Bietigheim-Bissingen Musizieren in ungewohnten Kombinationen

Von Corinna Müller
Das harmonische Zusammenspiel der Gitarren von Kyrylo Shyshkov, Lorenz Ziegler und Vincent Anhorn  begeisterte das Publikum bei der Matinee der Bietigheimer Musikschule. Foto: /Oliver Bürkle

Bei einer Matinee am Sonntagvormittag im Orchestersaal der Bietigheimer Musikschule im Schloss überzeugten die 20 Schülerinnen und Schüler.

Wer ihnen zuhört, erkennt rasch, dass man sie zu Recht die „Begabtenklasse“ nennt. Bei einer Matinee am Sonntagvormittag unter der Leitung von Dr. Christina Dollinger standen die jungen Musiker aus Bietigheim, Ingersheim, Tamm, Sachsenheim und Freudental in elegantem Schwarz vor den alten Feldsteinmauern des Orchestersaals der Bietigheimer Musikschule im Schloss und brillierten mit ihrem Auftritt.

„Wir haben hier Ensembles, die normalerweise nicht miteinander spielen“, erklärte Dollinger. „Da entstehen tolle Kombinationen, was uns natürlich sehr freut.“ Manchmal seien die Musizierenden auf diese Weise bis zu „Jugend forscht“ gelangt.

Begabtenklasse seit 25 Jahren

Tatsächlich eröffneten Valentina Saerbeck (Violine) und Felix Fenrich (Akkordeon) das Konzert in einer solch überraschenden Kombination. Doch auch das harmonische Zusammenspiel der Gitarren von Kyrylo Shyshkov, Lorenz Ziegler und Vincent Anhorn sorgte für ein fasziniertes Publikum, ebenso wie Pola Gajewy mit ihrer Violine und mit Benjamin Cantarutti am Violoncello.

„Die Begabtenklasse geht nun ins 25. Jahr“, berichtete Kulturamtsleiterin Michaela Ruof. Dabei würde jeder Schüler nicht nur einzeln gefördert, es stehe vielmehr die Gemeinsamkeit im Mittelpunkt. Dollinger erzählte von Unternehmungen wie dem Besuch von Konzerten, weiterbildenden Workshops oder einer Orgelführung in der Kilianskirche in Bissingen.

Sie dankte den Sponsoren und dem Förderverein, die eine solche Aktivität erst ermöglichten. Denn ergänzend zum wöchentlichen – privat bezahlten – Unterricht erhielten die 20 Stipendiaten 15 Minuten zusätzliche Schulung. „Manch einer konnte sogar mehrmals hintereinander ein solches Stipendium im Wert von 600 Euro erlangen“, so Dollinger.

Kinga Gutási (Querflöte), Frida Lyrkens (Saxophon) und Kyrylo Shyshokov (Gitarre) spielten „Carioca“ in einer genauso ungewöhnlichen Kombination der Instrumente, wie etwas später Eunike Baumgärtner, Christoph Leu und Adam Elekes, die an der Trompete ein Stück aus dem Jahre 1910 vortrugen und dabei von Emilia Schönle ergänzt wurden. Schönle brachte das Vibrafon mit zwei Schlegeln pro Hand zum Klingen und übernahm damit die Klavierstimme des Stückes. „Ursprünglich hatte ich Klavier gelernt“, teilt die 17-jährige Schülerin der BZ mit, aber dann habe sie das Schlagzeug gesehen, daran herumprobiert und sei letztlich an dem außergewöhnlichen Vibrafon, eigentlich ein Soloinstrument, hängen geblieben. Nun erschuf es in Verbindung mit den Trompeten ein beeindruckendes Klangerlebnis.

Oberbürgermeister Jürgen Kessing zeigte sich von der Tangomusik, gespielt von Laurenz Harke (Klarinette), Emilia Buchner (Cello) und Nilüfer Boysak (Klavier) angetan: „Als würde man vor imaginären Augen ein Tango tanzendes Paar durch den Raum schweben sehen“. Und auch die Klänge, die Ben Doncic, Johanna Baumgärtner und Felix Stahl mit ihren Posaunen hervorzauberten, schienen zum Tanzen auffordern zu wollen.

Konzentriert und mit Hingabe

Immer wieder wechselte leichte Musik, die Fröhlichkeit vermittelte, mit ruhigen getragenen Phasen ab. Überall jedoch wurde mit der gleichen Präzision gespielt – konzentriert und mit Hingabe.

Den Abschluss bildete hingegen eine gänzlich andere Art der Musik: Das Begabtenklasse-Ensemble hatte unter der Einstudierung von Yu-Han Tsao und Samuel Bilger das Stück „Rock Trap“ als Body-Percussion einstudiert. Völlig ohne Instrumente, einzig durch Klatschen am eigenen Körper, Schnipsen der Finger, Zischlauten, Pfeifen und Händeklatschen, wurden die unterschiedlichsten Rhythmen und Töne erzeugt. Ein beeindruckendes Schauspiel, das Kessing mit den Worten würdigte: „Das ist ein lebendiger Beweis dafür, dass man mit dem menschlichen Körper Musik machen kann“ – man könne dies hier in der Musikschule lernen, fügte er schmunzelnd hinzu.

Wie in jedem Sommer wurden den Stipendiaten des kommenden Jahres die Urkunden überreicht und alle Gäste zum Sektempfang in den kleinen Garten gebeten. Dort sinnierte BM Kessing gegenüber der BZ, dass die Musikschule nicht nur ein Ort der Kultur sei, sondern ein Ort, an dem man Berufswege öffne, denn viele einstige Schülerinnen und Schüler hätten später musikalische Berufe ergriffen.

 
 
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