Bietigheim-Bissingen Schätze aus dem Stadtmuseum gerettet

Von Yannik Schuster
Der Abrollbehälter Kulturgutschutz ist in Ludwigsburg stationiert und kommt in ganz Baden-Württemberg zum Einsatz. Hier wurde er für eine Übung in die Bietigheimer Altstadt gebracht. Foto: /Oliver Bürkle

Bei einer Übung in der Bietigheimer Altstadt hat die Feuerwehr einen Einsatz im Hornmoldhaus geprobt.

Normalerweise steht bei Feuerwehrübungen die Rettung von Personen und das Löschen des Brandes im Vordergrund. Am Montagabend ging es in Bietigheim-Bissingen allerdings um eine andere Art der Rettung. Gegen 19.45 Uhr rückten insgesamt acht Einsatzfahrzeuge mit 34 Einsatzkräften in den engen Gassen der Altstadt an. Das Szenario: Im Stadtmuseum Hornmoldhaus brennt es, die Einsatzkräfte müssen vom Feuer verschonte Kunstwerke und Kulturgüter aus dem Museum bergen. 

Mit dabei: Der Abrollbehälter Kulturgutschutz des Landesarchivs Baden-Württemberg, positioniert zwischen Hornmoldhaus und Stadtkirche. Seit 2024 ist der Container in Ludwigsburg stationiert, wo auch das Institut für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut des Landesarchivs ansässig ist. Referatsleiter Benjamin Zech erklärt, dass der Notfallcontainer einem Kölner Prototypen nachempfunden ist, welcher wiederum auf den Erfahrungen basiert, die beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs im Jahr 2009 gemacht wurden. Von Ludwigsburg aus kommt der 250.000 Euro teure Container in ganz Baden-Württemberg zum Einsatz, bislang glücklicherweise nur unter Übungsbedingungen.

Kulturgüter werden geborgen

Vor Ort geht der Einsatz los: Die Feuerwehr schließt ihre Schläuche an die Wasserversorgung an und beginnt, das imaginäre Feuer zu löschen. Gleichzeitig betreten einige der Einsatzkräfte mit Gasmasken ausgestattet das Gebäude. Es dauert nicht lange, ehe sie eine vorab präparierte Attrappe des Bietigheimer Weinregisters aus dem Hornmoldhaus tragen, später folgt eine Samurai-Rüstung. Beide Kulturgüter werden direkt den Fachleuten übergeben, die im Container die Erstversorgung durchführen können. In dem Abrollbehälter können geborgene Kulturgüter triagiert, gereinigt, falls notwendig eingefroren, dokumentiert und sicher verpackt werden, sodass die Erfolgschancen einer späteren Restauration erhöht werden. Im Container selbst wird wenig restauriert, vielmehr gehe es um eine Stabilisierung des Materials. „Nach 48 Stunden beginnt die Schimmelbildung. Das wäre das Worst-Case-Szenario“, sagt Zech. Ausgestattet ist der Notfallcontainer mit einem Strom- und Wasseranschluss, Werkzeugen, Reinigungsgeräten, Schutzkleidung und allerlei Verpackungsmaterialien.

Für Feuerwehrkommandant Frank Wallesch stand eben jener Abrollbehälter im Mittelpunkt der Übung. „Ich wusste nur, dass wir einen haben, aber nicht, was er kann.“ Aus Feuerwehrperspektive verlief die Übung reibungslos, sagt Wallesch, auch wenn das Hornmoldhaus so einige Tücken aufweise. Die Enge der Altstadt mache etwa ein ausgeklügeltes Raummanagement notwendig, sodass Einsatzfahrzeuge sich nicht gegenseitig im Weg stünden. Anders als bei Neubauten bestehen große Teile des Gebäudes aus Holz und seien deshalb schnell einsturzgefährdet. Darüber hinaus gelte es aufgrund der engen Bebauung in der Altstadt, zu verhindern, dass das Feuer auf angrenzende Gebäude überspringt. Und schließlich gelte es dann zu schauen, welche Museumsstücke noch zu retten seien, erklärt Wallesch.

Weinregister hätte Priorität

Auf vorab angefertigten Listen seien besonders schützenswerte Güter mit ihren Standorten im Museum verortet, sodass die Feuerwehr auch mitten in der Nacht, wenn keine Fachleute des Museum vor Ort sind, eine Orientierungshilfe haben. Im Falle eines realen Notfalls im Hornmoldhaus würde demnach etwa ein Hauptaugenmerk auf dem Weinregister, das seit 1550 aufbewahrt und vom jeweiligen Oberbürgermeister fortgeschrieben wird, liegen, sagt Wallesch. „Ich möchte nicht bei einem Einsatz stehen und da sind Werte, die sich nicht beziffern lassen“, sagt der Kommandant.

Bereits 2022 gab es im Stadtmuseum Hornmoldhaus eine Ausstellung zu den beiden großen Stadtbränden, die die Bietigheimer Altstadt 1721 und 1921 verwüsteten. In diesem Zuge kam auch die Idee einer Übung für Museumsgebäude und Kulturgut zustande, sagt Museumsleiterin Dr. Catharina Raible.

 
 
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