Bietigheim-Bissingen Lebensfreude durch Singen im Alter

Von Schuster, Yannik
Im Atrium der Seniorenresidenz Pro Seniore trat der Bewohnerchor Silberklang von rund 40 Zuhörern, darunter auch Oberbürgermeister Jürgen Kessing auf. Foto: /Martin Kalb

Der Bewohnerchor Silberklang des Pro Seniore vereint Senioren in ihrer Liebe zur Musik, dem Singen und der Gemeinschaft.

Im selbst auferlegten weißen Dresscode sitzt der Chor Silberklang im Atrium der Seniorenresidenz Pro Seniore und singt Auszüge aus Liedern wie „Alle Vögel sind schon da“, „Muss I denn zum Städtele...“ oder „Von den blauen Bergen...“. Das Besondere dabei: Der Chor besteht fast ausschließlich aus Bewohnern der Residenz, die älteste Sängerin ist 97 Jahre alt.

Die Idee für dieses ungewöhnliche Projekt hatte Simone Britsch, die bereits zuvor ehrenamtlich mit den Bewohnern gesungen hatte. Mit zehn Sängerinnen und Sängern gestartet, fasst der Chor mittlerweile 47 Stimmen, einige davon singen bereits ihr ganzes Leben.

„Es wurde von Woche zu Woche mehr“, berichtet Stella Cumia von der Residenzleitung. Jeden Dienstagnachmittag kommen die Senioren zusammen und üben – die Teilnehmer würden sich dabei sehr diszipliniert zeigen, lobt Britsch. Ein mittlerweile verstorbener Bewohner hatte ihr einmal zwei Bambusstäbe in die Hand gedrückt und sie somit zur Dirigentin des Chors Silberklang gekürt.

Teilnehmer entwickeln Ehrgeiz

Die Freude, auch im Alter etwas Wertvolles zu machen und dafür geschätzt zu werden sei greifbar, sagt Britsch. Zumal seit den Anfängen des Chors im vergangenen Spätherbst bereits ein deutlicher Fortschritt zu erkennen sei. „Die Bewohner entwickeln Ehrgeiz.“ Auch im Alter könne man noch Ziele haben, sagt Cumia.

Sie erklärt: „Da stecken viele Erinnerungen und Emotionen drin, wenn sie Lieder singen, die sie noch aus ihrer Kindheit kennen.“ Ein Blatt mit Gesangstexten brauchen die Sängerinnen und Sänger nicht, selbst Teilnehmer mit einem gestörten Kurzzeitgedächtnis hätten die Texte auswendig gelernt, sagt Britsch. Der Chor verbinde Generationen, da auch eine Handvoll Angehörige mit von der Partie sind. „Es geht um die Liebe zur Gemeinschaft, zur Musik und zum Singen“, sagt Britsch. Vor rund 40 Zuhörern – teils Bewohner der Seniorenresidenz, teils Angehörige – fand der jüngste Auftritt statt. Auch Oberbürgermeister Jürgen Kessing ließ es sich nicht nehmen, dem Bewohnerchor zu lauschen. Eine Bewohnerin hatte ihn auf eigene Faust eingeladen. Und nicht nur ihn: Auch Bundeskanzler Olaf Scholz erhielt eine Einladungsschreiben. Er habe auch geantwortet, aber mangels Zeit absagen müssen. Drei Auftritte hat der Chor mittlerweile absolviert, in Zukunft seien auch Konzerte außerhalb der Residenz denkbar, für den Enzpavillon sei man bereits angefragt worden, sagt Britsch, zunächst müsse aber ein Schritt nach dem anderen gegangen werden. Yannik Schuster

 
 
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