Der Glühweinausschank vor dem Backhäusle in Metterzimmern ist in vollem Gange und die Neujahrsbrezeln liegen auf zwei Blechen bereit. Bittend und mit besonders treuem Blick schaut die schwarze Hündin Maja in Richtung ihrer Besitzerin. Nur allzu gern würde sie auch einmal kosten: „Ein kleines Stückchen hat sie abbekommen“, sagt Nadine Schneider schmunzelnd, während sie an ihrem Glühwein nippt. Insgesamt sind es 20 Damen und Herren vom Turnverein Sersheim, die auf ihrer mittäglichen Wanderung durch das winterliche Metterzimmern auf das Angebot des Backhausvereins aufmerksam wurden und gern Halt gemacht haben, um sich zu stärken.
Bietigheim-Bissingen König oder Königin für einen Tag
Erneut hat der Backhausverein im Backhaus in Metterzimmern Dreikönigskuchen zubereitet. Wer die versteckte Mandel findet, wird gekrönt.
Für anderthalb Stunden sind die Türen der kleinen historischen Backstube am Dreikönigstag geöffnet. Die Öfen sind allerdings bereits wieder abgekühlt, denn das traditionelle Backen fand schon ganz in der Früh’ statt. Um sieben Uhr morgens wurde das Feuer entfacht und ab acht Uhr hieß es, den Teig für die Dreikönigskuchen auszurollen: „Da brauchen wir immer so fünf bis sechs Leute, die mithelfen“, erzählt die Vorsitzende des Backhausvereins, Ute Silcher. Der Hefeteig will nämlich gut mit dem Nudelholz bearbeitet sein, damit er seine für das Aufgehen und Backen erforderliche Spannung erhält.
Eine Alternative zur Neujahrsbrezel
Von Backhaus aus, ein kleines Stückchen die Straße hinunter, befindet sich der Ausgabestand unter einem großen grünen Pavillon. Edel in goldene Tragekartons verpackt, warten noch sieben Dreikönigskuchen auf ihre Abholung und jeder Käufer erhält zusätzlich zum Gebäck das Rezept sowie eine kleine goldene Pappkrone.
38 Bestellungen sind in diesem Jahr eingegangen, berichtet Madeleine Brosi vom Backhausverein: „Es ist immer der gleiche harte Kern, der bestellt“, berichtet sie lachend und Ute Silcher freut sich, dass ihre Kuchenidee so gut ankommt: „Ich bekomme inzwischen Mails, in denen steht, dass es zur Tradition in der Familie geworden ist, bei uns einen Dreikönigskuchen zu bestellen“.
Seit fünf Jahren wird der Dreikönigskuchen in Metterzimmern gebacken, ein Brauch, der vor allem in der Schweiz stark verbreitet ist. Ute Silcher suchte nach einer Alternative zur Neujahrsbrezel und wurde im Internet auf das spezielle Schweizer Hefegebäck aufmerksam: „Damals waren wir alle noch in der schwierigen Coronazeit und ich wollte vor allem Familien mit Kindern damit eine kleine Freude machen“ erinnert sie sich. Gebacken wird in alten Holzöfen, die etwas mehr Unterhitze erzeugen und somit alle Dreikönigskuchen über eine etwas stärkere Bräunung an der Unterseite verfügen.
Wer findet die Mandel im Kuchen?
Von Aussehen her erinnert das Gebäck an eine Krone, denn eine große Kugel in der Mitte wird von mehreren kleinen Kugeln umrahmt und in einer davon wird traditionell eine Bohne oder eine kleine Königsfigur aus Kunststoff versteckt. Um der allgemeinen Zahngesundheit willen wird beim Bietigheim-Bissinger Backhausverein allerdings eine Mandel versteckt und wer sie findet, wird als König gefeiert. Er oder sie muss an dem Tag keine Hausarbeit erledigen oder darf bestimmen, was gemeinsam unternommen wird.
Ein schöner Brauch, der Zusammenhalt im Ort stiftet, was schon vor dem Backhaus beginnt, wie es Rimma Starodubtseva vom Backhausverein empfindet: „Es belebt den öffentlichen Raum, bringt Menschen zusammen und man kommt ins Gespräch“.
Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Dreikönigskuchen wird außerdem noch Gutes getan: Jedes Jahr kommen um die 500 Euro zusammen, die gespendet werden – in diesem Jahr an die Schulkindbetreuung der Waldschule Bissingen.
