Die Debatte um Hitzeschutz in den Bietigheim-Bissinger Schulen ist noch lange nicht abgekühlt, im Gegenteil. Aussagen von Baubürgermeister Michael Wolf beim Format „Schule trifft Rathaus“, wonach man angesichts der hohen Temperaturen von südlichen Ländern lernen müsse, haben für weiteren Unmut beim Gesamtelternbeirat der Schulen gesorgt. In einem zweiten offenen Brief hat dieser die Idee eines Schulbeginns um 6 Uhr als unzumutbar verworfen und einen Unterricht im Freien als „praktisch nicht umsetzbar“ bezeichnet.
Bietigheim-Bissingen Neue Kühlung funktioniert nicht
Das Thema Hitzeschutz sorgt in Bietigheim-Bissingen weiter für Gesprächsstoff. In den Gymnasien gibt es Probleme mit der Klimaanlage.
Gefordert wird in Bezugnahme zum ersten Brief (die BZ berichtete), Sonnen- und Hitzeschutz nicht „als lästiges Nebenthema“ zu behandeln. Dass die Verwaltung einen flächendeckenden Einbau von Klimaanlagen, Sonnensegeln und Dämmungen aus Kosten- und Aufwandsgründen ablehne, greife zu kurz.
Kein Thema mehr sollte der Hitzeschutz eigentlich in den Ellentalgymnasien sein, wo im Zuge der energetischen Sanierung Lüftungsgeräte eingebaut wurden. Doch diese funktionieren nicht so, wie sie sollen, wie Baubürgermeister Wolf am Dienstagabend im Ausschuss für Verwaltung und Finanzen sagte. Damit müssen die Gymnasiasten trotz moderner Kühlungstechnik mit aufgeheizten Räumen zurechtkommen.
Gutachter eingeschaltet
Da keine der verantwortlichen Baufirmen einen Fehler einräume, habe man bereits vor zwölf Monaten ein gerichtliches Verfahren angestrengt, um durch einen Gutachter klären zu lassen, wer schuld sei, sagte Wolf. Doch erst jetzt im Juli sei die Untersuchung angelaufen. Vorher könne die Stadt auch nicht für Ersatz sorgen. Er hoffe jetzt, dass bald Klarheit herrsche, das Ganze sei „sehr ärgerlich“, so der Bürgermeister.
Auf die Frage von CDU-Stadtrat Claus Stöckle in der Sitzung, wie die Verwaltung nun mit dem Elternprotest umgehe, sagte der Erste Bürgermeister Michael Hanus, das Thema Hitzeschutz sei für die Verwaltung nicht neu. Dieses betreffe neben Schulen auch Kitas und andere der insgesamt 170 städtischen Liegenschaften. Es sei „jeden Tag ein Thema“. Ob ein früherer Schulbeginn in Frage komme, werde man prüfen. Bei der Frage nach mittel- und längerfristigen Maßnahmen wie Klimaanlagen müsse man die Kosten im Auge behalten, so Hanus. Noch deutlicher erklärte dazu Oberbürgermeister Jürgen Kessing: Ein flächendeckender Einbau von Klimaanlagen sorge für Investitionskosten wie auch für Kosten beim laufenden Betrieb. Das koste „Strom ohne Ende“, so Kessing.
Hanus will Gespräch suchen
Hanus versprach aber, mit den Mitgliedern des Gesamtelternbeirats der Schulen das Gespräch zu suchen. In den Dialog einzutreten sei wichtig, befand auch Claus Stöckle. Die Eltern wüssten auch, dass nicht alle gewünschten Maßnahmen erfüllbar seien. Er verwies zudem darauf, dass in zwei Wochen Sommerferien sind, sodass sich das Thema zunächst einmal erledigt.
Ute Epple, die Vorsitzende der Fraktion der Freien Wähler, bezeichnete den ersten Brief des Gesamtelternbeirats als etwas verwirrend. Dort tauchten auch Dinge auf, die Sache der Schulleitungen seien, nicht der Stadt. Dass die Verwaltung nun mit den Elternvertretern reden wolle, bezeichnete sie als sehr gut.
„Wir bräuchten eine andere Ferienlösung“, meinte Dr. Arno Steilner (FDP) zu der Debatte. Denn die großen Hitzewellen kämen immer früher im Jahr, die Probleme damit in den Schulen könnten vermieden werden, wenn die Sommerferien weiter nach vorne verlegt würden. Oberbürgermeister Jürgen Kessing machte ihm allerdings wenig Hoffnung darauf, dass es so kommen könnte. Die Festlegung sei Ländersache, und Bayern und Baden-Württemberg, wo die Ferien am spätesten beginnen, wollten dies so.
Dieses Jahre habe man zudem den El-Nino-Effekt, der für hohe Temperaturen sorge, sagte Kessing weiter. Es sei zu hoffen, dass nicht jedes Jahr so heiß sei. Sollten auch weiterhin solche Hitzewellen auftreten, werde man aber über andere Tages- und Jahresabläufe nachdenken müssen.
