Das, was die Menschen ertragen konnten, ist jetzt erreicht. Wir dürfen die Leute unterwegs nicht verlieren“, sagt Bietigheim-Bissingens Baubürgermeister Michael Wolf bei einer Baustellenführung am Freitag. Er wisse, dass die aktuellen Verkehrsbehinderungen quer durch Bietigheim-Bissingen durch die Mammutbaustelle auf der B 27 nur noch schwer zu ertragen seien. „Jetzt gibt es eine kurze Atempause, aber dann geht es nächstes Jahr wieder weiter“, kündigte er an.
Bietigheim-Bissingen Poststräßle wird erst im April wieder befahrbar sein
Die Stützwand entlang der B 27 wird in Rekordzeit errichtet. Aber das für die Baustelle zuständige Regierungspräsidium hat auch schlechte Nachrichten.
Positives und Negatives
Eigentlich war es ein Pressetermin, um den raschen Baufortschritt der neuen Stützwand entlang der B 27 bei der Firma Valeo zu demonstrieren (siehe Foto und Infobox). Doch Andreas Klein, Leiter des für die B 27-Baustelle zuständigen Baureferats West im Regierungspräsidium Stuttgart, teilte in diesem Rahmen auch mit: „2026 geht’s weiter mit der Baustelle.“ Das ist per se nun keine Überraschung. Dass sich die Arbeiten, vor allem auch im Bereich Auwiesenbrücke, auch im neuen Jahr weiter die Hauptader der Stadt entlangziehen, war bekannt.
Jedoch können, so Klein, Arbeiten an der Stuttgarter Straße zwischen der Wilhelm- und der Dammstraße nun auch nicht bis Dezember 2025 abgeschlossen werden. Der Bauabschnitt sei kritisch, weil dort viele Leitungen im Boden liegen – von einigen habe man gar nicht gewusst. Das halte den Baustellenfortschritt auf. Auch die Unmöglichkeit, den Fuß- und Radweg komplett zu schließen, führe zu Verzögerungen. Partiell sei der Straßenbau fertig, es fehlen jedoch die Leitungsarbeiten und andersherum. Auch wenn ohne Winterpause ab Januar weitergearbeitet wird, kann der Bereich um die Dammstraße erst im Mai abgeschlossen werden. Der Bereich um das Fast-Food-Restaurant McDonald’s bleibt also auch im neuen Jahr weiterhin das Nadelöhr für den Verkehr. Die gute Nachricht: Die B 27 stadtauswärts wird noch vor Weihnachten fertig.
Am Bahnhof muss nur noch eines durchgestanden werden: Die Bahnhofskreuzung wird zwischen dem 12. und 15. Dezember komplett gesperrt. Das tangiert laut Klein zwar nicht den Verkehr auf der B 27, aber den Verkehr vom Bahnhofsvorplatz kommend, also vor allem Linienbusse.
Was sicherlich viele enttäuschen wird: Das Poststräßle, die Verbindungsstraße zwischen Bahnhof und Einrichtungshaus Hofmeister, bleibt auch noch bis etwa April unpassierbar. Selbes gilt für die Freiberger Straße. Daraus wiederum ergibt sich eine Verzögerung der Sanierung der Geisinger Straße. Denn erst wenn das Krankenhaus wieder über das Poststräßle angefahren werden kann, kann die Geisinger Straße in Angriff genommen werden.
Freigabe bis zum Pferdemarkt
Die Auwiesenbrücke, die in der zweiten Jahreshälfte 2026 saniert werden soll, beschreibt Klein als „kritischen Bereich.“ Man merke bei einer solchen Sanierung erst, welche wichtige Bedeutung Brücken hätten. „Ziel ist, dass die Brücke bis zum Pferdemarkt wieder freigegeben ist“, sagt Klein.
Hätte man denn nicht zumindest ein Jahr pausieren können, bevor es weitergeht mit dem Baustellenmarathon? Da ist Andreas Klein eindeutig: „Nein.“ Denn künftig werde die Bundesregierung den Fokus auf Brückensanierungen legen. Aufgrund der Fördergelder sei es deshalb wichtig, jetzt die Themen im Straßenbau durchzuziehen und keine Pause einzulegen.
Neue Stützwand entsteht im Rekordtempo
Die Firma Mauthe-Beton errichtet entlang der B 27 bei der Firma Valeo innerhalb von nur zwei, höchstens drei Wochen im sogenannten Redi-Rock-Stützwandsystem eine 186 Meter lange Fertigteil-Block-Schwergewichtswand aus etwa 1000 Einzelsteinen, die an ihrer höchsten Stelle vier Meter misst. Die Fertigteile wurden in 42-Lkw-Ladungen vom Produktionsstandort der Firma in Aitrach im Allgäu angeliefert und bilden eine Ansichtsfläche von 520 Quadratmetern. „Wir wollten eine Stadteinfahrt gestalten, die freundlich ist“, sagt Baubürgermeister Michael Wolf, daher habe man sich für die Natursteinoptik entschieden. Die Steine sind aber aus reinem Beton. Der Geschäftsführer der Firma Mauthe-Beton, Johannes Klotzek, war beim Vor-Ort-Termin dabei und beschrieb die Vorzüge dieser Bauart: „Es geht schnell und ist einfach.“ Es gibt einen Verlegeplan, die Bauteile sind nummeriert. Mit einem Kran werden die Steine in die richtige Position gehoben und von den Mitarbeitern in die richtige Position gebracht. Durch Halbkugeln und runde Aussparungen, die wie eine Nut-Feder-Verbindung greifen, sind die Teile wie Spielzeugsteine zusammensteckbar. „Es ist kein Verkleben, kein Verfugen nötig, es hält in sich“, so Klotzek. Theoretisch könnten die Steine wieder auseinandergebaut und an anderer Stelle zusammengesteckt werden. Nächsten Freitag soll die Wand fertig sein, die dann laut Klotzek „die aktuell größte solche Mauer im deutschen Raum ist.“
