Bietigheim-Bissingen Projektleitung vor der eigenen Haustür

Von Yannik Schuster
Sven Kofink auf „seiner“ Baustelle – der Bundesstraße 27. Der gebürtige Bietigheim-Bissinger plant und koordiniert als Projektleiter die Bauarbeiten. Foto: /Martin Kalb

Sven Kofink ist verantwortlich für die aktuelle Sanierung der B 27. Für den gebürtigen Bietigheimer ist es etwas besonderes, in der eigenen Stadt mitwirken zu können.

Sven Kofink heißt der Mann, über den sich in den vergangenen Wochen womöglich schon so manch Autofahrer geärgert haben dürfte – und das ohne seinen Namen zu kennen. Denn Kofink ist Projektleiter der aktuell laufenden Sanierung der B 27 und als solcher verantwortlich für die Planung und Ausführung der Bauarbeiten. Was vermutlich die wenigsten Wissen: Der 29-Jährige ist selbst gebürtiger Bietigheimer und lebt bereits sein ganzes Leben in der Stadt an Enz und Metter.

Das habe auch dazu beigetragen, das ihm die Rolle als Bauleiter für die Sanierung zuteil wurde, sagt der Stellvertretende Referatsleiter des Baureferats West des Regierungspräsidiums Stuttgart, Nico Beck. Das und sein eigenes Engagement in der Sache: „Ich wollte das Projekt haben“, sagt Kofink, der im vergangenen Jahr noch verantwortlich für die mehrmonatige Fahrbahnsanierung der B 27 zwischen Kirchheim und Lauffen zeichnete. „Es ist schön, in der eigenen Stadt mitwirken zu können“, beschreibt Kofink den Reiz an dem Projekt vor der eigenen Haustür.

Kritische Stimmen sind verstummt

Im Vorfeld der Bauarbeiten sei er häufig kritisch gefragt worden, wer das alles geplant habe, mittlerweile komme das aber kaum noch vor – auch, weil der Verkehr nicht so schlecht fließe, wie weitläufig angenommen, sagt Kofink. Einzig den ein oder anderen flapsigen Kommentar seiner Nachbarn müsse er sich weiter anhören.

In seiner Rolle als Projektleiter koordiniert Kofink die Belange aller am Bau beteiligten Parteien: „Ich versuche so gut es geht, alle Beteiligten glücklich zu machen, vom Anwohner über den Autofahrer bis zur Baufirma.“ Im Winter saß er dabei die meiste Zeit im Büro und war mit der Planung beschäftigt, während den Bauarbeiten arbeitet er von seinem Baucontainer aus. Dann ist der 29-Jährige auch mal auf der Baustelle zugange und macht Bilder, begutachtet den Baufortschritt oder reagiert spontan auf unvorhersehbare Probleme, die laut Kofink nahezu täglich auftreten würden: „Jedes Mal, wenn ich das Gefühl habe es läuft, kommt wieder ein Haken. Man ist Problemlöser.“

Viele Unwägbarkeiten habe man mittlerweile klären können, doch immer noch würden regelmäßig neue Fragestellungen auf seinem Tisch landen. So auch kurz vor dem Gesprächstermin mit der BZ, als ihm Bauarbeiter berichteten, sie seien bei Grabungen auf Fels gestoßen. Oft grübelt Kofink dann auch abends noch über die Arbeit, auch wenn das mit zunehmender Erfahrung im Beruf, nachgelassen habe.

Etwas Greifbares schaffen – auch ohne eigene Handarbeit

Tatsächlich mit anpacken kann Kofink in seiner Rolle als Projektleiter nicht, auch wenn er nach eigener Aussage die handwerkliche Arbeit manchmal vermisse. „Ich sage bewusst nicht: ‚Ich habe gebaut’. Das machen die Männer, die täglich an der Baustelle arbeiten.“ Nichtsdestotrotz schwärmt der Bietigheimer von seiner Arbeit beim Regierungspräsidium: „Es macht Spaß, etwas Greifbares zu schaffen.“

Dabei hatte der 29-Jährige als Kind noch ganz andere Pläne, wollte Meeresbiologe oder Forstwart werden. Durch eine Reihe von Zufällen sei er schließlich in der Branche gelandet, absolvierte seine Ausbildung zum Straßenwärter und später zum Straßenmeister, ehe er ins Baureferat des Regierungspräsidiums wechselte.

Vor zwei Jahren war er schon ein Stück weit involviert, als der Fahrbahnbelag im Bereich der B 27/Porschekreuzung erneuert wurde. Seine bis dato größten Projekte seien jedoch die Sanierungen zwischen Kirchheim und Lauffen sowie das aktuelle Vorhaben in Bietigheim-Bissingen. „Ich will die Herausforderung suchen, daran wachsen und daraus lernen. Deshalb mag ich große Projekte, bei denen ich gefordert werde, mir Gedanken machen muss und auch mal in Stress verfalle“, sagt Kofink.

Ob er selbst schon einmal vom Stau durch seine Baustelle genervt war? Tatsächlich habe auch er selbst schon länger zwischen Freiberg und dem Stadtteil Buch im Verkehr festgehangen. Das sei in dieser Hinsicht noch das größte „Problem-Eck“. Sonst führe in der Arbeitsweg immerhin nur ins Zentrum des Staus, sagt Kofink.

 
 
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