Bietigheim-Bissingen Olympisches Flair beim Landesfinale

Von Manuel Schust
Einen Extraapplaus erhielten die ehrenamtlichen Helfer und das Maskottchen „Young Star“. Foto: /Martin Kalb

Das Landesfinale von „Jugend trainiert für Olympia und Paralympics“ mit 3350 Schülerinnen und Schüler ist ein voller Erfolg. Findet das Event bald wieder in Bietigheim-Bissingen statt?

Alle Wege führten am Mittwochmorgen zur Ege-Trans-Arena. Für das Landesfinale von „Jugend trainiert für Olympia und Paralympics“ haben sich schon um 8 Uhr morgens etliche ehrenamtliche Helfer rund um die Bahnhöfe in Bietigheim und dem Ellental versammelt und weisen mit großen blauen Händen den aus ganz Baden-Württemberg ankommenden Teilnehmern den Weg zur Arena. Es werden auf den Straßen vereinzelt „Finale, Ooh Ooh“-Gesänge angestimmt, die man sonst nur aus großen Fußballarenen kennt. Und es wimmelt nur so von Schülergruppen in der Stadt. Denn teilweise sind nicht nur die sportlichen Teilnehmer, sondern ganze Klassen gemeinsam nach Bietigheim-Bissingen angereist.

Wettbewerb der Superlative

Schon vor der Eröffnungsfeier ist die Stimmung feierlich. Und das aus gutem Grund. Denn allen ist klar, dass ein ganz besonderer Tag bevorsteht, bei dem Sport, Spaß und der Gemeinschaftssinn im Vordergrund stehen.

Das seit 1969 ausgetragene „Jugend trainiert für Olympia und Paralympics“ ist der weltweit größte Schülerwettbewerb. Bundesweit haben 800.000 Teilnehmer aus 16 Bundesländern in diesem Jahr an den Wettkämpfen teilgenommen. Begleitet von etwa 600 Lehrkräften und Begleitpersonen sind am Mittwoch in Bietigheim-Bissingen die besten 3350 Schülerinnen und Schüler aus ganz Baden-Württemberg am Start. In 16 verschiedenen Sportarten messen sie sich, um den Landessieger zu küren. Zudem können die Siegerteams in zehn Wettbewerben das Ticket für das im Herbst ausgetragene Landesfinale in Berlin ergattern. Abgesehen von Beach-Volleyball, Golf, Hockey, Sportklettern (alle in Ludwigsburg) und Rudern (Marbach) können die Wettkämpfe in Basketball, Beachhandball, Fechten, Fußball, Handball, Judo, Leichtathletik, Radsport, Schwimmen, Tennis und der Rhythmischen Sportgymnastik allesamt in Bietigheim-Bissingen veranstaltet werden. Noch nie zuvor haben sich so viele Teilnehmer in einem Landesfinale gemessen.

„Es ist sogar ein Sonderzug von Stuttgart aus nach Bietigheim gefahren“, erzählt Gabriella Notaro von der Stiftung Sport in der Schule, die zum Organisationsteam gehört. „Es gab aber auch einzelne Schulen, die schon am Vortag angereist sind und im Hotel übernachtet haben.“ Andere Schulen haben auf den Reisebus gesetzt und sind teilweise gemeinsam gefahren.

Pünktlich zur Eröffnungsfeier sind alle Teilnehmer in der voll gefüllten Ege-Trans-Arena versammelt. Dort werden sie von Moderator Stefan Lubowitzki begrüßt und erleben zum Start eine spektakuläre Lichtshow samt Tanzshow von der Tanzschule Move it. Es ist anschließend Oberbürgermeister Jürgen Kessing und dem aus Pascal Müller, Gabriella Notaro, Verena Gebre und Jochen Fauth bestehendem Organisationsteam vorbehalten, auf einen symbolischen Startbuzzer zu drücken.

„Das ist eigentlich eine kleine Mini-Olympiade, die wir hier veranstalten“, zeigt sich Jürgen Kessing, Oberbürgermeister der Stadt Bietigheim Bissingen, im Gespräch begeistert. „Schon morgens konnte man viele aufgeregte, glückliche Gesichter sehen. Man erlebt es selten, dass bei einer Großveranstaltung von Anfang an bei allen eine so positive Grundstimmung vorhanden ist.“

Reibungsloser Ablauf

Dass alles so reibungslos funktioniert, liegt neben der guten Planung des Orga-Teams vor allem an den ehrenamtlichen Helfern. Die stammen vom Ellentalgymnasium, der Waldschule Bissingen und der Aurain-Realschule.

Auch als die Teilnehmer in einzelnen Gruppen die Ege-Trans-Arena verlassen und sich auf den Weg zu den Sportstätten machen, wirkt alles sehr geordnet. „Mit der Ege-Trans-Arena als zentralen Anlaufpunkt und den anderen Sportplätzen außenrum sind es die Spiele der kurzen Wege“, bringt es Oberbürgermeister Kessing auf den Punkt.

Die Handballer bleiben als einzige Sportler in der Arena. Justus (16) und Tobi (17) vom Karlsruher Otto-Hahn-Gymnasium nehmen für ihre Schule am Handballwettbewerb teil. Auch wenn sie ihr Auftaktspiel verlieren, sind beide vom Event begeistert. „Es ist allein deshalb etwas Besonderes, weil man in der Arena spielt. Die kenne ich sonst nur als Zuschauer“, erzählt Tobi. „Für uns ist es ein absolutes Highlight, hier teilzunehmen“, betont Justus. „Nicht nur weil das Event olympischen Charakter hat, sondern weil das Spielniveau hoch ist.“

Auch bei den Radwettbewerben auf der Pumptrack-Bahn ist die Stimmung gut. Andreas Schulz-Weiling vom Hoptbühlgymnasium aus Villingen-Schwenningen ist mit Schülern der von ihm geleiteten Bike-AG vor Ort. „Wir sind um 6.30 Uhr heute morgen von der Schule aus losgefahren“, erzählt er. „Für die Schüler und alle Beteiligten ist das ein unvergessliches Ereignis.“

Pascal Müller hatte als Landeskoordinator von „Jugend trainiert“ die Idee dafür, das Landesfinale in Bietigheim-Bissingen auszutragen. Nach eindreiviertel Jahren Planungsphase zeigt er sich erleichtert darüber, dass alles so gut läuft: „Ich neige ja dazu tiefzustapeln, aber es läuft alles super bisher“, sagt er. „Das große Landesfinale ist ein historisches Ereignis für den Schulsport in Baden-Württemberg. Wir danken der Stadt Bietigheim-Bissingen, insbesondere Oberbürgermeister Jürgen Kessing sowie unserem Hauptsponsor, der Wiedeking Stiftung, und allen weiteren Sponsoren für die außergewöhnliche Unterstützung.“

Erneute Austragung denkbar

Bei so viel gegenseitigem Lob und positiver Bilanz liegt die Frage nahe, ob die Stadt Bietigheim-Bissingen das Landesfinale künftig nicht öfter austragen könnte. „Da muss man sicher drüber reden“, erklärt Oberbürgermeister Kessing. „Wenn man das dauerhaft finanziell absichern kann, dann könnte ich mir schon vorstellen, das alle zwei bis drei Jahre die Stadt Austragungsort sein könnte.“

Bei der gemeinsamen Abschlussveranstaltung kommen am Abend alle Teilnehmer nochmals zusammen in die Ege-Trans-Arena. Vor vollen Rängen wird das Finale im Handball ausgetragen. Egal ob man am Ende des Tages zu den sportlichen Siegern zählt: gewonnen haben irgendwie doch alle.

 
 
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