Bietigheim-Bissingen Pfarrerwohnung wird zu offenem Raum

Von Yannik Schuster
Johannes Schockenhoff und Angela Knödler in der renovierten ehemaligen Pfarrerwohnung der katholischen Kirchengemeinde Sankt Laurentius. Foto: /Oliver Bürkle

Die katholische Kirchengemeinde St. Laurentius will damit auch Menschen aus der Zivilbevölkerung ansprechen. Unter anderem wird ein Spielzimmer auf Zeit angeboten.

Die katholische Kirchengemeinde Sankt Laurentius hat derzeit keinen eigenen Pfarrer, die Strukturen der katholischen Gemeinden in der Region befinden sich im Wandel (die BZ berichtete). In der Praxis führte dies dazu, dass die ehemalige Wohnung des Pfarrers im Pfarrhaus leer stand. Im Kirchengemeinderat stellte man sich deshalb die Frage: Was tun mit den Räumlichkeiten?

Eine leichte Entscheidung sei das nicht gewesen, immerhin hätte man die Wohnung auch vermieten können, sagt Johannes Schockenhoff, Vorsitzender des Kirchengremiums. Doch stattdessen habe man sich dazu entschieden, die Wohnung zu renovieren und als offenen Raum für Gemeindemitglieder und darüber hinaus Interessierte zur Verfügung zu stellen. Diese Nutzung ergänze sich dabei mit der Sozialberatungsstelle „KomLab“, die zwei Büroräume in der Wohnung angemietet hat und somit für eine Grundauslastung sorgt, sagt Schockenhoff.

Für 70.000 Euro renoviert

Anders als so mancher Jugendraum, der im Keller untergebracht ist, wollte man einen offenen und ansprechenden Raum schaffen, in dem man sich wohlfühle. Für rund 70.000 Euro habe man die Wohnung dafür in den vergangenen Sommerferien renoviert, unter anderem eine neue Küche und ein neues Bad eingebaut. Voll möbliert kommt die 109 Quadratmeter große Wohnung daher, für die Gestaltung zeichnet Angela Knödler verantwortlich. Seit vergangenem Sommer werden die Räumlichkeiten genutzt, angesetzt ist das Projekt zunächst auf zweieinhalb Jahre.

So habe sich in der Kirchengemeinde bereits ein Strickkreis gebildet, den es ohne den Raum wohl nie gegeben hätte. Und ein gemeinsames Weißwurstfrühstück nach dem Gottesdienst habe man angeboten. Auch war vor kurzem der Vorsitzende der israelitischen Glaubensgemeinschaft Stuttgart zu einer Veranstaltung da. Doch der offene Raum soll ökumenisch sein und auch von der Zivilgesellschaft genutzt werden können, betont Schockenhoff. Die Sozialberatung „KomLab“ habe schließlich auch keinen kirchlichen Hintergrund. „Wir wollen als Gemeinde damit auch nach außen wirken.“ Andere Räume, etwa das Gemeindehaus, würden in dieser Hinsicht eher Distanz schaffen, weil sie vornehmlich von einem kirchennahen Publikum genutzt würden, sagt Schockenhoff.

Ideen sind willkommen

Wer eine Idee für eine Veranstaltung hat oder den Raum gemeinsam mit einer Gruppe nutzen möchte, soll im Pfarrbüro anrufen, dann spreche man gemeinsam über Möglichkeiten der Umsetzung. Miete erhebt die Kirchengemeinde dafür nicht. Seit der Eröffnung des Raumes habe es etwa bereits ein gemeinsames Foodsharing-Kochen gegeben, Buchlesungen, Adventssingen oder aber ein Tandem Café des Vereins Female Fellows.

Ein Projekt hat die Kirchengemeinde selbst im Sinn: Mit Unterstützung der Wiedeking-Stiftung und in Zusammenarbeit mit dem Familienbüro der Stadt Bietigheim-Bissingen soll aus der Wohnung immer samstags von 10 bis 15 Uhr ein Spielzimmer auf Zeit werden. Die Idee dahinter ist, getrennt lebenden Elternteilen, die keine Wohnung in Bietigheim-Bissingen haben, einen Raum zu geben, in dem sie mit ihrem Kind Zeit verbringen können. Eine passende Spielecke hat man dafür bereits eingerichtet, Mitglieder der Gemeinde haben so manches Spielzeug dafür gespendet. Nun gehe es darum, potenzielle Nutzer anzusprechen.

Was nach den zunächst zweieinhalb Jahren Projektphase aus den Räumlichkeiten wird, steht indes noch nicht fest. Bei der Renovierung habe man allerdings darauf geachtet, dass die Wohnung künftig auch wieder ganz regulär vermietet werden könnte. „Vielleicht zieht ja auch mal wieder ein Pfarrer ein“, sagt Schockenhoff, der aber gleichzeitig klarstellt: „Wenn es gut läuft, werden wir es nicht zu machen.“

 
 
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