Bietigheim-Bissingen Premiere des Enztown-Festivals

Von Helga Spannhake
Die Band Kara Orman beim ersten Enztown Festival in Bietigheim. Foto: /Oliver Bürkle

Die Premiere des Enztown Festival mit lokalen Bands und Infoständen lud zum Tanzen, aber auch zum Austausch ein. Wegen des Regens begann die Veranstaltung später als geplant.

Was am Wochenende der Christopher Street Day in Berlin und Stuttgart war, das war für Bietigheim-Bissingen das neue Enztown Festival im Bissinger Wiesental: Musik, Gemeinschaft und eine klare Haltung gegen rechtsextreme Hetze, Ausgrenzung sowie antidemokratische Stimmen. In der Stadt wurde ein starkes Zeichen gesetzt für Demokratie, Vielfalt und Solidarität.

Mit Verspätung gestartet

Doch pünktlich zum Beginn öffneten sich alle Himmelsschleusen. Es schüttete aus Kübeln vom Himmel und daher begann das Enztown Festival erst mit einer halbstündigen Verspätung. Oberbürgermeister Jürgen Kessing meinte anschließend in seiner Rede schmunzelnd, dass das Wetter nun nicht mehr schlechter werden könne, und er freute sich über diese Initiative: „Ich danke den Veranstaltern ganz herzlich, weil sie zeigen, wie vielfältig und stark unsere Stadt in und mit den demokratischen Werten verankert ist. Dafür gebührt ihnen der allergrößte Respekt“, sagte er unter einsetzendem Applaus.

Waren anfangs nur wenige Menschen auf der matschigen Wiese vor der großen Bühne zu finden, so floss der Regen beständig ab, während sich das Gelände nach und nach füllte. Ob mit Kinderwagen oder bereits im Seniorenalter, das neue Enztown Festival mobilisierte die Menschen quer durch alle Altersgruppen.

Reaktivierung des Wiesentals

In der Tradition der „Rock-gegen-Rechts“-Konzerte hatte das Organisationsteam mit und um Daniel Behrens unermüdlich geplant, Netzwerke ausgebaut und so bis hin zu den Gewerkschaften viele mit ins Boot geholt. Bewusst positionierte sich das Enztown Festival als eine Plattform für ein starkes Bekenntnis zu Demokratie, Vielfalt und Toleranz.

Obwohl zunächst ein anderer Veranstaltungsort anvisiert worden war, freute sich Daniel Behrens, dass das Wiesental reaktiviert wurde: „Das ist eine super Location hier und passt auch gut zum 50-jährigen Stadtjubiläum von Bietigheim-Bissingen“, erklärte er. Ehrenamtlich und lokal ausgerichtet mit lokalen Bands und starken Stimmen – das kam beim Publikum gut an.

Da wurde unter großen Schirmen auf den Bierbänken gegessen, gesprochen und der Musik gelauscht.

Vor der Bühne wagten sich zunächst nur wenige und dann doch immer mehr zur Musik zu tanzen: „Wir spielen noch einen Song“, war da auch schon von der Bühne und der gerade auftretenden Band Fairies with Fangs aus Stuttgart zu hören. Mit lautem Klatschen wurden sie anschließend verabschiedet und machten Platz für die FKA Crew and Friends, dem legendären Handmade-Rap aus Bietigheim und Sachsenheim.

Zwischen den einzelnen Musikacts standen zusätzlich kurze Reden auf dem Programm. So machte der Stuttgarter Gewerkschaftssekretär Peter Schadt aufmerksam auf problematische Abschiebungen, aktuelle Streiks in der Region, widrige Arbeitsbedingungen sowie den problematischen Niedriglohnsektor, aber auch auf gewerkschaftliche Solidarität. Außerdem verwies er auf die Notwendigkeit solcher Festivals zum Austausch und der Möglichkeit kritische Gedanken formulieren zu können.

Kritische Gedanken

Zum regen Austausch trugen ebenfalls die Infostände bei. Vertreten waren die Parteien Die Linke und Die Grünen, die Arbeiterjugend SDAJ, aber auch Vereine wie Foodsharing Ludwigsburg. Sie hatten ein Quiz für Kinder vorbereitet zum Thema Lebensmittel und wie man sie vor dem Wegwerfen retten kann.

Neben den Springen durch die vorhandenen Pfützen auf dem Festivalgelände hatten die kleinen Festivalbesucher außerdem noch viel Spaß auf der frisch abgetrockneten großen weißen Hüpfburg und wer nach dem Herumlaufen hungrig geworden war, der konnte sich Falafel, Steak im Brötchen, ungarischen Lángos oder auch einen Garnelenspieß schmecken lassen.

 
 
- Anzeige -