Bietigheim-Bissingen Leseraktion: Ein Besuch auf der B 27-Baustelle

Von Heidi Falk
BZ-Leserinnen und -Leser konnten den Baustellenabschnitt vier an der B 27 aus einer ganz anderen Perspektive kennenlernen: aus jener der Planer. Das sorgte für viele Aha-Moment und Verständnis für so manche Baustellenlösung, die man zuvor bemängelt hatte. Foto: Oliver Bürkle

BZ-Leser haben eine Führung durch den Bauabschnitt vier der B 27-Baustelle in Bietigheim-Bissingen bekommen und konnten so den Blickwinkel wechseln.

Am Dienstagmorgen trafen sich 15 interessierte BZ-Leser und -Leserinnen an den Baucontainern Ecke Wilhelmstraße/B 27 in Bietigheim-Bissingen. Ihr Ziel: mehr über die Mammutbaustelle zu erfahren, die die Stadt und ihre Bewohner derzeit auf Trab hält. Die Bietigheimer, Sachsenheimer und Bönnigheimer Zeitung hatte zu einer exklusiven Baustellenführung eingeladen, und sie waren dem Ruf gefolgt. Experten vor Ort, die ihr Fachwissen weitergeben konnten, kamen vom Regierungspräsidium Stuttgart (RPS), den Stadtwerken Bietigheim-Bissingen (SWBB) sowie aus der Stadtverwaltung Bietigheim-Bissingen.

Im Fokus der Führung stand der Bauabschnitt vier. „Das ist der kritischste Abschnitt, weil hier die meisten Gewerke zusammenkommen“, sagte Andreas Klein, Leiter des Baureferats West im RPS – und selbst Bietigheimer. Mit einem Augenzwinkern fasste er die Ausgangssituation folgendermaßen zusammen: „Das Land will die Straße sanieren, die Stadtwerke wollen Kanäle für Fernwärme legen und die Stadt neue Wohngebiete anbinden. Die Frage war: getrennt oder zusammen?“ Man sei sich schnell einig gewesen: „Wir müssen das zusammen machen.“

Viele interessierte Fragen der BZ-Leser und -Leserinnen

Marc Beyer von der Abteilung Gas, Wasser, Wärme der SWBB berichtete über die Anbindung des Aurain-Carrés ans Fernwärmenetzwerk über die nahe gelegene Energiezentrale Mitte. „Die Leitungen liegen schon in der Dammstraße“, so Beyer. Wie es mit LWL-Leitungen für schnelles Internet aussehe, wollte ein BZ-Leser wissen. „Leerrohre für Glasfaserkabel werden auch schon verlegt“, versicherte Beyer. Wie es mit Gasleitungen aussehe, fragte der BZ-Leser weiter nach. Was saniert werden müsse, werde in dem Zuge gemacht, mehr jedoch nicht, so Beyer.

Wie es denn um potenzielle Bombenfunde stehe, interessierte eine BZ-Leserin. Die Gegend um den Bahnhof sei im Zweiten Weltkrieg schließlich Angriffsziel gewesen. „Der Kampfbeseitigungsdienst war tatsächlich baubegleitend dabei“, so Beyer. Alte Bomben habe man zum Glück nicht gefunden. Was man jedoch gefunden habe: einen Haufen Leitungen. „Zum Teil war unklar, ob das aktive oder alte Leitungen sind“, sagte Klein. Man habe sich häppchenweise in den Untergrund vorarbeiten und alles prüfen müssen. „Das war wirklich eine Meisterleistung des Baggerfahrers.“

Apropos Bagger: Der Baustellenabschnitt zwischen Ulrichstraße, Kreissparkasse, DLW-Gebäude und Bahnhof stelle, auch was den Platz anbelangt, eine Herausforderung dar, so der Baureferatsleiter West. Denn ein Bagger oder LKW könne aus Sicherheitsgründen nicht zu nah an ein fünf Meter tiefes Loch, das für die Leitungen notwendig sei, heranfahren. Der Verkehr aber müsse auch fließen. „Ganz ehrlich: Die Arbeiter sind froh, wenn hier Stau ist, weil dann alles langsamer und damit weniger gefährlich ist“, sagte Klein. Besonders eng sei es vor dem DLW-Gebäude. Wie viele Arbeiter vor Ort beschäftigt seien, fragte eine BZ-Leserin. Das seien immer so 15 bis 20 Mitarbeiter des Bauunternehmens Leonhard Weiss, sagte Sven Kofink, Projektleiter beim Baureferat West des RPS.

Doch nicht nur der Platz sei ein wichtiger Faktor bei der Planung einer Baustelle, führte Klein weiter aus. Auch das Thema Abzweigungen sei ein wichtiges. „Am liebsten hätten wir alle Abzweigungen zugemacht, um in Ruhe zu bauen. Aber das geht natürlich nicht.“ Feuerwehr, Polizei und Rettungswägen müssten durch, Anwohner müssten ihre Häuser erreichen. Je kleinteiliger man jedoch baue, um zusätzliche Abbiegevorgänge zu ermöglichen, desto länger dauere alles. „Dann reden wir nicht mehr vom ‚Ende des Jahres’, denn genau hier ist die Engstelle“, gab Klein zu bedenken. „Es haben sich also schlaue Verkehrsplaner Gedanken gemacht und wir sollten nicht herumnörgeln“, resümierte ein BZ-Leser und kündigte an, diese Erkenntnis in seinem persönlichen Umfeld zu verbreiten.

Besonders beeindruckend: Spundwände und Betonrohre

Auch einige Details erfuhren die Teilnehmer der Führung, etwa dass der Gehweg am DLW-Gebäude schmaler werden soll, um ihn auf der anderen Straßenseite verbreitern zu können, denn da sei es immer sehr eng, vor allem wenn Fußgänger auf Radfahrer treffen. Wie gerufen, ertönte eine Klingel, eine Radfahrerin wollte durch. Ja, eng ist es. Außerdem wurde angekündigt, dass der Durchgang unter der Bahnbrücke in den Sommerferien vorübergehend geschlossen werde, um dortige Arbeiten zu ermöglichen.

Besonders beeindruckend war das Setzen der Spundwände mit schweren Baumaschinen tief im Erdreich, das die Lesergruppe live miterleben konnte. Und auch der schiere Durchmesser der Betonrohre, die unter der Straße verbaut werden, sorgte für Staunen. Verfüllt werden die Baugruben am Schluss mit sogenanntem Flüssigboden, einem Gemisch aus Erde, Wasser und Bindemittel, erklärte Stephanie Sander, Planerin für Abwasser bei den Stadtwerken. Es sei wichtig, dass der Boden gut verdichtet sei, da auf der B 27 viele und auch schwere Fahrzeuge fahren. Flüssigboden kann fließend verbaut werden, ist selbstverdichtend und nach dem Aushärten tragfähig. „Schon beeindruckend, wenn man das so sieht. Später wird alles zugemacht und es ist kaum noch nachvollziehbar, was da eigentlich so lange gedauert hat“, merkte ein Leser an und lachte.

Zum Schluss gab es noch einen kleinen Ausblick auf 2026, dann nämlich soll der Bauabschnitt zwischen Kreissparkasse und Enzbrücke folgen.

 
 
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