Bietigheim-Bissingen Mit Metal-Yoga aus Bietigheim auf die Festivalbühne

Von Heidi Falk
Seit 2008 unterrichtet Annette Reichert (Mitte) Yoga, seit 2022 auch Metal-Yoga auf dem Festival Summer Breeze in Dinkelsbühl. Dort werden gestreckte Hände gerne durch „Devil horns“ ersetzt. Foto: privat

Annette Reichert betreibt in Bietigheim-Bissingen ein Yoga-Studio. Diese Woche praktiziert sie Yoga auf einer Festivalbühne – vor hunderten von Metalheads.

Yoga ist eine alte indische Lehre und Praxis, die Körper, Geist und Seele miteinander verbindet. Gezielte Bewegungen sollen den Körper stärken und den Geist zur Ruhe kommen lassen. Dass Yoga aber auch ganz anders sein kann, beweist Annette Reichert. Die Bietigheim-Bissingerin betreibt das Yogannette Studio & Akademie in der Bietigheimer Altstadt. Neben klassischen Yoga-Kursen bietet sie auch Metal-Yoga an.

Eine besondere Verbindung

Wie das zusammenpasst? „Metal und Yoga verbinden sich für mich sehr gut“, sagt sie im Gespräch mit der BZ. Es treffen zwei ihrer großen Leidenschaften aufeinander: Rockmusik und Yoga. „Ich praktiziere schon seit 1999 Yoga, sodass es mir nicht schwerfällt und ich mich dadurch auf die Musik konzentrieren kann. Metal-Yoga ist laut, wild, kraftvoll, super“, sagt sie und lacht. Auf die Idee gekommen ist eigentlich ihr Mann Manuel. Er ist, genauso wie Annette Reichert auch, Metal-Fan. Bei einem Besuch auf dem Wacken-Open-Air entdeckte er Metal-Yoga und wandte sich an seine Frau: „Das wär doch was für dich.“ Recht hatte er. Seit einigen Jahren bietet Annette Reichert neben den klassischen Yoga-Kursen auch in ihrem Studio Metal-Yoga an, zusätzlich finden vier Mal im Jahr Metal-Yoga-Events in der Kelter statt.

2022 bekam die Yoga-Lehrerin eine Anfrage der besonderen Art: Das Metal-Festival Summer Breeze, das immer im August in Dinkelsbühl im Landkreis Ansbach in Mittelfranken stattfindet, fragte sie an, ob sie sich vorstellen könne, Metal-Yoga für die Festivalbesucher anzubieten. „Wir waren natürlich total begeistert und sofort dabei“, erinnert sie sich. Seitdem ist die Bietigheimerin mit ihrem Team, bestehend aus Katja Strauss, Chrissi Stöß, Annika Trifunovic und Erik Seidel, Jahr für Jahr dabei, 2026 zum fünften Mal. Um den Sound und das Drumherum kümmern sich Annette Reicherts Mann Manuel und Sohn Philipp sowie Jonah Pleuger.

Kommenden Mittwoch beginnt das Summer-Breeze-Festival offiziell, von Donnerstag bis Samstag ist das Metal-Yoga-Team mit seiner einstündigen Yoga-Stunde zu harten Gitarrenklängen und gutturalem Gesang ab 10.30 Uhr auf der Campsite-Circus-Bühne vertreten. „Das Publikum ist ganz gemischt“, sagt die Yoga-Lehrerin. Erfahrene Yogis treffen auf unerfahrenere Teilnehmer, ältere auf jüngere Menschen, Männer und Frauen machen mit, manche haben Sportkleidung an, andere kommen im Dino-Kostüm. Zu dritt steht das Yoga-Team auf der Bühne, Annette Reichert leitet die Menge per Headset an. „Ich bin jedes Mal wieder aufgeregt“, sagt sie. Dabei sei sie durchaus eine „Rampensau“, hat sie doch früher selbst in Metal-Bands gesungen und kennt es, auf der Bühne zu stehen. „Gleich beim ersten Mal waren es hunderte von Menschen, die mitgemacht haben. Ein überwältigendes Gefühl.“

Annette Reichert versucht sich immer ein Thema zu überlegen, das wie ein roter Faden durch die Asanas, also die Yogahaltungen und Yoga-Übungen, führt. Etwa „Fit for the pit“, das auf den Moshpit vorbereiten soll, „Metal-Neck“ für den vom Headbangen beanspruchten Nacken oder an Tag drei auch gerne ein rücken- oder beinlastigeres Programm, das den vom vielen Stehen beanspruchten Körper entlasten soll.

Was Metal und Yoga verbindet? „Die Emotionen, die geweckt werden. Dadurch ist die Verbindung so kraftvoll.“ Die Musik sucht sie nach verschiedenen Kriterien aus. Etwa, welche Bands an dem Festivaltag spielen, auch können Musikwünsche über das soziale Netzwerk Instagram eingereicht werden. Auch viele Klassiker wie Songs von Slayer oder Metallica sind zu hören oder „Songs, die mir gefallen“, sagt die Bietigheimerin, die gerne Black Metal hört. Bei der Auswahl der Übungen möchte Annette Reichert alle mitnehmen, ob Anfänger oder Profi, und wählt keine Übungen mit hoher Verletzungsgefahr aus.

Kraftvoll und sportlich

„Metal-Yoga ist natürlich kein entspannter Yoga, er ist sportlich und kraftvoll“, sagt sie. Besonders geeignet seien die sogenannten Krieger-Haltungen. Gerne in leicht abgewandelter Ausführung: etwa der Krieger II, der zu Amon Amarths „Raise your horns“ ausgeführt wird, wobei die ausgestreckte Hand einer Trinkbewegung weicht. Auch das klassische Namasté-Mudra kommt vor, jedoch als „Devil-Mudra“, wobei die gefalteten Hände den für Rockmusik typischen Teufelshörnern weichen. Für die klassische Schlusspose, das Shavasana, wählt die Yoga-Lehrerin immer den Song „Winter“ von Celtic Frost. „Durch das Kennen des Songs kommt der Körper gut in die Entspannung.“ Den ersten Song des Mittwochskurses verrät Annette Reichert auch schon: Es wird „Summer Breeze“ der Band Type O Negative. Die Textzeile „Summer Breeze makes me feel fine“ eigne sich ideal als Opener.

Der Zuspruch sei groß, Jahr für Jahr kämen viele Yoga-Willige, auch manch bekanntes Gesicht sehe sie in den Reihen. Nicht selten suchen Besucher nach dem Festival das Yogannette-Studio auf, um auch zuhause mit der Yoga-Lehrerin der besonderen Art Yoga zu praktizieren.

 
 
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