Während im hinteren Bereich der Bahnhofsunterführung mit großem Lärm der Hochdruckreiniger zugange ist, geht es weiter vorne ganz leise zu – doch nicht weniger effektiv. Sebastian Wolf zielt mit der Laserpistole auf Graffiti an der Wand, und wie von Zauberhand verschwindet diese nach und nach, wie wenn sie wegradiert würde. Bei einer großen Frühjahrsputzaktion der Deutschen Bahn wurden am Donnerstag Schmierereien und Unrat am Bietigheimer Bahnhof entfernt. Insgesamt 60 Personen waren im Einsatz.
Bietigheim-Bissingen Laser lässt Graffiti am Bahnhof verschwinden
Mitarbeiter der Deutschen Bahn, der Stadt und Freiwillige waren am Donnerstag bei einer großen Frühjahrsputz-Aktion im Einsatz.
Reinigung ausgeweitet
Auch sonst gebe es hier seit mehreren Jahren im Frühjahr ein Großreinemachen, sagt Taylan Ayik, der stellvertretende Leiter des Bahnhofsmanagements Stuttgart von der DB InfraGo AG, diesmal falle dieses jedoch etwas größer aus. Der Frühjahrsputz ist Teil einer Aktion, die an 1400 der 5400 Bahnhöfe in ganz Deutschland stattfindet, das sind doppelt so viele wie im Vorjahr. 260 davon befinden sich in Baden-Württemberg. Hintergrund ist ein Sofortprogramm für mehr Sicherheit und Sauberkeit, das die Deutsche Bahn und der Bundesverkehrsminister im Januar gestartet haben. Die Bahn gibt dafür laut einer Mitteilung mehr als 50 Millionen Euro aus.
Die Putzkolonne in Bietigheim setzte sich unter anderem aus Mitarbeitern der Bahn, der Stadt Bietigheim-Bissingen, des Sozialunternehmens „Neue Arbeit“ und weiteren freiwilligen Helfern zusammen, die sich in kleine Gruppen aufteilten. Das neue mobile Handwerkerteam der Bahn war ebenfalls dabei, um notwendige Arbeiten direkt zu erledigen. Während die Freiwilligen zwei bis drei Stunden arbeiteten, waren die Profis den ganzen Tag im Einsatz. Die Pendler würden am Nachmittag sehen, was am Vormittag geleistet wurde, versprach Ayik beim Start am Morgen. Er lobte die Ordnungspartnerschaft mit der Stadt, die sehr gut laufe.
Laut Baubürgermeister Michael Wolf gibt es diese Partnerschaft seit dem vergangenen Jahr, sie umfasse die Bereiche Sauberkeit und Sicherheit. Der Bahnhof sei das Tor zur Stadt, ein gutes und sauberes Umfeld sei wichtig. „Die heutige Aktion ist sicher auch etwas symbolischer Natur“, sagte Wolf zu dem Frühjahrsputz. Es werde auch so am Bahnhof viel gemacht, was oft nicht gesehen werde.
Beim Frühjahrsputz wurden Bahnsteige, Treppen, Tunnel, Aufzüge, Glasflächen, Automaten, Mobiliar und Vitrinen gereinigt. Besonders mühsam war das Entfernen von Kaugummis und Graffiti. Bei den Letzteren gibt es mit der Laserreinigung jedoch eine neue Methode, die sich laut Taylan Ayik vom Bahnhofsmanagement noch in der Erprobungsphase befindet. Ziel sei jedoch, sie dauerhaft einzusetzen.
Ohne schädliche Chemikalien
Laut Sebastian Wolf von Wolf-Laserreinigung aus Radolfzell am Bodensee gibt es diese Technologie schon seit mehr als zehn Jahren. Sie sei ursprünglich in der Autoindustrie verwendet worden, um Lackreste zu beseitigen, nun werde sie auch gegen Schmiererein eingesetzt. Der Prozess besteht darin, die Farbschichten mit dem Laser zu erhitzen, die dann verdunsten, ohne das darunterliegende Substrat zu beschädigen.
Der Vorteil: Im Gegensatz zu anderen Methoden zur Graffiti-Entfernung, die schädliche Chemikalien oder Schleifmittel hinterlassen, erzeugt die Laserreinigung keinen Abfall. Wolf ist damit inzwischen in ganz Süddeutschland unterwegs.
