Der Start erfolgte mit Verzögerung. Eigentlich sollte das Berufliche Gymnasium (BG) in Bietigheim-Bissingen schon im Schuljahr 1974/75 zur Eröffnung des neuen Berufsschulzentrums im Fischerpfad eingeführt werden, dies musste dann aber wegen unzureichender Lehrerversorgung um ein Jahr verschoben werden. Somit war 1975/76 das erste Schuljahr der neuen Schulart mit ihren beiden Fachrichtungen Wirtschaftsgymnasium (WG) und Technisches Gymnasium (TG) und man kann in diesem Jahr auf 50 Schuljahre zurückblicken.
Bietigheim-Bissingen Schule legt großen Wert auf Praxisnähe
Das Berufliche Gymnasium in Bietigheim-Bissingen blickt inzwischen auf 50 Schuljahre zurück.
„Wenn es das Berufliche Gymnasium nicht bereits gäbe, müsste man es erfinden“, sagt Stefan Ranzinger, der Leiter des Beruflichen Schulzentrums Bietigheim-Bissingen (BSZ). Das Besondere an dieser gymnasialen Schulart, die 1966 in Baden-Württemberg aus der Taufe gehoben wurde, sei es, dass sie einerseits zur Allgemeine Hochschulreife führt und gleichzeitig einen beruflichen beziehungsweise fachlichen Schwerpunkt setzt. Schüler erhalten eine praxisnahe und fachspezifische Vorbereitung auf das Studium.
Sozialer Aufstieg wird ermöglicht
Das Berufliche Gymnasium steht laut Ranzinger insbesondere auch für die Durchlässigkeit des deutschen Bildungssystems, indem es einen sozialen Aufstieg nach zehn Jahren Schule vom mittleren zum höheren Bildungsabschluss ermögliche. Es sei eine „Chancenschule“, sagt der Schulleiter, was sich auch daran zeige, dass der Anteil der Eltern mit akademischem Abschluss bei BG-Schülern signifikant geringer sei als beim allgemeinbildenden Gymnasium. Und: Es gebe viele Nationalitäten unter einem Dach, im WG betrage die Quote von Schülern mit Migrationshintergrund 25 Prozent, schildert Ranzinger. Auch der Anteil der Familien, in denen zu Hause kein Deutsch gesprochen werde, liege deutlich über den Zahlen am allgemeinbildenden Gymnasium.
Eine weitere Besonderheit: Alle Profilfachlehrkräfte am WG und TG haben einen berufspraktischen Hintergrund, sei es Meister oder Diplom. Die meisten haben auch in der freien Wirtschaft gearbeitet, so Ranzinger.
Ergänzt um weitere Profile
Nach der Einführung stieg die Nachfrage nach der neuen Schulart in Bietigheim über die Jahre immer stärker an, sodass ein kontinuierlicher Ausbau erfolgte: Von zunächst zwei Klassen zu Beginn (je eine im WG und TG) bis zu sechs Eingangsklassen (WG und TG je drei). Ab den 2000er-Jahren gab es eine Differenzierung in verschiedene Profile. So wurde 2001/02 das neue TG „Informations- und Kommunikationstechnik“ eingeführt. 2007/08 folgten das TG „Technik und Management“ sowie „Mechatronik“, ebenso das neue WG „Internationale Wirtschaft“ und „Finanzmanagement“. Letzteres wurde allerdings nach drei Jahren mangels Nachfrage wieder in ein „normales“ WG „Wirtschaft“ umgewandelt.
Im Schuljahr 2012/13 ging im BSZ das neue sechsjährige Technische Gymnasium an den Start, das laut Ranzinger von Beginn an zweizügig und damit zahlenmäßig stärkster Standort in Baden-Württemberg war. Aufgrund des 6TG gebe es im Oberstufen-TG (Klassen 11 bis 13) stabile Schülerzahlen trotz eines landesweit relativ starken Schülerrückgangs in dieser Schulart.
Mehr als 500 Schüler
Insgesamt hat das Berufliche Gymnasium in Bietigheim mehr als 500 Schüler. Es gehöre damit zahlenmäßig zu den „Top 10“ im Land mit insgesamt 220 Standorten, sagt Ranzinger. Seit der Einführung 1975/76 haben rund 8000 Schüler mit mittlerem Bildungsabschluss die Chance genutzt, hier das Abitur zu erwerben.
