Eigentlich hatte die Stadtverwaltung positive Nachrichten im Gepäck, als sie in der jüngsten Sitzung des Schulbeirats über den Stand der Digitalisierung an den städtischen Bildungseinrichtungen berichtete: Die Netzwerkmodernisierung und die Serverzentralisierung schreiten voran, schon bald könne die Migration der Schulen auf den neuen, zentralen Server erfolgen. Doch die Schulleiter und Elternvertreter interessierten sich vielmehr für die digitale Ausstattung, beziehungsweise eben jenen Mangel.
Bietigheim-Bissingen Kein Geld für iPads und Schulbücher?
Die Schulleiter beschweren sich über mangelnde digitale Ausstattung. Weil die Stadt bislang nur 50 Prozent der Schulbudgets freigegeben hat, wird das Geld auch an anderer Stelle knapp.
Schulleiterin Susanne Pohl von der Gustav-Schönleber-Schule wollte von der Verwaltung wissen, ob es noch Restbestände an iPads gebe, an ihrer Schule würden nämlich demnächst 20 Prozent der Geräte auslaufen. Hanus klärte auf, dass es solche Rückstellungen nicht gebe, neue Geräte müssten in den Nachtragshaushalt für 2026 oder den Haushalt für 2027 aufgenommen werden.
„Stift und Papier nicht die Realität“
Nicole Stockmann, Schulleiterin am Gymnasium I der Ellentalgymnasien, kritisierte, dass man seit zehn Jahren auf Ansage des Schulträgers alles auf eine zunehmende Digitalisierung hin ausgerichtet habe, und nun sei plötzlich kein Geld mehr für die Ausstattung da. Stattdessen habe man zehn Jahre alte Geräte in Betrieb, Schüler, die seit Monaten auf ein IPad warten, Kopierer, die nicht funktionieren, Lehrer, die nicht arbeiten können. „Stift und Papier sind nicht mehr die Realität.“
Erster Bürgermeister Hanus sagte, dass man das Problem der Lebenszeit der Geräte vor einigen Jahren zwar kommen sehen habe, nicht jedoch das Einnahmenproblem der Stadt. Auch Alexandra von Ostrowski als Schulleiterin der Schillerschule sagte, dass man das den Lehrkräften nur schwierig vermitteln könne, schließlich sei es nicht deren Entscheidung gewesen, die Digitalisierung zu forcieren. Schon damals sei diese überdimensioniert gewesen, vor allem für die Grundschulen.
Nun sorgten die Sparzwänge sogar dafür, dass sie keine Schulbücher für das kommende Schuljahr kaufen könne. Grund dafür ist, dass die Stadt von den ohnehin gekürzten Schulbudgets für das Jahr 2026 bislang nur 50 Prozent freigegeben hat. Die Schulen selbst hätten davon jedoch bis vor wenigen Tagen nichts gewusst. Andernfalls hätte man möglicherweise nicht die Anschaffung von 30 Glockenspielen für den Musikunterricht getätigt, so von Ostrowski. Auch Harald Schmitt (Realschule im Aurain) zeigte sich von dieser Nachricht schockiert. Immerhin habe man die eigenen Ausgaben bereits geplant, in der Annahme, das volle Budget werde zur Verfügung stehen. Die Spielräume seien deshalb nun extrem gering.
Schlechte Kommunikation
In diesem Fall habe die Kommunikation nicht funktioniert, so lautete die Erklärung der Stadtverwaltung. Man gehe jedoch davon aus, dass nötige Beschaffungen wie Schulbücher getätigt werden könnten. Man werde sehen, ob zeitnah weitere 20 oder 30 Prozent des Budgets freigegeben werden können, sagte Bürgermeister Hanus.
Schulleiterin Roberta Neugebauer von der Hillerschule sprach sich dafür aus, bei unterschiedlichen Schularten an unterschiedlichen Punkten Einsparungen vorzunehmen. Dabei solle die Stadt auf die Schulen hören: „Vielleicht haben wir total gute Sparideen.“ Eine weitere Kürzung der Budgets bringe die Schulen dafür wirklich ins Schlingern, so Neugebauer.
Stadtrat Thomas Reusch-Frey (SPD) sagte: „Wir brauchen Verlässlichkeit. Die Schulen brauchen eine gute Ausstattung.“ Auch Hanspeter Diehl, Schulleiter der Realschule Bissingen, sparte nicht an Kritik: „Wir haben die Verantwortung, einen guten Unterricht anzubieten. Dafür brauchen wir motivierte Lehrkräfte.“ Mehrmals habe man gesagt bekommen, eine Eins-zu-Eins-Ausstattung stehe zur Verfügung. Nun habe man aber bereits im Herbst 25 iPads bei der Stadt bestellt, diese habe die Bestellung beim Hersteller jedoch immer noch nicht aufgegeben. Die Situation sei verheerend, zumal das Projekt den Schulen übergestülpt wurde, diese hätten das nie gefordert.
Tobias Weigel (Schule im Sand) bot an, mit Geräten auszuhelfen. Durch das Auslaufen der Sekundarstufe habe man ältere Geräte übrig.
