Da sind sie – die gellenden Gitarrensoli, polternden Bass-Riffs, krachenden Bass-Drums, die schreienden, rauen Stimmen der Leadsänger, die Songs „Fear of the Dark“ und „Highway to Hell“, die aus hundert Kehlen mitgesungen werden. Es ist alles so, wie es damals war, so, als hätte es die vergangenen vierzig Jahre nicht gegeben.
Bietigheim-Bissingen Lautstarkes Déjà-Vu in der Alten Kelter
Eine Tribute-Night mit „Ivan Maiden“ und „The Jack“ lässt Rockmusik der 1980er-Jahre wieder aufleben.
Bei einer Tribute-Night in der Alten Kelter versammeln sich am Samstagabend Menschen aller Altersklassen, die ein Faible für Rockbands der frühen 1980er-Jahre haben. „Ivan Maiden“ für Iron Maiden aus Bietigheim-Bissingen und „The Jack“ für AC/DC aus Geislingen an der Steige performen die Musik ihrer großen Idole nicht nur und erreichen dabei eine erstaunliche musikalische Nähe zu den legendären Bands, sie leben deren Symbolik und Spirit, das spürt man.
Authentische Performance
Im Gegensatz zu Coverbands, die zumeist Songs verschiedener Künstler nachspielen, konzentriert sich die Tribute-Band auf nur ein Vorbild und versucht eine möglichst authentische Performance. Ivan Maiden, gegründet 2021 von Alexander Koch, Vocals, und Gio Soulas, Bass, vervollständigt durch die E-Gitarristen Dominik Barth und Torsten Hörnig sowie Drummer Paul Wittmann lieben die legendäre britische Heavy-Metal-Band seit ihrer frühen Jugend. Ihr Sound kommt dem Original – einem eher melodischen Metal mit einer organischen Mischung aus aggressiven, aber auch epischen und komplexen Songstrukturen – ziemlich nahe. Ebenso die Stimme des Sängers, die sich allerdings – infolge einer nicht perfekten Aussteuerung – nicht immer, wie erwünscht, durchsetzen kann.
Die größten Hits
Für Original wie Cover sind zwei Leadgitarren charakteristisch, die sich abwechseln und sich gegenseitig Melodien zuspielen. Hinsichtlich der Songauswahl bleibt Ivan Maiden den Fans nichts schuldig; es sind die Klassiker, wie „Flight to Icarus“, „Children of the Damned“, „The Number of the Beast“ – und als Zugabe „Run to the Hills“, jener Titel, der nach einem inoffiziellen Ranking zu den zehn besten Metal-Songs aller Zeiten zählt.
Nach der Umbaupause „The Jack“, die Geislinger Recken Matze Erhardt, Leadgitarre, Ollo Söll, Rhythmusgitarre, Suni, the Jack, Vocals, Dirk Riller, Drums, und Holger Hruschka, Bass. Auch sie erreichen – bei einer bemerkenswerten Bühnenpräsenz – eine erstaunliche Nähe zum Vorbild AC/DC, jener Band, die mit treibenden Riffs, dynamischen Beats, hymnischen Refrains und einer genialen Kombination der Rhythmusgitarre Malcolm Youngs und der Leadsoli Angus Youngs Rockgeschichte schrieb. Leider kann sich auch bei „The Jack“ Suni, der Sänger, nicht immer optimal durchsetzen.
Bei der Titelauswahl kommen auch in der längeren zweiten Hälfte der Tribute-Night die AC/DC-Freaks voll auf ihre Kosten: Von „Rock’n‘Roll Train“, „Hell ain’t be a bad Place“, „Dirty Deeds“, „Shot down in Flames“, „T.N.T“ bis hin zum ikonischen „Highway to Hell“ ist alles da.
Keine Experimente
Das ist Rock’n’Roll der bekömmlichen Art. Experimente gibt es am Samstagabend keine. Die Szene ist nicht gerade innovationswütig. Hardrock steht auf Traditionen, auf Gewohntes, auf Bekanntes.
Dazu gehört auch das Bier in der Hand, die Merchandise-Tische mit den üblichen Logo-T-Shirts, das Zunicken zu Bekannten und das Ausharren bis zum bitteren Ende. Und die Alte Kelter nimmt’s gelassen.
Dietmar Bastian
