Bietigheim-Bissingen Rathausfassade mit Tücken

Von Yannik Schuster
Siegmund Dürr vom Hochbauamt zeigt bei einer Baustellenführung, was sich hinter dem Putz verbirgt: Ein Fachwerkbau, der jedoch an einigen Stellen Schäden aufweist. Foto: /Oliver Bürkle

Siegmund Dürr vom Hochbauamt erklärt, welche Herausforderungen bei der Sanierung bewältigt werden müssen. Aktuell wird der alte Putz vorsichtig abgetragen.

Wer in den vergangenen Wochen in der Bietigheimer Altstadt unterwegs war, wird festgestellt haben, dass das Rathaus in einen Schleier gehüllt und eingerüstet ist: Die denkmalgeschützte Fassade des Verwaltungssitzes wird derzeit saniert (die BZ berichtete). Und auch wenn es so aussehe, als gehe es nur schleppend voran, sei man doch fleißig, versichert Siegmund Dürr vom Hochbauamt gegenüber der BZ bei einer exklusiven Baustellenführung.

Tatsächlich bereite man die Sanierung schon seit über drei Jahren vor, allerdings mussten zunächst verschiedene Auflagen des Landesdenkmalamts erfüllt werden. Unter anderem gehörte dazu ein detailliertes Aufmaß des Gebäudes mit einer Drohne. „Das ist so detailliert, dass man darauf erkennen könnte, wo eine Mücke auf der Fassade sitzt“, sagt Dürr. Nachdem der Putz sorgfältig entfernt wurde, wird ein erneutes Aufmaß angefertigt. Mithilfe von schwarz-weißen Messpunkten, die auf einigen Fenstern des Rathauses angebracht sind, können beide Aufmaße schließlich übereinander gelegt und damit ein genaues Schadensbild des freigelegten Fachwerks erstellt werden.

Vorsicht geboten

Aktuell klopfe man Stück für Stück den bestehenden Putz ab. Dabei sei höchste Vorsicht geboten, schließlich soll das darunter liegende Fachwerk nicht weiter beschädigt werden. Deshalb arbeite man ausschließlich mit Handwerkern zusammen, die Erfahrung im Denkmalschutzbereich aufweisen, versichert Dürr. Jeder einzelne Handwerker muss seine Arbeit zusätzlich fortlaufend dokumentieren. Eine Herausforderung liege bei der Entfernung des Putzes darin, dass dieser an manchen Stellen sechs Zentimeter dick ist, die Putzstärke einen halben Meter weiter dann jedoch plötzlich zwei Zentimeter beträgt und an wieder anderen Stellen sogar bis zu zwölf Zentimeter. Bei einer früheren Sanierung habe man versucht; die Versätze zwischen Stockwerken auszugleichen und so glatte Kanten zu schaffen.

Durch das Eigengewicht des Putzes hätten sich über die Zeit Risse am gesamten Gebäude gebildet. In diese wiederum dringt Wasser ein. Auf Dauer wird der Putz so ausgehöhlt und verliert seine Haftung. An manchen Stellen der Fassade hatte sich so bereits vor der Sanierung der Putz gelöst. „Je länger wir warten, desto größer werden die Folgeschäden“, sagt Dürr.

Knapp 1,6 Millionen Euro sind für die Sanierung eingeplant, ob dieses Summe ausreicht, könne Dürr indes erst sagen, wenn der gesamte Putz abgetragen wurde und die Schäden am Fachwerk sichtbar sind.

Bis Ende Herbst soll dann der neue Grundputz auf die Fassade aufgetragen werden, damit dieser über den Winter ruhen kann. Aber auch das ist bei einem Fachwerkhaus kein einfaches Unterfangen. Siegmund Dürr erklärt: „Ein Fachwerkhaus arbeitet immer. Der Putz muss diese Bewegungen mitmachen, darf aber nicht direkt mit dem Fachwerk sondern nur mit den Ausfachungen verbunden sein.“

Farbgestaltung bleibt

Wiedererkennen wird man das Bietigheimer Rathaus nach Abschluss der Arbeiten wieder, eine Auflage des Landesdenkmalamtes ist es, die bestehende Farbgestaltung beizubehalten. Anders als bisher werde man Stockwerkversätze jedoch nicht mehr rund ausputzen, sondern künftig wieder das Holzprofil zeigen. „Ich finde, wenn ein Fachwerkhaus verputzt wird, sollte man trotzdem noch erkennen, dass es ein Fachwerkhaus ist“, sagt Dürr.

Für das Hochbauamt beschränken sich die Arbeiten aber nicht auf die Fassadenwände. Auch Dekorationselemente müssen saniert werden. So wird die Rathausuhr mitsamt dem sogenannten „Raucher“, einer Holzskulptur unmittelbar unter dem Ziffernblatt, abgenommen und die bestehenden Holzschäden repariert.

Die gesamte Sanierung soll bis August 2026 abgeschlossen sein.

 
 
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