Bietigheim-Bissingen/Ingersheim Jugendwehren mit Feuereifer im Einsatz

Von Oliver Gerst
Am Samstag fand eine gemeinsame Jugendfeuerwehrübung von Bietigheim-Bissingen und Ingersheim statt. Die Bietigheimer Jugendwehr musste mit Hilfe einer Pumpe Gefahrgut entsorgen. Foto: /Martin Kalb

33 Kinder und Jugendliche aus dem Kreis löschen, bergen, retten und beseitigen Gefahrgut in fingierten Szenarien auf dem Yaheetech-Gelände in Bietigheim-Bissingen. 

Vermisste Personen durch einen Brand, bewusstlose Menschen im Keller, ein eingeklemmter Mann unter Paletten und gefährliche Flüssigkeiten auf dem Gelände – das waren die Szenarien, welche die beiden Jugendfeuerwehren aus Bietigheim-Bissingen und Ingersheim am Samstagnachmittag bei der Firma Yaheetech in der Höpfigheimer Straße in Bietigheim-Bissingen vorfanden. Eine Übung wie sie die Freiwillige Feuerwehr Bietigheim jedes Jahr abhält mit wechselnden Partner-Wehren aus der Umgebung.

Keine Nachwuchssorgen

„Für die Einsätze hat unser Planungsteam drei Sitzungen gebraucht“, verrät die Bietigheimer Jugendwehrwartin Michelle Jung. Und für die Szenenauf- und -rückbauten werden die Aktiven der Wehr benötigt. So eine Übung sei damit schon ein großer Organisationsaufwand, aber wenn man die Begeisterung und Ernsthaftigkeit sehe, mit der die jungen Nachwuchskräfte bei der Sache sind, wisse man, dass sich die Mühe lohne, so Jung.

Insgesamt zählt die Bietigheimer Wehr 40 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 17 Jahren, von denen 25 mit zwölf Betreuern beim Einsatz dabei waren, die Ingersheimer kamen mit acht von elf jungen Feuerwehrleuten und vier Betreuern. Nachwuchssorgen hat Jung nicht: „Wir machen viel Werbung und haben in Schulen und Familien eine hohe Akzeptanz“. Sie schätzt, dass von den aktuell 40 jungen Menschen später 20 in die aktive Feuerwehr eintreten. Auch der stellvertretende Ingersheimer Jungendwehrwart Justin Klaiber sieht seinen Nachwuchs gut aufgestellt, würde sich aber über ein paar Kinder und Jugendliche mehr freuen.

Vier Einsätze gleichzeitig

Die alarmierten Jugendwehren wurden in fünf roten Einsatz- und Löschfahrzeugen vor Ort gebracht – spektakulär mit Blaulicht und Martinshorn. Sie waren gespannt, welche Aufgaben hier auf sie warten und gingen konzentriert und mit Feuereifer ans Werk. Unter den Augen ihrer Eltern inspizierten sie selbstständig die Einsatzorte und ergriffen in vier Gruppen parallel die notwendigen Maßnahmen: Schläuche ausrollen und durch Rauchschwaden (Nebelmaschine) ins Gebäude verlegen, um dort einen fingierten Brand im Büro zu löschen, verletzte Personen aufzuspüren und fachmännisch zu bergen.

Vom Gabelstapler gefallenen Paletten mussten mit Luftkissen angehoben werden, damit die darunter liegende Puppe gerettet werden konnte, und nach Stromausfall galt es im dunklen Keller vier vermisste Personen aufzuspüren und über eine steile Wendeltreppe drei Stockwerke nach oben zu transportieren. Gleichzeitig mussten im Freien ausgelaufene giftige Flüssigkeiten (gefärbtes Wasser) mittels Pumpe in sichere Behältnisse abgefüllt werden. Augenscheinlich wurden die unterschiedlichen Aufgaben alle gut gelöst, nach etwa 30 Minuten war das Spektakel vorbei.

Auch Feuerwehrkommandant Frank Wallesch aus Bietigheim, der sich einen persönlichen Eindruck auf dem Gelände verschaffte, war sichtlich zufrieden. Geschäftsführer Tobias Gutekunst freute sich, dass er mit den Gegebenheiten bei Yaheetech ideale Voraussetzungen für solche Übungsszenarien bieten kann.

24-Stunden-Marathon

Die Übung war aber nur einer von mehreren Einsätzen eines insgesamt 24 Stunden dauernden Marathons für die Jugendwehren. Dieser begann am Samstag bereits um 8 Uhr mit dem Aufbau von Feldbetten für die spätere Übernachtung im Bietigheimer Feuerwehrhaus. Um 10, 11 und 13 Uhr gab es Brandalarme auf einem Feld, in einer Garage und in einer Scheune. Mittags war ein sportliches Zirkeltraining angesagt, nach dem Einsatz bei Yaheetech wurde gegrillt – unterbrochen durch einen Großbrandalarm auf einem Bauernhof um 20.30 Uhr.

Um 22 Uhr sollte nach einer Party eine vermisste Person auf einem Waldparkplatz im Forst gefunden werden, um 3 Uhr am Sonntagmorgen galt es einen eingeklemmten Waschbären zu retten, und um 7.30 Uhr gab es noch einen Fehlalarm bei der EgeTrans-Arena. Seinen Abschluss fand der 24-Stunden-Einsatz mit einem gemeinsamen Frühstück auf der Wache.

 
 
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