Bietigheim-Bissingen Koreanisch kochen in schwäbischen Küchen

Von Gabriele Szczegulski
Hyonmi Schalow möchte die koreanische Küche in Kochkursen auch den Schwaben nahe bringen. Foto: /Martin Kalb

Hyonmi Schalow aus Bissingen bietet seit diesem Jahr Kochkurse der asiatischen Küche direkt zuhause bei ihren Kunden an.

Wenn Hyonmi Schalow kocht, wirbeln die Karottenstreifen über der Wokpfanne, es riecht nach Chili und Knoblauch und das Sesamöl spritzt in der Pfanne. Die Tochter koreanischer Einwanderer lebt mittlerweile mit ihrer Familie in Bissingen, ist „schwäbisch voll integriert“, wie sie sagt. Die 40-jährige studierte Asienwissenschaftlerin arbeitete zwölf Jahre „beim Dürr“ in der Personalabteilung. Doch Anfang des Jahres entschied sich die zweifache Mutter, die koreanische Küche zum Beruf zu machen.

Koreanische Küche liegt im Trend

„Die koreanische Küche ist so vielfältig und lecker und vor allem so bunt“, sagt Schalow, während sie einen Glasnudelsalat vorbereitet. „Wenn ein Fest in der Nachbarschaft oder im Kindergarten ist, wollen immer alle, dass ich den Glasnudelsalat mache.“ Sie wolle ihre heimatliche Art zu kochen weitergeben, deshalb gründete sie Hyonmis Bapsang und bietet koreanische Kochkurse an, die direkt zuhause, in den Küchen ihrer Kunden und mit mehreren Personen, gekocht werden.

Die koreanische Küche liegt derzeit im Trend, in größeren Städten nimmt die Zahl koreanischer Restaurants zu. „Ich glaube, das liegt einerseits daran, dass K-Pop, K-Dramas und K-Kosmetik durch die Verbreitung auf Social Media boomen, aber auch daran, dass die Europäer auf Korea neugierig sind, und natürlich sind unsere Gerichte sehr gesund und oft vegan“, sagt Schalow. Sie hat nur zeitweise in Korea gelebt, dort einen koreanischen Sprachkurs gemacht und als Englischlehrerin gearbeitet. Sie ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. „Ich war in Deutschland oft die Fremde, wegen meines Aussehens, aber auch in Korea war ich eine Außenseiterin.“ Das Leben in Korea sei auch heute noch ein Spagat zwischen Tradition und Moderne, die sich gerade in dem Land rasant entwickelt.

Bapsang heißt der gedeckte Tisch und ist der zentrale Ort einer koreanischen Familie. „Das Essen ist sehr wichtig bei uns“, sagt sie. Auch ihre Eltern versuchten, diese Tradition mitten im Ruhrgebiet, in Oberhausen, wo Schalow als Kim Hyonmi aufwuchs, beizubehalten. „Bapsang heißt, nach Hause zu kommen, mit der ganzen Familie an einem Tisch zu sitzen und Essen zu teilen“, sagt sie.

Reis, Gemüse, Fleisch und eventuell Fisch sind die Grundlagen. Es gibt, so erklärt die Koreanerin, immer ein bis zwei Hauptgerichte, dazu einige kleinere Gerichte, die meist nur aus Gemüse bestehen. Alle Schüsseln werden auf dem Tisch platziert, jeder bekommt eine kleine Schüssel Reis und nimmt sich dazu, was er will. Reste werden am nächsten Tag wiederverwertet und zu neuen Gerichten verarbeitet. „Das nennen wir Bibim, mixen.“ Deshalb heißt ein bekanntes Gericht Bibimpap. Es ist eine Reisbowl, in die alles kommt, was man noch da hat. Alles wird in einem Topf erwärmt und am Schluss kommt ein Spiegelei obenauf.

