das soll auch in Zukunft so bleiben: Nach dem Ende der Schmirgelwarenproduktion und dem Kauf des Geländes durch die Bietigheimer Wohnbau, die dort das Baugebiet Aurain-Carré entwickelt, wurden die erhaltenswerten Fabrikgebäude – die teilweise unter Denkmalschutz stehen – einer neuen Nutzung zugeführt. Zwei dieser Bauprojekte, für die beide das Büro KMB aus Bietigheim-Bissingen verantwortlich zeichnet, überzeugten vor Kurzem die Jury im Rahmen des Wettbewerbs „Beispielhaftes Bauen“ im Landkreis Ludwigsburg.

Es handelt sich zum einen um das Gebäude Austraße 129, dessen Sanierung bereits 2022 abgeschlossen wurde. Dort befindet sich seitdem die Firmenzentrale der Reko Holding GmbH, einem Entsorgungsunternehmen und Softwareentwickler, der dort rund 50 Büroarbeitsplätze hat. Aus Sicht der Jury wurde dazu das Ensemble aus Fabrikgebäuden und Schornstein „denkmalgerecht restauriert und durch einen eingeschossigen Glasbau sensibel ergänzt“. Herzstück sei die frühere Brennhalle, die als großzügiger, offener Arbeitsraum mit Galerie, Besprechungszonen und dem markanten Dachtragwerk erlebbar bleibe.

Energetisch ertüchtigt

„Transparenz und Ablesbarkeit des Bestands sowie die Bewahrung der historischen Oberflächen in Kombination mit einer reduzierter Materialwahl sorgen dafür, dass Industriecharakter und Authentizität überdauern“, so die Jury. Energetische Ertüchtigung, Photovoltaik und nachhaltige Materialien führten das Denkmal in die Gegenwart. Hier zeige sich beispielhaft, „wie industrielle Baukultur über 130 Jahre hinweg neu belebt werden kann“. Ebenfalls ausgezeichnet wurde die Umnutzung des Gebäudes in der Austraße 131 – auch dieses ist denkmalgeschützt. Hier gelang es laut Jury, Büro-, Praxis- und Wohnnutzung unter einem Dach zu vereinen. „Das Raum-im-Raum-Konzept der Zahnarztpraxis mit dem bewussten Abstand der eingestellten Raumkuben zur historischen Fassade und die beispielhafte Ausarbeitung der Details“ fanden das Lob der Jurymitglieder. Die klare Abfolge der Räume trage zur besseren Orientierung bei, heißt es, und: „Die hohe Innenraumqualität mit der dezenten Materialwahl schafft eine beruhigende Umgebung, in der der Bestand durch die Glaswände in den Behandlungsräumen seine Geschichte erzählen darf.“

Einblicke in Gebäudegeschichte

Gut fand die Jury insbesondere, dass die jeweiligen Schichten der Umbauten und Entwicklungen über die Jahrzehnte, wo dies möglich war, sichtbar belassen wurden, um Einblicke in die Geschichte des Gebäudes zu ermöglichen. „Die mitunter raue Arbeit, die in den Gebäuden über Jahrzehnte vorherrschte, ist so an vielen Stellen noch spürbar“, heißt es dazu. Der Gebäudeteil war durch die Bauherrengemeinschaft Kerker und Orth erworben und für die gemischte Nutzung mit Büroflächen für das KMB selbst, eine Zahnarztpraxis sowie sieben Appartements saniert worden. Die Fertigstellung erfolgte 2025.

 
 
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