Das ist einfach auch dem Wandel der Zeit geschuldet“, sagt Gastronom Markus Koppe, der sein Restaurant „Koppes Tafelhaus“ im November schloss und es nun vergangene Woche mit neuem Konzept und neuem Namen öffnete. „Wir haben die Infrastruktur im Restaurant erneuert und das Projekt, selbst Bier zu brauen, hatte ich tatsächlich schon länger“, sagt Koppe.
Bietigheim-Bissingen Neue Konzepte, gleiche Gastronomen
In der Altstadt haben das Bietigheimer Brauhaus und das „CeMa“ nach einer Schließzeit mit neuen Konzepten eröffnet. Ein ungewöhnlicher Weg, laut Dehoga, der Standort sei entscheidend.
Bei einem Bekannten, der eine kleine Brauanlage im Kreis betreibt, wird nun das eigene Bier für das Bietigheimer Brauhaus, dem neuen Restaurant, hergestellt. Koppe sagt, dass er sich mit dem neuen Angebot an den Kunden orientiert: „Die Leute haben nicht mehr so viel Geld in der Tasche und gehen daher auch nicht mehr so richtig vornehm und schick essen.“ Lieber öfters bodenständig Essen gehen, sei das, was die Menschen in die Restaurants bringe, findet Koppe.
Zudem passe das Brauhaus-Konzept auch gut zu seinen anderen Geschäften, denn die Brotwaren aus der Bäckerei Ährensache und die Wurstwaren aus dem Feinkostladen finden sich auf der Karte des Brauhauses wieder.
Fokus auf Burger
Nur weil ein Konzept nicht funktioniert, gibt man noch lange nicht auf in der Gastronomie: So lautet das Motto von Güney Dikme. 2023 hatte er das Restaurant an der Städtischen Galerie übernommen und den dazugehörigen Kleinkunstkeller (die BZ berichtete). Doch Personalmangel und das bisherige Konezpt führten dazu, dass Dikme das Restaurant für ein halbes Jahr schließen musste. „Ich habe mich dann entschieden weiterzumachen und den Fokus mehr auf die Burger zu legen“, so Dikme. Das Vorgängerrestaurant war auch schon für das Burgerangebot bekannt.
Auch eine Änderung der Öffnungszeiten gehörte zum neuen Konzept: Unter der Woche öffnet das „CeMa“ ab 17 Uhr, am Wochenende bereits ab 13 Uhr. Dikme selbst hat sich eingearbeitet, steht jetzt auch öfters selbst in der Küche und hilft dort aus, wo es gerade klemmt.
„Das neue Konzept kommt gut an. Wir kriegen durchweg positive Rückmeldungen“, berichtet der CeMa-Inhaber. Bietigheim sei ein gutes Pflaster für Gastronomen, findet Dikme: „Es war definitiv der richtige Weg, nochmal neu zu justieren und mit den anderen Konzept wieder einzusteigen.“
Mittlerweile sei der Personalmangel auch kein Thema mehr und wenn es wärmer wird, könne er sich auch eine Erweiterung der Öffnungszeiten vorstellen. „Aber dafür muss ich mich auch nochmals um das Konzept kümmern und an die Werbung gehen“, sagt Dikme.
Ein Restaurant für alle
Mit ihrem Konzept sind Arber Vrella und Lumardh Sulka bisher sehr zufrieden. Seit vier Monaten sind sie die Inhaber des Restaurant Amici, dem ehemaligen Minz&Kunz, am Marktplatz in der Bietigheimer Altstadt. „Bei uns ist jeder willkommen. Wir möchten hier ein gemischtes Publikum von Jung bis Alt haben“, sagt Vrella. Als sie die Karte für ihr Restaurant zusammenstellten, war dieser Gedanke immer im Hintergrund.
Die beiden sind keine Gastroneulinge. Schon vor ihrem eigenen Restaurant waren sie in Bietigheim-Bissingen in der Gastronomie aktiv. „Natürlich muss man immer wieder kleinere Anpassungen vornehmen, auch in der Karte, aber bisher läuft es gut. Die Lage ist natürlich auch wichtig“, sagt Vrella.
Großer Druck auf Gastronomen
Das sieht auch Andreas Müller, Pressebeauftragter der Dehoga Kreis Ludwigsburg so: „Man muss vom Standort überzeugt sein, wenn man sich an ein neues Konzept für das eigene Restaurant wagt.“ Diesen Weg einzuschlagen sei laut Müller eher ungewöhnlich. „Es gibt zur Zeit einen starken Trend, dass viele Gastronomen schließen, weil der Druck einfach zu groß geworden ist. Das merken wir auch hier im Kreis“, erklärt Müller. Auch 2024 sei die Gastronomiebranche 13 Prozent unter dem Niveau von 2019 geblieben. Die Inflation und die Erhöhung der Mehrwertsteuer von sieben auf wieder 19 Prozent mache das Geschäft für viele Gastronomen einfach nicht mehr rentabel.
„In der Gastronomie werden Produkte verkauft, für die braucht es eine gute Stimmung, dass man mal etwas trinken geht oder am Wochenende mit der Familie ins Restaurant. Das ist etwas, das kann ich machen, muss es aber nicht“, so Müller. Dies sei eben auch ein Grund, weshalb Gastronomen gerade schließen würden. Sich allerdings noch mal mit einem neuen Konzept ranzuwagen, sei bemerkenswerkt, findet Müller. Denn dafür müsse man auch erst einmal investieren. Das zeige, dass die Gastronomen vom Standort überzeugt sind, wenn sie weiter in ihn investieren.
