Bietigheim-Bissingen Langer Weg zum eigenen Strom

Von Michael Soltys
Sie betreiben in der Wilhelmstraße in Bietigheim-Bissingen eine große Solaranlage im Mietstrommodell (von links): Herbert Rohrer, Rita Eisenmann und Udo Fürderer. Foto: /Martin Kalb

Die Eigentümer der Häuser Wilhelmstraße 26 und 28 haben eine Photovoltaikanlage installiert. Möglich machte es das Mieterstrommodell.

Jeder Tag, an dem die Sonne scheint, ist Zahltag für die Mieter und Hauseigentümer in den beiden Häusern der Wilhelmstraße 26 und 28. Die insgesamt 24 Eigentümer der beiden Mehrfamilienhäuser haben auf ihren Dächern eine Photovoltaikanlage installiert. Seit dem 16. April ist sie in Betrieb.

„Seitdem sind wir autonom und haben vielleicht für 20 Euro Strom von Dritten eingekauft“, sagt Herbert Rohrer. Zusammen mit seiner Partnerin Rita Eisenmann und Udo Fürderer hat er das Projekt vorangetrieben und die Eigentümergemeinschaft vom Nutzen überzeugt.

Möglich gemacht wurde dies durch das „Mieterstrommodell“, das der Gesetzgeber im Jahr 2024 verabschiedet hat, erläuterte Rohrer im Gespräch mit der BZ. Es ermögliche den Betreibern, die Gewinnung und Nutzung von Strom „korrekt, fair und nachvollziehbar“ abzurechnen. Davon haben die anderen Eigentümer überzeugt werden können. „Ob Mieter oder Vermieter, jeder kann davon profitieren“, hebt Rohrer hervor.

Einfach war es nicht, es sei mutig gewesen das Projekt anzugehen. Schon 2015 habe er sich mit dem Gedanken daran getragen, damals sei die Installation gescheitert, weil die gesetzlichen Vorgaben nicht gegeben waren. Als es 2024 endlich losging, mussten Verbrauchszahlen erhoben werden, Grundrisse erstellt, Angebote eingeholt und bewertet werden, um Grundlagen für die Entscheidung der Eigentümergemeinschaft zu schaffen. Ein Jahr habe es gedauert, bis der Auftrag schließlich vergeben werden konnte.

Schwierige Suche nach Firmen

Schließlich stellte es sich als schwierig heraus, geeignete Fachfirmen für die Realisierung zu finden. Viele Firmen haben abgewinkt. Die beiden Dächer haben nur eine geringe Neigung von drei und fünf Prozent, ihre intensive Begrünung musste erhalten bleiben, davor schreckten die Handwerker zurück. Schließlich fand die Eigentümergemeinschaft in einer Firma in Löchgau einen geeigneten Partner.

Am 10. Februar schließlich standen die beiden Photovoltaikanlagen betriebsbereit auf den beiden Dächern, die eine mit 25,81 Kilowattpeak, die andere mit 29,3 Kilowattpeak. Das reicht aufs Jahr gesehen aus, um 65 bis 70 Prozent des in den Häusern verbrauchten Stroms zu produzieren, hat Rohrer ausgerechnet. Zwei Speicher wurden ebenfalls installiert. Die Investition der Hausgemeinschaft in Höhe von etwa 132.000 Euro werde sich in elf bis zwölf Jahren amortisiert haben. Ein Großteil der Summe konnte aus den Rücklagen bezahlt werden.

Dass es nach der Installation noch zwei Monate gedauert hat, bis endlich eigener Strom floss, lag an einem aufwendigen und langwierigen Behördenweg, macht Rohrer deutlich. Jetzt jedoch „entlastet die konkurrenzlose Energiequelle Sonne unseren Geldbeutel.“ Ein Teil des Stroms kann sogar ins Netz eingespeist werden, wenn die Erlöse auch gering seien.

Beitrag für die Zukunft

Im Mieterstrommodell, wie es die Eigentümergemeinschaft der Häuser in der Wilhelmstraße angewandt hat, sieht Rohrer ein Riesenpotenzial, das sich andere Eigentümer-Gemeinschaften zunutze machen können. Ihm und seinen Mitstreitern sei es nicht vorrangig um die Themen Klimawandel und C02-Einsparung gegangen. Sie wollten vor allem einen Beitrag für die Zukunft leisten und eine Investition tätigen, die der Hausgemeinschaft Einnahmen generiert. 

 
 
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