Bietigheim-Bissingen Kaum Zeit zum Durchatmen

Von Jonathan Lung
Kabarettist Frederic Hormuth führte als Moderator durch den Abend. Foto: /Martin Kalb

Die dritte Lachnacht brachte im Kronenzentrum drei Comedians auf die Bühne, die quasi kein Thema ausließen.

Von Problemen des Alltags und des Alters, von älteren Frauen in überfüllten Zügen, sportlichem Gruppendruck, Versuchen, im Dönerimbiss einen Tisch zu reservieren, von typisch schwäbischem Verhalten hin zur großen Politik und den Fragen unserer Zeit – vier Kabarettisten brachten es am vergangenen Donnerstag auf den Punkt und Bietigheim-Bissingen zum Lachen.

„Volle Hütte“, freute sich Moderator Frederic Hormuth. Voll besetzt war das Kronenzentrum mit 500 Lach-Willigen: schon zum dritten Mal fand die „Lachnacht“ statt, und neben Besuchern der ersten Stunde waren auch viele zum ersten Mal dabei, wie Hormuth per Handzeichen erkannte.

Von Tagespolitik zu Regionalem

Der Moderator ließ dem Publikum dann auch schon zu Beginn kaum Verschnaufpausen: „Ich will herausfinden, was humortechnisch in Ihnen drinsteckt“, verkündete er, nachdem er mit einem tagespolitischen Abriss begonnen hatte – von Trump bis zum Berliner Stromausfall. Wie es denn bloß sein könne, dass der dortige Oberbürgermeister Tennis spielt, während seine Bürger keinen Strom haben? Bei genauem Nachdenken habe er gemerkt: „Der hat ja tags gespielt, der brauchte kein Flutlicht und damit keinen Strom.“

Nachrichten aus der Region wurden auch behandelt: Ob man sich schon auf Breitbandausbau und neue Bike Parks freue?, fragt er, um dann per Handzeichen festzustellen, dass in seinem Publikum eher niemand in Bike Parks geht. Nach einer Reihe „schlechter Witze“, um das volle Potenzial des Publikums zu testen, befand Hormuth: „Jetzt haben wir Betriebstemperatur.“

Sein erster Gast war aus Hamburg angereist: Kerim Pamuk verkündete gleich zu Beginn, das Publikum beruhigend, er sei „Türke, aber nett“, wie man das als Minderheit eben so mache. Als Hamburger fühlte er sich in der „schwäbischen Ekstase“, mit der das Publikum auf seine Witze einging, direkt wohl: „Nichts gemeckert ist genug gelobt“ und „das war so lustig, ich hätte fast geklatscht“ seien seine Lieblingsreaktionen nach der Show. Pamuk erzählte dann offen von seinem Leben, etwa wie er beim Kaffeetrinken gemerkt habe, dass er „nach 40 Jahren deutsch geworden“ sei: Sein türkisches Ich machte sich früher keine Gedanken über die Zeit des Trinkens und den Koffeingehalt.

Über Anekdoten aus der Bahn ging es weiter, und auch das Alter sparte er nicht aus. Während seine Kinder aufblühten, werde er immer energieloser, gab Pamuk zu – Sport treiben wie andere Männer in seinem Alter will er aber nicht. Haben „Sie schon mal jemanden gesehen, der beim Joggen glücklich aussieht?“, fragte er, bevor er die sportlichen Qualen seines Freundes kurz demonstrierte.

Bissingen verwechselt

„Einmal mit Profis“, sang Moderator Hormuth dann am Flügel, der zugeben musste, bei seiner Vorab-Information Bissingen mit dem in Bayern verwechselt zu haben: „Es kann doch nicht jeder so blöd wie ich sein.“

„Ihr seid eine wirklich wilde Crowd“, schmeichelte dann Lutz von Rosenberg Lipinsky – „im Rahmen eurer Möglichkeiten.“ Bei ihm drehte es sich zunächst um seine Aufenthalte in Hotels: schwäbische Hotelfrauen, die auf Teufel komm raus nur den Beginn aber nicht das Ende des Frühstücksbuffets herausgaben, und Hotelzimmer, die mit – für ihn mit seiner Glatze nicht sinnvollen – Duschhauben ausgestattet waren. „Egal, ich nehme sie mit.“

Es sei doch auch die schwäbische Mentalität, nichts übrig zu lassen? „Woran erkennt man ein schwäbisches Kreuzfahrtschiff? – Da fliegen keine Möwen hinterher!“ Über die Lockdown-Verwahrlosung seines Sohnes und dessen Auszug kam man zur neuen Freiheit: „Denn das Schöne ist ja, meine Frau ist schon vor den Kindern ausgezogen.“

Auch politisch wurde es

Er wurde dann auch bald politisch. Das Frauenbild des Kanzlers sei wenig modern, ob denn das Sauerland der Iran Deutschlands sei? Seine Lösung für die politische Spaltung schließlich: Schlagerpartys. Da machten nach zwei Stunden auch die mit, die es nicht mochten. Und schon legte er los und griff zum Mikro.

Kultur finanziere sich durch die Einnahmen an der Bar, erinnerte Moderator Hormuth das Publikum noch, bevor er nach der Pause Alice Köfer und Bumillo empfing: Sie aus Berlin, er „Kabarettist und Hausmann“, wobei man ihn nur für eines buchen kann. Und schon verkündete Moderator Hormuth: „Bis nächstes Jahr.“

 
 
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