Bietigheim-Bissingen Nach 1945: Alles neu in puncto Brücken

Von Uwe Mollenkopf
Die 1949 eingeweihte Wörthbrücke in Bissingen. Foto:  

Mit einem Ensemble von drei Brücken kann Bissingen aufwarten. Doch keine von ihnen stand schon vor dem Zweiten Weltkrieg.

An drei Stellen kann man heutzutage im Stadtteil Bissingen die Enz überqueren. Es gibt einen Fußgängersteg zwischen Bissingen und Untermberg, die Wörthbrücke in der gleichnamigen Straße und die Langwiesenbrücke, die von der Kayhstraße über die Enz zur Bissinger Bahnhofstraße und zum Grotz-Tunnel führt. Allen diesen Brücken ist gemeinsam, dass sie erst nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurden. Die Annahme, es habe in der vor 1975 selbstständigen Gemeinde keine älteren historischen Brücken gegeben, wäre jedoch grundfalsch.

Vom Steg zur Steinbrücke

Autor Helmuth Orth zitiert in seiner Ortschronik von Bissingen aus einem Lagerbuch, wonach im Jahr 1474 ein Steg in der Gemeinde erwähnt wird. Zuvor – oder vielleicht auch noch parallel – existierte eine Fähre, wie Orth aus dem Flurnamen Far in der Nähe des Dorfgrabens schließt. Der Unterhalt des Steges war wohl nicht ganz einfach. Er musste nach Hochwasser oder Eisgang durch die Gemeinde in Schuss gehalten werden. Schließlich wurde er im Jahr 1628 durch eine größere und stabilere Steinbrücke ersetzt.

Laut der Beschreibung des Oberamts Ludwigsburg von 1859 ruhte die Brücke in der Nähe der Rommelmühle auf fünf Pfeilern (vier steinernen und einem hölzernen). Sie wurde von der Gemeinde unterhalten, und für ihre Benutzung wurde ein Brückengeld verlangt, welches die Gemeinde für 50 Gulden im Jahr verpachtet hatte. Laut den Recherchen des Stadtarchivs Bietigheim-Bissingen hatte die Brücke einen hölzernen Überbau, der 1878 durch eine Eisenkonstruktion ersetzt wurde.

Die Notwendigkeit, eine weitere Brücke über die Enz zu errichten, ergab sich in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Diesmal ging die Initiative von der Gemeinde Untermberg aus. Laut Stadtarchiv ging es darum, den Weg für die Untermberger Schulkinder nach Bissingen abzukürzen. Dazu wurde im Jahr 1927 ein eiserner Fußgängersteg über die Enz erstellt. Mit dem Steg konnten die Kinder abseits der Straße auf direktem Weg nach Bissingen laufen.

Kauf in Untertürkheim

Dem Stadtarchiv zufolge erwarb die Gemeinde dazu den Steg, der als Fußgängersteg über den alten Neckar in Untertürkheim gedient hatte, von der Stadt Stuttgart für rund 1100 Mark. Er wurde zerlegt und in Untermberg mit Eichenholzdielen und auf zwei Betonpfeilern wieder montiert. Das Projekt kostete damals rund 10.000 Mark.

Damit gab es nun zwei Brücken, eine für Fußgänger und eine für Fahrverkehr und Fußgänger – eine Situation, die bis Ende des Zweiten Weltkriegs Bestand hatte. Im April 1945 sprengte die deutsche Wehrmacht auf ihrem Rückzug wie viele andere Brücken auch die alte Bissinger Enzbrücke.

Man behalf sich laut Stadtarchiv danach zunächst damit, dass auf dem Rest der Fundamente eine Fußgängerbrücke gebaut wurde. Danach folgten Beratungen über eine neue Fahrbrücke. Dabei entschied sich die Gemeinde, diese an anderer Stelle zu errichten, nämlich im Bereich Wörth. Den Bau übernahm das Stadt-, Straßen- und Wasserbauamt Besigheim, und bereits 1949 konnte die Einweihung gefeiert werden. Die neue Fahrbrücke war 3,5 Meter breit und wurde von einer Stahlkonstruktion und Betonpfeilern getragen.

Nächster Schritt in der Bissinger Brückengeschichte war 1968 die Errichtung der Rohrbrücke für Fußgänger zwischen Bissingen und Untermberg. Im Zuge des Stegneubaus wurden die beiden alten Stege, also der Steg von 1927 und die Fußgängerbrücke auf den Fundamenten der gesprengten Enzbrücke, abgebrochen.

Teil der Südumgehung

Als jüngste Brücke in Bissingen kam schließlich die Langwiesenbrücke hinzu, die im Dezember 1997 nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht wurde. Sie ist Teil der Südumgehung Bietigheim-Bissingen/Nordumgehung Tamm. Mit dem Grotz-Tunnel, der im Mai 1999 fertiggestellt wurde, fand dieses Großprojekt seinen Abschluss.

Von der Brückenhistorie gibt es aber bis heute steinerne Zeugnisse: Ein Brückenansatz der alten Bissinger Enzbrücke ist immer noch sichtbar.

 
 
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