Bietigheim-Bissingen Pfarrer bringt Leuten das Sparen bei

Von Uwe Mollenkopf

Die neue Ausstellung im Hornmoldhaus informiert auch über Johann Friedrich Flattich. Der Seelsorger entwickelte in seiner Zeit in Metterzimmern Grundsätze des Wirtschaftens.

Er war ein gesuchter Prediger, wurde durch seinen lebensnahen Ansatz, seinen humorvollen Charakter und seine praktische Pädagogik bekannt: Der Pfarrer Johann Friedrich Flattich (1713 bis 1797) gilt als einer der bekanntesten Seelsorger im Gebiet des heutigen Kreis Ludwigsburg. Mit seinen „Hausregeln“ gab er Tipps für eine bescheidene Lebensführung – deshalb fehlt sein Name auch nicht in der vor Kurzem eröffneten Ausstellung im Hornmoldhaus zu Spardosen und ihrer Geschichte.

Denn ein Blickwinkel der Schau richtet sich speziell auf die sprichwörtliche schwäbische Sparsamkeit. Deren Entstehung liegt laut Museumsleiterin Dr. Catharina Raible in der großen Not begründet, die im 19. Jahrhundert in Württemberg herrschte. Genau damit sah sich auch der in Beihingen geborene Johann Friedrich Flattich konfrontiert, als er nach dem theologischen Studium sowie Stationen in Hoheneck und auf dem Hohenasperg – wo er Gefängnisprediger war – im Jahr 1747 eine Pfarrstelle in Metterzimmern antrat. Er habe „alda viele schlechte Haußhälter und Bettelleute angetroffen“, erinnerte er sich später, wie Andreas Walter in seiner Chronik über den Ort dokumentiert hat. „Da die Obrigkeit sich dazu nicht wolte brauchen laßen und die armen Leute mich dauerten, so mußte ich viele Beobachtungen machen, wie ich den armen Leuten nach ihren besonderen Umständen im Haußen rathen und sie aufmuntern möchte“, schildert Flattich die Situation, die er in Metterzimmern vorfand.

Verantwortliches „Hausen“

Auch der Ort selbst stand damals nicht gut da. Die Kirchengemeinde hatte Schulden beim Bürgermeister, dessen Gemeinde mangelte es ebenfalls an Geld. Laut Walter musste 1750 sogar die sogenannte Weiberzeche ausfallen – ein Brauch, bei dem den Frauen einmal jährlich auf Kosten der Gemeinde Wein ausgeschenkt und Brot gereicht wurde.

Um den Leuten, insbesondere auch Frauen, Tipps für ein verantwortliches „Hausen“, das heißt Wohnen unter den damaligen Bedingungen, geben zu können, kaufte der Pfarrer Weinberge, deren Bewirtschaftung er einem Wengerter überließ. Er beobachtete dessen Haushaltung und Lebensstil, um herauszufinden, wo die Probleme im Dorf lagen. Er kam zu dem Ergebnis, dass der Mann sich und seine Familie nur ein halbes Jahr selbst versorgen konnte, dann brauchte er den Lohn des Pfarrers, berichtet Walter. Der Pfarrer verfasste vor diesem Hintergrund seine Hausregeln, in denen er Ratschläge für sparsames Wirtschaften gab. Diese gab später einer seiner Söhne heraus, und sie wurden im 19. Jahrhundert in zahlreichen Auflagen gedruckt.

Die Ratschläge beinhalteten unter anderem das Rechnen in Einnahmen und Ausgaben mit einem Haushaltsbuch und Tipps für den richtigen Umgang mit Geld. Der pietistische Pfarrer förderte die Sparsamkeit, indem er lehrte, die materiellen Bedürfnisse zu begrenzen. So riet er etwa, sich sparsam zu kleiden. Flattichs Motto, so sein Biograf Hermann Ehmer: Wenn man wenig brauche, müsse man wenig erwerben und sich umso weniger Sorgen machen.

1760 Wechsel nach Münchingen

Flattich selbst lebte dies vor, indem er ebenfalls einen einfachen Lebensstil pflegte. Aus seinen Anregungen sollten schließlich Haushaltsschulen gegründet werden, außerdem lebten seine Gedanken in der Schuldnerberatung der Diakonie weiter.

Obwohl er versprochen hatte, sein Leben lang in Metterzimmern zu bleiben, wechselte Flattich 1760 auf eine gut besoldete Pfarrstelle in Münchingen, wo er bis zu seinem Tod 1797 wirkte. In einem Brief von 1784, den Andreas Walter zitiert, zeigte er sich nun auch mit den Bewohnern Metterzimmerns zufrieden. Diese hätten keine Schulden gemacht und keinen Mangel gelitten, heißt es darin.

 
 
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