Unglaublich! – Zeitgenössische Kunst in den Sphären der Religion“. So heißt die neue Ausstellung in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen, die bis zum 21. Juni zu sehen sein wird. Bereits im Oktober 2023 sei der erste Kontakt zu den beiden Künstlern Matthias Beckmann und Roland Stratmann entstanden, die nicht nur eigene Werke zu der Ausstellung beigetragen haben, sondern auch als Kuratoren tätig waren, wie Galerieleiterin Isabell Schenk-Weininger erklärt.
Bietigheim-Bissingen Kontraste von Kulturen und Religionen
In der neuen Ausstellung „Unglaublich! – Zeitgenössische Kunst in den Sphären der Religion“ geht es um kulturelle Ausprägungen des Glaubens.
Man habe sich bewusst dagegen entschieden, eine Überblicksausstellung zu kreieren, sagt Stratmann, stattdessen habe man eine feine und subjektive Auswahl an Werken getroffen. Die Künstler kommen aus vielen Ländern, sind christlich, jüdisch, muslimisch, agnostisch oder atheistisch aufgewachsen – manche sind gläubig, andere haben eine kritische Distanz zur Religion. Sie beschäftigen sich mit der Faszination, die sie in den kulturellen Ausprägungen einer Religion finden – deren Ikonografie und Symbolik, Architektur oder Rituale. Die Werke bewegen sich zwischen Aneignung, Dekonstruktion und Neuinterpretation tradierter religiöser Bild- und Bedeutungssysteme.
Parallelen der Heilsversprechen
Zu sehen sind etwas fünf großformatige Bilder des Künstlers Martin Assig aus seiner Reihe „St. Paul“. Im Zuge einer schweren Krankheit habe sich dieser mit existenziellen Fragen beschäftigt, darunter auch der Unsterblichkeit. Auf seinen Bildern habe er sich völlige Freiheit bei Farbe, Format und Stil erlaubt, wie Schenk-Weininger ausführt. In seinen Werken kombiniert er dabei Bilder und Text. Ein Gemälde besteht sogar ausschließlich aus Schrift. Der Künstler kombiniert dabei das Vaterunser mit der Internationalen und arbeitet Parallelen im jeweiligen Heilsversprechen heraus.
Eine Reihe an Zeichnungen von Nadine Remmert sind ebenfalls zu betrachten. Dabei stellt die Künstlerin eine zehnstündige Zeremonie der südkoreanischen Totenkultur dar. Auch zwei Figuren der Künstlerin stellt die Galerie aus: Darunter eine Madonna, die in ihrer Brust ein weiße Fratze trägt, die an eine japanische Dämonenmaske erinnert. Die Figur stellt damit einen eindrucksvollen Kontrast zwischen dem Kontemplativen und dem Expressiven dar.
Kurator Matthias Beckmann hat eine Reihe an Zeichnungen zur Ausstellung beigesteuert, die im Bode-Museum und der Gemäldegalerie in Berlin entstanden sind. Sie zeigen religiöse Figuren, die ihrem kulturellen Kontext entrissen und in den jeweiligen Museen in einen völlig neuen Zusammenhang gesetzt wurden. In den dokumentarischen Arbeiten kann auch einmal ein Notausgangsschild zu sehen sein, er zeichne eben, was da ist, sagt Beckmann.
Auch Fotografien sind in der Ausstellung zu sehen: So zeigt der Künstler Marwan Bassiouni Aufnahmen von Moschee-Innenräumen aus der Schweiz mit Blick durch ein Fenster nach draußen. Zu sehen sind dabei teilweise triste Industriegebiete, manchmal aber auch die malerische Alpenlandschaft der Schweiz.
Kontraste der Kulturen
Direkt nebenan wartet eine große Fotowand des Künstlers Miguel Rothschild auf die Besucher. Dieser hat Ladenfronten abgelichtet, die das Wort „Paradies“ im Namen tragen – und doch überhaupt nicht idyllisch aussehen. Dabei finden sich neben Aufnahmen aus seiner Heimat Argentinien auch Fotografien eines Kegel- oder Schnitzelparadieses in Deutschland.
Eindrucksvoll ist die Arbeit der in Brasilien geborenen Künstlerin Ana Hupe. Auf Fahnen, die mit Indigofarben hergestellt wurden, hat die Künstlerin Silhouetten kultischer Objekte verewigt, die ihren Kulturen entnommen wurden und in verschiedenen Museumsdepots in aller Welt lagern.
Viel zu entdecken gibt es auch in den Werken von Kurator Roland Stratmann. Auf der Basis echter Postkarten stellt er Adam und Eva in ihrer weit verbreiteten Darstellung als weiße Menschen Paaren gänzlich anderer Kulturen gegenüber. Gemalt hat er mit Tusche, dadurch bleiben die Nachrichten auf den Postkarten auch durch das Bild hindurch lesbar.
