Bietigheim-Bissingen Mehr Fahrgäste, weniger Einnahmen

Von Uwe Mollenkopf
Ein Spillmann-Bus am ZOB in Bietigheim-Bissingen. Die Zahl der Fahrgäste stieg im vergangenen Jahr um fünf Prozent. Foto:  

Das städtische Tochterunternehmen Spillmann GmbH hat 2024 ein Minus von rund 664.000 Euro eingefahren, sieht sich aber auf Erholungskurs. Die Bus-Touristik federte das Defizit ab.

Auch wenn der Verlust im Vergleich zum Vorjahr um 225.000 Euro gestiegen ist, insgesamt setze sich der Erholungskurs beim städtischen Tochterunternehmen Spillmann nach der Corona-Pandemie fort, heißt es im Geschäftsbericht, der wie üblich vom Stiftungsrat der Stiftung zur Förderung von Sozialeinrichtungen abgesegnet werden musste, bevor er nach den Sommerferien in weiteren Gremien begutachtet wird. Im Oktober findet dann die abschließende Beratung in der Gesellschafterversammlung der städtischen Holding statt. Diese soll den Verlust aufgrund des bestehenden Vertrags übernehmen.

Zum Vergleich: 2022 hatte Spillmann noch einen Verlust von rund 1,76 Millionen Euro hinnehmen müssen, 2023 hatte sich das Minus dann auf rund 439.000 Euro verringert. Im Jahr 2024 weist die Gewinn- und Verlustrechnung ein Defizit von rund 664.000 Euro aus.

Fahrgeldeinnahmen sinken leicht

Für eine bessere Situation sorgt der zum 1. Januar 2020 in Kraft getretene neue Verkehrsvertrag, der erstmals im Geschäftsjahr 2024 regulär zur Anwendung gekommen ist und zu den gewünschten stetigen Zahlungsflüssen bei dem Busunternehmen führte. Dies stellt Geschäftsführer Bülent Menekse in seinem Jahresbericht fest. Die Ausgleichsleistungen durch die Aufgabenträger seien zwar immer noch zeitversetzt und belasteten das Ergebnis bei unterjährigen überdurchschnittlichen Kostensteigerungen wie etwa durch Lohntariferhöhungen. Doch der Zeitversatz sei nun erfreulicherweise von drei Jahren auf ein Jahr zurückgegangen, was die Planbarkeit wieder auf das erforderliche Normalmaß erhöht habe, lobt der Geschäftsführer.

Die ÖPNV-Fahrgeldeinnahmen waren im Jahr 2023 aufgrund von zeitversetzten Nachzahlungen von Aufgabenträgerseite für die Jahre 2020 bis 2022 in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro um rund 31 Prozent gestiegen, im Jahr 2024 gab es hingegen einen leichten Rückgang um 1,6 Prozent. Wie erwartet habe das zum 1. Mai 2023 eingeführte günstige Deutschland-Ticket zu einer Reduzierung der Fahrgeldeinnahmen geführt, stellt der Geschäftsführer fest. Gleichzeitig wuchs dadurch das Fahrgastaufkommen im Jahr 2024 um fünf Prozent.

Höhere Personalkosten

Laut Menekse ist aber vorgesehen, dass die fehlende Liquidität über sogenannte Notverträge von den Aufgabenträgern ausgeglichen werden soll. Die Endabrechnung für 2024 wurde in dieses Jahr verschoben.

Bei den Dieselkosten gab es etwas Entspannung. Sie sind laut Geschäftsbericht im Jahr 2024 um rund vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken.

Der Personalstand sei im Vergleich zum Vorjahr unverändert geblieben, so der Geschäftsführer, Tarifabschlüsse sorgten jedoch für steigende Kosten. Unter dem Strich erhöhten sich die Personalkosten einschließlich sozialer Abgaben im Vergleich zum Vorjahr um 14,2 Prozent. In absoluten Zahlen: Gab Spillmann 2023 knapp fünf Millionen Euro für Personalkosten aus, waren es im Jahr 2024 fast 5,7 Millionen.

Einmal mehr profitierte Spillmann von der Sparte Bus-Touristik. Diese hat laut Geschäftsbericht bereits in den vergangenen Jahren mit Deckungsbeiträgen dazu beigetragen, das Delta der unterjährig steigenden ÖPNV-Kosten teilweise abzufedern. Während der Corona-Pandemie befand sich die Touristik zwischen 2020 und 2022 dann größtenteils in Kurzarbeit. 2023 hat sich dieses Geschäftsfeld indes wieder erholt, und 2024 ist der Touristikumsatz um 17,4 Prozent gestiegen. Es sei ein positives Ergebnis erzielt worden, das dazu beigetragen habe, das Delta im ÖPNV etwas abzuschmelzen, heißt es im Geschäftsbericht.

Herausforderungen für die Zukunft bleiben laut Geschäftsführer Menekse unter anderem die Gewinnung von Fahrpersonal und die Weiterentwicklung der Fahrzeugtechnologie. Ein richtungsweisender Schritt sei eine Gesetzesänderung am 20. Mai 2024 im Bundestag gewesen, mit der die Nutzung paraffinischer Dieselkraftstoffe wie HVO100 ermöglicht wurde.

Sauberer Kraftstoff

Dieser Kraftstoff wird derzeit überwiegend aus Rest- und Abfallstoffen hergestellt und gilt nun offiziell als „sauber“. „Ohne neue Fahrzeuge, Infrastruktur oder teure Umbauten lassen sich förmlich aus dem Stand die CO2-Emissionen von Busflotten so um bis zu 90 Prozent senken“, so der Spillmann-Chef.

 
 
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