Bietigheim-Bissingen Kunst für Kultur-Projekte versteigert

Von Jonathan Lung
Oberbürgermeister Jürgen Kessing bei der Auktion im Haus der Kultur. Foto: /Oliver Bürkle

Die Stiftung Kultur in Bietigheim-Bissingen trat mit einer Benefizaktion in die Öffentlichkeit. Sie will langfristig die Stadt unterstützen und besonders Jugendprojekte fördern.

Mit den Worten „6500, 6600… Höre ich 6700?“, wandte sich Oberbürgermeister Jürgen Kessing am Samstagmittag im alten evangelischen Gemeindehaus an das Publikum. Er versteigerte gerade ein Modell des „Turms der grauen Pferde“, Bietigheims Wahrzeichen als Bronze von Jürgen Goertz. Gespendet aus Nach- und Vorlässen war eine wahre Kunstsammlung zusammengekommen, die nun unter den Hammer kam: Werke von Hundertwasser, Max Ackermann, Marc Chagall, Moritz Baumgartl, Otto Dix, Richard Hohly und vielen anderen.

Kunst in der Stadt stärken

In den Räumen befindet sich die Stiftung Kultur Bietigheim-Bissingen, die mit der Benefiz-Kunst-Auktion nach ihrer Gründung Ende 2024 erstmals in die Öffentlichkeit trat. Ihr Ziel, so Stiftungsvorstand Rudolf Bayer: die Kunst in der Stadt und mit der Stadt zu stärken. Künftig sei jedes Jahr eine Auktion geplant, um die Betriebskosten der Stiftung zu decken. Aus den Erträgen des Stiftungsvermögens sollen Projekte der Stadt unterstützt werden: „Das Ziel ist langfristig, dass die Stiftung Kultur der Stadt zur Verfügung steht für Projekte in allen Bereichen: von Musik über Literatur und Bildende Kunst.“

Aus den Stiftungserträgen sollen verschiedenste Projekte gefördert werden, konkret: Ausstellungsprojekte, und, „was ich für ganz wichtig halte: die musikalische Früherziehung der Kinder“, so Bayer. Großen Wert wolle man auch auf Schulprojekte legen, „die eben auch Schülern klarmachen, was Kultur bedeutet. Dass das nicht nur im Netz stattfindet, sondern hautnah hier im Haus“. Zusammen mit den Schulen wolle man deshalb auch in den Räumen der Stiftung arbeiten. „Wir wollen uns vor allem auf die Kinder- und Jugendarbeit konzentrieren. Denn wenn Kultur nicht von unten her wächst, dann haben sie die großen und erwachsenen Leute nicht mehr so im Fokus“, sagte Bayer.

Alle Kunstformen seien dabei im Fokus: Theater, Street Art – „Kultur hat eine ganz große Bandbreite“. Künstliche Intelligenz sieht er dabei als „Gegengift“, da sie nicht eigenkreativ, sondern fremdkreativ sei. „Aber man muss damit umgehen können.“ Für wichtig hält er in diesem Zusammenhang eher, mit Jugendlichen Projekte zu machen, wie man erkenne, ob etwas originär geschöpft und nicht konstruiert ist. So könnte man auch lernen, Fake News zu durchschauen.

Kooperation mit der Stadt

Ganz wichtig ist Bayer, die Kooperation der Stiftung mit der Stadt zu betonen: „Wir haben einen Oberbürgermeister, der in aller Stille in den letzten 15 Jahren eine Stiftungslandschaft in Bietigheim geformt hat, die praktisch alle Bereiche umfasst: die Bürgerstiftung im sozialen Bereich, die Stiftung Hospiz, die Stiftung für die Diakoniestation, die Wiedeking Stiftung“, so Bayer. „Wir sind in dem Stiftungsbereich aufgestellt wie eine normale amerikanische Mittelstadt. Dort funktioniert nichts ohne Stiftungen.“

Bietigheim-Bissingen sei eine der Städte, die hier schon sehr breit aufgestellt seien – „das ist das Verdienst von diesem Oberbürgermeister“. Qua Amt ist er überall im Sitzungsrat und wirke in die Stiftungen hinein, damit diese zusammen mit und nicht gegen die Stadt oder an dieser vorbei arbeiteten: „Da ist immer eine sehr enge Kooperation da.“ Dieses Hineinwirken des Bürgermeisters, etwa über die Moderation der Auktion an diesem Tag, sei auch eine wichtige Art der Bürgerbeteiligung: So könnten viele Bürger an den Aktivitäten der Stiftung teilhaben. „Eine Stiftung kann nicht funktionieren, wenn sie nur von ein paar Leuten installiert worden ist“, ist Bayer überzeugt: „Jeder sollte teilhaben.“

OB: Auktion war guter Auftakt

Dass die Stiftung sich heute in den Räumen des Evangelischen Gemeindehauses befindet, sei Kessings Idee gewesen. In Eigenleistung habe man es renoviert und ist dort derzeit zur Miete. Perspektivisch will man es in den nächsten drei bis vier Jahren erwerben. Denn es soll zentraler Baustein der Stiftungsarbeit werden: Hier will man Erlebnisräume schaffen, erklärte der Vorstand bei einem Blick ins Obergeschoss. Dort befinden sich original eingerichtete Wohn- und Arbeitsräume von Hans Georg Pflüger und Moritz Baumgartl, in denen man das Wirken der Künstler hautnah nachvollziehen kann. Erlebnisräume zu schaffen, Kunst erfahrbar zu machen, „zu erkunden und zu ergreifen“, das sei das Ziel, so Bayer.

Es sei ein guter Auftakt gewesen, befand auch der Oberbürgermeister und Stiftungsrat Jürgen Kessing am Ende der Auktion. Diese brachte, so seine Schätzung, 25.000 bis 30 000 Euro ein. Ein guter Erfolg, mittelfristig wolle man die Aktivitäten der Stiftung aber noch breiter publizieren, noch mehr Gäste ansprechen. Sein Lieblingsstück an diesem Tag? „Natürlich der Turm der grauen Pferde.“ 

 
 
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