Bietigheim-Bissingen Plötzlich ein Funkmast in der Nähe

Von Uwe Mollenkopf
Der Stein des Anstoßes: Der Mobilfunkmast am Ortsausgang von Bietigheim-Buch. Foto: /Oliver Bürkle

Eine Anlage des Telekommunikationsunternehmens Telefónica, die sich auf Freiberger Markung befindet, sorgt für Ärger bei den Anwohnern in Bietigheim-Buch.

Für Irritationen im Wohngebiet Buch, am Ortsrand Richtung Freiberg, hat ein Bauvorhaben von Telefónica Deutschland gesorgt. Dort erhebt sich seit Kurzem auf der Nordseite der Freiberger Straße ein 35 Meter hoher Mobilfunkmast, direkt hinter der Markungsgrenze, auf Freiberger Gebiet. Der Bau der Anlage sei „ohne jegliche Information“ der Anlieger geschehen, ärgert sich Julia Groß, die in der Wilhelmhofstraße wohnt. Anderen Bewohnern in der Straße gehe es ähnlich.

Großer Unmut bei Anwohnern

Wenn Julia Groß Richtung Brandholz schaut, blickt sie nun auf den Mobilfunkmasten. Sie frage sich, warum der Mast nicht näher an den Wald herangerückt worden sei oder warum man ihn nicht auf einem Hochhaus angebracht habe. Anderen Anliegern mache die Strahlung Sorgen, die möglicherweise von der Anlage ausgehe. „Der Unmut ist sehr groß“, fasst Julia Groß die Stimmung vor Ort zusammen. Man fühle sich „massiv beeinträchtigt“.

Die Baugenehmigung durch die Stadt Freiberg war im März dieses Jahres erteilt worden. Die Kritik der Anwohner richtet sich aber besonders an die Bietigheim-Bissinger Stadtverwaltung wegen fehlender Informationen. Zudem habe die Stadt auch keine Einwände gegen das Vorhaben in unmittelbarer Nachbarschaft erhoben, so Julia Groß nach Sichtung der Unterlagen zur Baugenehmigung der Stadt Freiberg. „Die Stadt ist hier nicht beteiligt“, sagt hingegen Anette Hochmuth, die Sprecherin der Stadt Bietigheim-Bissingen. Daher habe es auch keine Informationen gegeben.

Beteiligt war indes das Landratsamt Ludwigsburg, da der Standort des Mobilfunkmasten auf Freiberger Markung innerhalb des Landschaftsschutzgebietes „Enztal zwischen Bietigheim und Besigheim mit Rossert, Brachberg, Abendberg und Hirschberg sowie Galgenfeld, Forst und Brandholz mit Umgebung“ liegt. Laut Sprecherin Caren Klatt wurden alternative Standorte durch den Betreiber nachweislich geprüft und seien nicht verfügbar.

Öffentliches Interesse da

Die vorwiegend landwirtschaftlich genutzte Umgebung des Vorhabens werde nicht als Erholungsraum genutzt. „Da das öffentliche Interesse an einem flächendeckenden Netzausbau zur Versorgung mit Telekommunikationsdienstleistungen nach Einschätzung der unteren Naturschutzbehörde das öffentliche Interesse am Naturschutz und der Landschaftspflege hier überwiegt, konnte das Einvernehmen zur erforderlichen Befreiung im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens erteilt werden“, begründet Klatt die Zustimmung aus dem Kreishaus zu der Mobilfunkanlage im Gebiet Buch.

Wie Kenza El Fassi vom Bauherren, dem Unternehmen Telefónica Deutschland, auf BZ-Anfrage mitteilt, betreibt dieses im Landkreis Ludwigsburg insgesamt rund 140 Mobilfunkstandorte, welche die Kunden mit dem O2-Netz versorgen. „Den Netzausbau im Landkreis treiben wir kontinuierlich voran“, so die Sprecherin, wozu auch der Bau der neuen Anlage am Ortsausgang von Bietigheim-Bissingen auf Freiberger Markung diene. Dieser Mobilfunkstandort sei nötig, um die Versorgung im angrenzenden Wohngebiet zu verbessern.

Für die Errichtung des 35-Mater-Masten ist der Funkturmbetreiber ATC Germany im Auftrag von O2 Telefónica zuständig. Die Installation der Mobilfunktechnik geschieht durch Mitarbeiter von Telefónica. „Wir planen, den Mobilfunkmast 2026 vollumfänglich in Betrieb nehmen zu können, um unsere Kundinnen und Kunden mit 2G/GSM, 4G/LTE und schnellem 5G-Netz zu versorgen“, sagt Kenza El Fassi.

Bescheinigung der Netzagentur

Mit im Boot ist auch die Bundesnetzagentur. In Deutschland dürfe eine ortsfeste Funkanlage mit einer Strahlungsleistung von 10 Watt EIRP (Äquivalente isotrope Strahlungsleistung) und mehr (zum Beispiel Mobilfunkbasisstationen) nur dann in Betrieb genommen werden, wenn die Netzagentur in einem Standortverfahren die Einhaltung der zulässigen Grenzwerte zum Schutz von Personen in elektromagnetischen Feldern sichergestellt habe, erläutert Sprecherin Nadia Affani. Jeder Funkanlagenstandort werde anhand der vorgelegten Antragsdaten (Aufbauort, technische Daten und mehr) bewertet.

Für den genannten Mast sei am 24. Januar 2024 eine Standortbescheinigung erteilt worden, so Affani. Dadurch sei die Einhaltung der Grenzwerte überall dort sichergestellt, wo sich Personen aufhalten könnten. „Pauschale Abstände zu Wohnbebauung sind daher nicht notwendig“, so die Sprecherin.

Auch Anwohnerin Julia Groß ist klar, dass man den Mast wohl nicht verhindern könne. Aber zumindest könne dieser vielleicht verschönert werden, meint sie. Ihrem Ärger wollen die Anlieger nun in einem Schreiben an die Stadt Bietigheim-Bissingen Luft machen.

 
 
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