Bietigheim-Bissingen Laufen „ohne Stöpsel im Ohr“

Von Petra Neset-Ruppert
Peter Krieg (Fünfter von links) ist seit 50 Jahren mit dem Lauftreff im Bietigheimer Forst unterwegs. Doch dabei geht es nicht nur um den Sport, sondern auch um die Geselligkeit, sagt er. Foto: /Martin Kalb

Seit 50 Jahren treffen sich Jogger und Walker im Wald, um sich gemeinsam sportlich zu betätigen. Mitbegründer Peter Krieg hat der BZ erzählt, wie es dazu kam.

Es kam nie darauf an, wie schnell man läuft, sondern darauf, dass man läuft“, sagt Peter Krieg, ein Mitbegründer des Lauftreffs Bietigheim, der sich mittlerweile seit 50 Jahren trifft und nicht nur im Bietigheimer Forst seine Walking- und Joggingrunden dreht.

Entstanden ist der Lauftreff aus der Initiative „Trimm Trapp ins Grüne“ der AOK. Im Bietigheimer Forst entstand ein Parcours mit Geräten zur körperlichen Betätigung und der damals noch aktive Leichtathlet bei der Germania, Peter Krieg, wurde von seiner schwangeren Frau dorthin geschickt, um sich sportlich zu betätigen. Gemeinsam mit seinem Freund Claus Britsch beginnt Krieg durch den Wald zu laufen und findet Mitläufer.

„Laufen ohne zu schnaufen“

Nach dem Motto „Laufen ohne zu schnaufen“ ging es der Laufgruppe darum, sich in der Natur zu bewegen und dabei auch noch mit anderen reden zu können. „Natürlich wird bei den Gesprächen die Welt verbessert“, sagt Krieg und lacht. Und falls das nicht klappt, dann kommen die Läufer mit neuen Backrezepten, Tipps für den Garten oder einer detaillierten Analyse, weshalb der VfB mal wieder verloren habe, zurück. Es werde einfach über alles gesprochen. „Die Geselligkeit ist wichtig“, betont Krieg.

Immer, wenn er gefragt wurde, wie viel man gelaufen sei, antwortete er: „eine Stunde“. Denn es ginge nicht darum sportliche Höchstleistungen zu erzielen, sondern gemeinsam Spaß am Sport in der Natur zu haben. Auch heute noch sind die Läufer eine Stunde unterwegs, jede Gruppe in ihrem eigenen Tempo.

Bei den Joggern habe sich eine schnellere Gruppe zusammengefunden. Bei den Walkern gebe es verschiedene Gruppen. „Das ist das Tolle am Bietigheimer Forst, da kann man jemanden auch eine Abkürzung entlang schicken. Denn jede Laufgruppe orientiert sich immer an den schwächsten Läufern, „damit niemand überfordert wird“, sagt Krieg.

Passende Bedingungen im Forst

Neben den Trimm-Geräten seien auch die zwei „kräftigen Anstiege“ Gründe, weshalb sich die Laufgruppen dort sportlich betätigen. Vom zweiten Parkplatz am Bietigheimer Forst (nahe Ingersheim) starten die Gruppen sonntags um 9 Uhr, mittwochs um 18 Uhr und die Walkinggruppe freitags um 15 Uhr. Teilweise in Fahrgemeinschaften kommen die Läufer zum Parkplatz, weshalb man eben auch nach einer Stunde wieder zurückkomme, damit man gemeinsam heimfahren könne.

Bis zu 100 Läufer haben sich in den 1980er Jahren über den Lauftreff im Bietigheimer Forst zusammengefunden und waren unterwegs. „Wir haben sogar mal einen Bus für eine Skiausfahrt gemietet und sind zu Marathonveranstaltungen und anderen Läufen gefahren“, erzählt der 82-jährige Peter Krieg. Das besondere daran: Der Lauftreff ist kein Verein, sondern eine lose Gruppierung, die sich das Ziel gesetzt hat, unkompliziert die Menschen in Bewegung zu bringen und dabei Kontakte zu knüpfen.

So entstanden aus den Anfängerläufern auch Lauftreffleiter, die die unterschiedlichen Gruppen durch den Forst führen und mit ihnen das Laufen trainieren. Wichtig ist dabei: „Wer vor dem Lauftrainer läuft, muss eine Flasche Sekt spendieren“, verrät Krieg.

Diese werden dann gesammelt – zwei Mal im Jahr gibt es einen Sektumtrunk und ein Glühweinfest, ganz unkompliziert an Klapptischen auf dem Treffpunkt-Parkplatz. Am kommenden Sonntag feiern die Läufer ihr 50-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumslauf, natürlich werde dann auch auf die vielen gemeinsamen Stunden angestoßen.

Vogelgezwitscher statt Musik

„Das Laufen trainiert die Ausdauer, verbessert das Herz-Kreislauf-System und die Ruhe der Natur tut gut“, schwärmt Krieg. „Stöpsel im Ohr“ kommen für ihn beim Laufen nicht in Frage, denn dann könne man ja gar nicht mehr das Vogelgezwitscher und schon gleich gar nicht mehr die Geschichten der anderen Läufer hören.

Der Lauftreff freut sich auch über neue Läufer die reinschnuppern möchten, gerne können Interessierte einfach zu den Terminen mittwochs, freitags oder sonntags zum zweiten Parkplatz am Bietigheimer Forst kommen.

 
 
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