Von ganz Deutschland und aus dem Ausland kommen Kundinnen in den Wäscheladen im Bietigheimer Stadtteil Buch. „70 Prozent der Frauen finden über Empfehlung zu mir“, sagt Elvira Haas-Spannknebel, die Besitzerin des traditionsreichen Geschäfts in der Banatstraße nicht ohne Stolz. Ihr Laden läuft gut, von Jahr zu Jahr gewinne sie ein paar Prozent mehr Kundinnen. Die Unternehmerin blickt auf eine große Stammkundschaft: „Es gibt Frauen, die ich als Braut, als Schwangere, Stillende und schließlich mit ihren pubertierenden Töchtern berate.“
Bietigheim-Bissingen Meisterin des passenden BHs
Das Mode- und Wäschegeschäft Loos in Bietigheim-Buch ist die Leidenschaft und Berufung der Inhaberin. Die Firma gibt es nun seit 175 Jahren.
In dem 100 Quadratmeter großen Raum gibt es nicht nur allerlei Büstenhalter und Slips von sportlich bis sexy, Dessous und formende Miederwäsche, jeweils von Qualitätsmarken. Auch Nachtwäsche, legere Damen-Oberbekleidung, Strumpfwaren, Herren-Unterwäsche, ganzjährig auch Bademode für sie und ihn sowie Wolle, Zeitschriften und die älteste Lotto-Annahmestelle in Bietigheim-Buch finden Kunden in dem Laden.
Vom Ururgroßvater gegründet
Dieses Jahr feiert Mode und Wäsche Loos sein 175-jähriges Bestehen, davon 69 Jahre im Stadtteil Buch.
Die Anfänge der Ladengeschichte reichen bis zum Ururgroßvater mütterlicherseits von Inhaberin Haas-Spannknebel zurück. Josef Rödig gründete 1851 in Schwarzenbach im Sudetenland (im heutigen Tschechien) die „Erzgebirgische Hand-Klöppelei“. Das Klöppeln ist eine Handarbeitstechnik mit Ursprüngen aus dem 14. Jahrhundert, bei der mit meist hölzernen Spulen zierende Spitzeneinsätze für die Kleidung gefertigt wird. Die Großeltern von Elvira Haas-Spannknebel zogen als Vertriebene nach Bietigheim-Aurain in der Wilhelmstraße. Dort führten sie ihr Geschäft mit selbst genähter Bett- und Nachtwäsche und handgefertigter Klöppelware weiter. Ende des Jahres 1946 eröffneten sie dort in ihrer Wohnung ein „Textil- und Manufakturbetrieb“. Berta (geborene Rödig) und Alfons Loos beschäftigten in der Nachkriegszeit 200 Klöpplerinnen deutschlandweit.
Im Jahr 1958 eröffnete das Ehepaar das Textilhaus Loos in ihrem ein Jahr zuvor erbauten Gebäude im Stadtteil Buch. Ihre Enkelin Elvira Haas-Spannknebel wuchs hier auf, begann mit zwölf Jahren an der Nähmaschine zu nähen. 2012 übernimmt sie von ihren Eltern Helma und Willi Spannknebel die Nachfolge des Ladens. „Mich müsste man klonen, hat mal eine Kundin gesagt“, erzählt die jung gebliebene 56-Jährige lachend. Sie werde für ihr enormes Fachwissen in Sachen BH-Passgröße und ihre Leidenschaft in der Beratung geschätzt und bekomme oft entsprechend positives Feedback.
Rückenprobleme durch falsche BHs
Die aufgeweckte Frau mit den blonden Naturlocken lebt ihre Berufung. „Ich bin mit Leib und Seele Beraterin.“ Sie ist gelernte Damenschneidermeisterin, Modedesignerin und Schnittdirektrice. „Aufgrund meiner Ausbildung und meinem Fachwissen gibt es vermutlich nur ganz wenige so kompetente BH-Kundenberaterinnen wie mich in Deutschland“, wie sie von Kunden und Vertretern im Außenhandel zu hören bekommt. Ihr Maßatelier nebenan betreibt sie seit 14 Jahren nur noch reduziert. Dennoch sei es immer wieder von Vorteil, Büstenhalter und Bademode im Atelier noch genauer anzupassen.
„Mir liegt es am Herzen, so vielen Frauen wie möglich, von neun bis 99 Jahren, die richtige BH-Größe zu vermitteln“, sagt die jung gebliebene 56-Jährige. Denn: „Das Bewusstsein fehlt oft, wie wichtig ein passender BH ist.“ Nicht richtig sitzende Büstenhalter verursachten Brust – und Gewebeschäden sowie Rückenschmerzen. „Ich sehe an einer Frau sofort, wenn der BH den falschen Schnitt oder die falsche Größe hat“, so Haas-Spannknebel.
Die Kundinnen sollten viel Zeit mitbringen, „mindestens 30 Minuten.“ Als Ausgleich gehe sie abends wöchentlich ins Yoga und mit ihrem Mann gelegentlich in Urlaub. Ansonsten ist die Selbstständige oft von 8 bis 20 Uhr, manchmal bis 23.30 Uhr für ihren Laden im Einsatz. Im Jubiläumsjahr 2026 gibt es jeden Monat Rabatte und Aktionen für die Kundschaft.