„Chilisoße und Knoblauch dürfen nie fehlen“, sagt Schalow. Auch nicht in Ttebokki, koreanische Reiskuchen mit würziger Soße, und schon gar nicht in Bulgogi, dem Feuer-Fleisch, das über offenem Feuer gebraten wird. Koreaner essen dreimal am Tag warm, auch zum Frühstück gibt es Reis und kleine Gerichte.

„Ich möchte zeigen, dass man koreanisch kochen kann, ohne spezielle Gerätschaften, mit dem, was zu Hause da ist“, sagt sie. Sie selbst bringt das mit, was für die koreanische Küche unabdingbar ist: Sesamöl, Doenjang, eine fermentierte Bohnenpaste ähnlich der japanischen Misopaste, Sojasoße, Gochu Tang, eine Chilipaste. „Koreanisch zu kochen ist nicht schwer“, sagt sie. Während zwar in Bibimpap alles zusammen gemischt wird, werden die Zutaten immer zuvor einzeln im Wok angebraten und werden auch einzeln gewürzt. „Jeder Zutat muss man genügend Aufmerksamkeit schenken.“

Kimchi kennen viele

Hyonmi Schalow kauft typisch koreanische Zutaten im Asialaden. Dort gebe es auch Paew, fermentierte Mini-Shrimps, die sie anstatt Fischsauce benutzt, weil diese besser schmecken. Auch Sesamöl aus geröstetem Sesam gibt es dort – „der ist viel aromatischer als der aus dem Supermarkt, der meist aus nicht geröstetem Sesam besteht“, sagt Schalow.

Kimchi ist ein Gericht, das mittlerweile auch in Deutschland bekannt ist. „Es ist einfach die traditionelle Art, Gemüse durch Fermentation haltbar zu machen, und wir geben noch typische koreanische Zutaten wie Chilipaste oder Paew hinzu und verwenden es als Beilage“, sagt sie. Sie selbst macht kein Kimchi, aber ihre Mutter. „Sie bringt dann unzählige Container für uns mit.“ Ihre Mutter hat auch einen Kimchi-Kühlschrank. „Früher haben die Koreaner das Kimchi in Erdkellern gelagert, heute haben moderne Koreaner einen Kimchi-Kühlschrank“, sagt Schalow. „Vielleicht kaufe ich mir später auch einen, denn Kimchi ist schon eine wichtige Beilage in der koreanischen Küche.“ Europäer kennen meist Rameyon, Instantnudeln mit einer scharfen Soße oder Hühnersoße. „Ich mache das selbst, mit Mie-Nudeln und einer Brühe, darauf kommt ein Ei“, sagt Schalow.

Wenn die ganze Familie zusammensitzt, gibt es manchmal nach dem Essen den Reisschnaps Soju, bei Schalows eher Makgeolli, auf deutsch Bauernschnaps, ein trübes alkoholisches Getränk aus Reis, Weizen und Hefe. Sie selbst war schon eine ganze Weile nicht mehr in Korea, hofft aber, das Land bald ihren beiden Söhnen zeigen zu können.

Hyonmis Glasnudelsalat

Für den Glasnudelsalat verwendet Hyonmi Schalow koreanische Glasnudeln, die aus der Stärke von Süßkartoffeln gemacht werden und deswgen geschmackvoller sind.  Die Glasnudeln werden gekocht und mit der Schere klein geschnitten. Karotten werden in kleine Streifen geschnitten und in Sesamöl angebraten. Dann werden Pilze, Champignons oder Shitake, auch im Wok angebraten, dazu kommt dunkle, koreanische Sojasoße und Maissirup für etwas Süße. Zudem wird Spinat im Wok mit Knoblauch gekocht. Jede Zutat wird für sich im Wok vorbereitet und beiseite gestellt, Dann kommen alle Zutaten wie Frühlingsziebeln, Knoblauch sowie die Pilze, die Karotten, der Spinat, wieder in den Wok. Wer will, kann Chilipaste dazutun. Die Glasnudeln kommen in eine große Schüssel und alle Zutaten werden mit ihnen vermischt.

 
 
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