Bietigheim-Bissingen Plage in Stadt: Kann Taubenhaus die Lösung sein?

Von Petra Neset-Ruppert
Das Ehepaar Tobias und Nina Bögner kümmert sich ehrenamtlich um Bietigheims Tauben. Zuhause haben sie sogar eine kleine Vogelvoliere, in der sie die Tiere aufpäppeln. ⇥ Foto: Helmut Pangerl

Taubenretter fordern  einen Taubenschlag von der Stadt Bietigheim-Bissingen. Diese zweifelt jedoch an der Wirksamkeit und verweist auf das Fütterungsverbot.

Sie werden die Ratten der Lüfte genannt, sind aber auch ein Zeichen des Friedens und der Liebe. Tauben, für die einen sind sie lästig und dreckig, für die anderen sind sie Tiere, die geschützt werden müssen. In Bietigheim-Bissingen gibt es mehrere Privatpersonen, die sich um das Wohl und die Gesundheit dieser Tiere sorgen und von der Stadtverwaltung einen Taubenschlag fordern.

„Um die hundert Tauben sichere ich pro Jahr in Bietigheim“, erzählt Nina Bögner. Gemeinsam mit ihrem Mann Tobias Bögner ist sie in Bietigheim-Bissingen unterwegs und kümmert sich um die Tauben. Sie päppelt Küken, die zu früh aus dem Nest gefallen sind auf, bringt verletzte Tauben zum Tierarzt und tauscht Taubeneier gegen Gipseier aus.

Forderung fast zwei Jahre alt

Bereits seit Juni 2020 ist das Ehepaar immer wieder in Kontakt mit der Stadt. Sie fordern von OB Jürgen Kessing mindestens einen Taubenschlag. Vorzugsweise am Bahnhof. Dort sei die Situation der Tiere besonders dramatisch, denn es gäbe keine Möglichkeit die Eier der Tiere dort zu tauschen.

Die Stadtverwaltung äußert sich dazu so: „Wir haben in Bietigheim-Bissingen durchaus ein Problem mit der zunehmenden Taubenpopulation. Das hat mit der zunehmenden Fütterung der Tauben durch einige Taubenfreunde zu tun.“ Von der Wirksamkeit von Taubenschlägen ist die Stadt nicht überzeugt: „Taubenschläge einzurichten ist bisher für uns keine Option. Die Erfahrungen anderer Kommunen, die wir abgefragt haben, zeigen leider keine positiven Wirkungen auf die Taubenpopulation. Zudem sind Taubenschläge sehr arbeitsintensiv“, so Anette Hochmuth vom Presseamt der Stadt Bietigheim-Bissingen. Gerade am Bahnhof fehlte auch schlicht der Platz um einen Taubenschlag aufzustellen.

Bahnhof ist Problem

Doch gerade hier sei die Situation besonders dramatisch. Das Ehepaar Bögner schätzt, dass mindestens 400 Tauben unter der Bahnbrücke, die über die Stuttgarter Straße führt, und auf dem naheliegenden Brachgelände der DLW leben. „Hier unter der Brücke ist es besonders schwierig. Häufig fallen Jungtiere aus dem Nest, landen auf der Straße und werden überfahren“, erzählt die 35-jährige Nina Bögner.

Trotz Nägeln, die auf den Vorsätzen unter der Brücke angebracht sind, hält das die Tauben nicht davon ab dort zu brüten. Auch die Stadt ist sich der Tatsache bewusst, dass Vergrämungsmaßnahmen nicht viel bringen: „Da Tauben grundsätzlich sehr standorttreu sind, gelingt dies nur, wenn zugleich durch Absperrungen und ähnliches die Tauben von den früheren Plätzen vertrieben werden können und auch keine Ausweichquartiere zur Verfügung stehen.“

Sind Fütterungen Problem?

„Durch Aushungern erreicht man nicht, dass weniger gelegt wird. Die Taube ist ein Haustier geblieben, dass ungeachtet der Umstände einen ungebrochenen Brutzwang hat“, sagt Gunja Treiber, die Bietigheimerin kümmert sich gemeinsam mit dem Ehepaar Bögner um Tauben. Sie ist der Meinung, dass nur durch die Kontrolle in einem Taubenschlag die Möglichkeit besteht die Population effektiv einzudämmen.

Dr Rainer Ertel, ehemaliger Bundesvorsitzender des NABU, ist auch der Meinung, dass Taubenhäuser ein hilfreiches Mittel sein können, um die Taubenpopulation einzudämmen. „Allerdings muss das dann auch vernünftig gemacht werden. Mit einer Art Antibabypille, die die Tier über das Futter erhalten, kann die Eierproduktion reduziert werden“, so Ertel. Allerdings stellt er fest: „Kein Futter bedeutet weniger Eier. Das ist Fakt. Allerdings sind Tauben Allesfresser und nicht auf eine bestimmte Nahrung angewiesen.“ Gezielte Fütterungen könnten allerdings dazu führen, dass sich in einem bestimmten Bereich mehr Tauben ansiedeln.

Taubenretter machen weiter

„Nicht jeder muss Tauben lieben, aber jeder sollte das Problem verstehen. Die Tauben legen so viele Eier, weil der Mensch sie domestiziert hat“, betont Tobias Bögner. Er und die anderen ehrenamtlichen Taubenschützer hoffen, dass die Stadt doch noch einen Taubenschlag aufstellt.

„Wir wären auch bereit das ehrenamtlich zu begleiten und vor Ort mitzuhelfen. Wahrscheinlich könnte sich die Stadt damit auch einige Kosten sparen“, erklärt Bögner.

Wie hoch die Kosten für Vergrämung und Reinigung auf Grund des Taubenkots jährlich tatsächlich sind, kann die Stadt jedoch nicht beziffern: „Kosten für die Reinigung beziehungsweise. für das Anbringen von Netzen und Nägeln werden nicht separat erfasst“, so das Presseamt.

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