Seit 1978 kümmert sich die Stadtgärtnerei um Naturschutz und Landschaftspflege auf der Gemarkung Bietigheim-Bissingens. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats wurde diesbezüglich einstimmig der Beschluss für das inzwischen neunte Landschaftspflegeprogramm bis 2030 gefasst. Die Gemarkung ist reich an Kulturlandschaftselementen wie Hecken, Halbtrockenrasen, Streuobstwiesen, Trockenmauern, Lesesteinriegeln, Böschungen, Gräben und Kopfweiden, die aufgrund der geringen wirtschaftlichen Attraktivität immer stärker gefährdet seien, wie es in der entsprechenden Ratsvorlage heißt.
Bietigheim-Bissingen Kosten für Landschaftspflege bleiben stabil
Wo es naturschutzfachlich vertretbar ist, sollen die Intervalle zwischen Pflegemaßnahmen verlängert werden.
Pflegeintervalle werden größer
Ausgangspunkt für das neue Landschaftspflegeprogramm sei ein gut gepflegter Zustand der Biotope, weshalb die Zeitintervalle zwischen den Pflegemaßnahmen dort, wo es naturschutzfachlich vertretbar ist, verlängert werden. So können die Gesamtkosten für die Landschaftspflegemaßnahmen trotz gestiegener Lohn- und Maschinenkosten stabil gehalten werden. Die geschätzten Gesamtkosten des neunten Landschaftspflegeprogramms (2026 bis 2030) belaufen sich auf insgesamt 769.000 Euro. Darin enthalten sind externe Kosten für die Vergabe an Landwirte, Sachkosten sowie geschätzte Personal-, Fahrzeug- und Gerätekosten von Bauhof und Stadtgärtnerei. Wurde die Landschaftspflege bis zum Jahr 2000 noch fast ausschließlich von Mitarbeitern der Stadtgärtnerei ausgeführt, werden seither ein stetig wachsender Teil der Maßnahmen an ortsansässige Landwirte vergeben. Diese leisten einen „wesentlichen Beitrag“, wie Baubürgermeister Michael Wolf ausführte.
Neben einer detaillierten Beschreibung bestimmter Pflegemaßnahmen für spezifische Biotoptypen, listet das Landschaftspflegeprogramm auch potenzielle Maßnahmen, die sofern es die städtischen Finanzen erlauben, in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen. Darunter etwa die Installation sogenannter Rauen Rampen an der Metter im Bereich der Mettermühle und der Lepple-Insel, die Flussbewohnern die Wanderung zwischen verschiedenen Abschnitten erlauben sollen. Auch eine Entfernung der Sohlschalen am Gänslesbach (im Bissinger Sprachgebrauch auch als „Bach Nr. 1“ bezeichnet) wird aufgeführt. Dies soll jedoch nur in Zusammenhang mit den geplanten Maßnahmen zum Starkregenmanagement in diesem Bereich erfolgen.
Maßnahmen an Wiesen und Flüssen
Am Enzflachwasser unter der Langwiesenbrücke sind seit einigen Jahren starke Sedimentationserscheinungen zu verzeichnen, weshalb der Zufluss von Enzwasser nicht immer möglich ist. Erste Abstimmungsgespräche mit dem Landesbetrieb Gewässer hinsichtlich einer Optimierung des Wasserzustroms seien bereits erfolgt, heißt es in dem Pflegeprogramm. Im Gewann Fleckenäcker hat die Stadtverwaltung eine sogenannte Wertholzwiese vorgesehen. Voraussetzung ist hier jedoch zunächst der Grunderwerb der notwendigen Flächen.
Im Naturdenkmal Hägenau soll ein neuer Graben den Abfluss von Wasser besser leiten. Trockenmauer-Sanierungen an der Mühlsteige und beim Naturdenkmal Bleiche sind ebenso vorgesehen wie den mittleren Langwiesengraben bis zur Enz zu erweitern, eine mehrjährige Blühbrache auf einer ehemaligen Kleingartenfläche im Osten der Kammgarnspinnerei sowie die Reaktivierung eines ehemaligen Grabens zum Söllert-Steinbruch.
Nach Ansicht von Werner Kiemle (SPD) gerate das Klima in der politischen Diskussion immer mehr in den Hintergrund. Was in der Stadt passiere, sei hingegen gut. Stephan Muck (FW) berichtete, im Brachberg zum ersten Mal Störche beobachtet zu haben, auch die Gottesanbeterin sei dort heimisch. Er hob den Beitrag der Winzer hervor, die zum Erhalt der Steillagen beitragen. Albrecht Kurz (GAL) zeigte sich beeindruckt vom Umfang der Vorlage. Da jedoch auch Maßnahmen aus finanziellen Gründen gestrichen wurden, werde man genau beobachten, ob die Substanz des Biotopverbunds verloren gehe.
