Großeinsatz auf der Bissinger Wörthbrücke am vergangenen Dienstag: Ein Verkehrsunfall zwischen einem Pkw und einem Lkw – das Auto bleibt in Seitenlage hinter der Brücke am Hang liegen, zwei Personen sind einmal darin und einmal darunter eingeklemmt. Der Lkw kommt von der Fahrbahn ab, durchbricht das Geländer der Brücke und stürzt in die Enz. Der Fahrer ist eingeklemmt und eingeschlossen, kommt aufgrund des Wasserdrucks nicht aus der Kabine.
Bietigheim-Bissingen Retter treffen bei Großübung auf gereizte Autofahrer
Beide Züge der Feuerwehr Bietigheim-Bissingen probten zusammen mit der DLRG an der Wörthbrücke eine Wasserrettung in der Enz.
Hupkonzert begrüßt die Einsatzkräfte
Das Schreckensszenario einer Übung, das bei der Feuerwehr Bietigheim-Bissingen um 19.45 Uhr den Alarm angehen ließ, sorgte bei ihrem Eintreffen vor Ort für Unmut: Als das Großaufgebot der Feuerwehr anrollt und eilig die Brücke gesperrt wird, entbrennt ein Hupkonzert der Autofahrer, die schon auf der Brücke sind. „Im Moment sind die Nerven der Autofahrer in Bietigheim-Bissingen gereizt“, weiß Kommandant Frank Wallesch, durch die Baustelle an der B 27: „Wenn man dann noch irgendwo eine Umleitung gefunden hat und da dann noch mal ein Hindernis ist…“ Nur: Eigentlich wissen die Autofahrer nicht, dass es sich hier „nur“ um eine Übung handelt.
Die Personen in der Fahrerkabine des Lkw, durch das bereits das schlammige Wasser der Enz strömte, und die Person unter dem Pkw sind Stoffpuppen. Bei der gemeinsamen Übung wollten die Freiwillige Feuerwehr und die DLRG wie schon im vergangenen Jahr ihre Zusammenarbeit trainieren. Insgesamt nahmen 53 Einsatzkräfte der Feuerwehr teil, von der DLRG sind es 27, in insgesamt elf Fahrzeugen.
Man teilte sich deshalb in drei Einsatzabschnitte auf: einmal auf der Brücke, dann beim Pkw an der Böschung und zur Abstimmung mit der DLRG am Ufer der Enz.
Lage ist noch komplizierter als erwartet
Vor Ort stellten die Einsatzkräfte fest, dass die Lage noch komplizierter war: Der Beifahrer des Lkw wurde in der Enz abgetrieben. Und es kam noch zu einem weiteren Zwischenfall, als mehrere Spaziergänger vor dem verunfallten Lkw flüchteten und ebenfalls in die Enz fielen. Die Personen, so das Szenario, trieben im Hochwasser ab, konnten sich aber ans Ufer retten, das jedoch nicht zugänglich war. Die Einsatzkräfte der DLRG sprangen also in die Anzüge und nach wenigen Minuten war der Taucher am Lkw, der „Fahrer“ wurde durch die offenen Scheiben geborgen.
Meistens werde das eine Leichenbergung, wenn der Fahrer sich nicht selbst befreien könne, weiß Kommandant Wallesch: Unter zehn Minuten könne man kaum anrücken, und da gehe der Sauerstoff aus. Zum Glück passiere das selten und die meisten Bergungen in der Enz seien Personen, die in den Fluss gefallen sind, ohne im Auto festzustecken.
Während die DLRG im Wasser war, wurde der Kran des großen Wechselladerfahrzeugs (WLF) 32K ausgefahren und hob das DLRG-Boot über das Geländer hinab ins Wasser. Damit wurde der Beifahrer gesucht und es wurden die in den Fluss gefallenen Passanten am Ufer gerettet. Mit dem Boot wäre man im Ernstfall wahrscheinlich schneller an dem Wrack im Wasser – „aber wenn es ans Tauchen und die Menschenrettung aus dem Wasser geht, ist es gut, die DLRG dabeizuhaben. Die haben Strömungsretter, die genau darauf spezialisiert sind“, sagt Wallesch.
Drehleiter stößt fast gegen den DLRG-Bus
In der Zwischenzeit war der Pkw angehoben und die darunter eingeklemmte Person geborgen worden. Im Ernstfall entscheidet der Notarzt nach der Schwere der Verletzungen, welche Person zuerst gerettet wird: die darunter oder die darin.
Und da man bei Übungen auch gern Neues ausprobiert, so der Kommandant, fuhr man auch die Drehleiter aus – allerdings nicht nach oben, wie üblich, sondern von der Brücke hinab, bis der Korb knapp über dem Wasser stand. Es funktionierte – allerdings habe man schon gelernt, dass dicht daneben kein Fahrzeug stehen dürfe: die Drehleiter stieß nach hinten fast gegen den DLRG-Bus. Solche wichtigen Kleinigkeiten lerne man bei der Übung, unterstrich Kommandant Wallesch.
Eine ursprünglich geplante Flachseilbrücke wurde schließlich nicht aufgebaut, da sich sonst die Übung noch weiter in die Länge gezogen hätte, was das DLRG vermeiden wollte. Eine knappe Stunde nach der Alarmierung war dann alles vorbei: Lkw-Führerhaus und Pkw wurden mit dem Kran auf einen Laster verladen, das DLRG-Boot kehrte vollbesetzt zurück und die Sperrung der Brücke wurde aufgehoben: Die Autos konnten wieder rollen.
