Das Busunternehmen Spillmann gehört zu Bietigheim-Bissingen wie das Enzviadukt oder der Pferdemarkt. Vor 50 Jahren, am 27. August 1976, übergab Ernst Spillmann seine Unternehmensanteile an die Stiftung zur Förderung von sozialen Einrichtungen der Stadt.
Bietigheim-Bissingen Seit 50 Jahren in den Händen der Stadt
Am 27. August 1976 zog sich Ernst Spillmann aus dem gleichnamigen Busunternehmen zurück und übergab es an die Sozialstiftung der Stadt Bietigheim-Bissingen.
Seit 1942 hatte der damals 69-jährige „Omnibusunternehmer aus Passion“, wie die Bietigheimer Zeitung ihn damals betitelte, das Verkehrsunternehmen aufgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Ernst Spillmann am 28. Oktober 1949 die Genehmigung zur Wiederaufnahme des Stadtverkehrs, in dessen Folge sich der Omnibus als Bestandteil des öffentlichen Personennahverkehr vollends etablierte.
Ausbau des Liniennetzes
Am 17. August 1950 berichtete der Enz- und Metter-Bote, dass in Bönnigheim nun eine Buslinie genehmigt wurde. Dadurch gehe „ein lang gehegter Wunsch der Gemeinde in Erfüllung“, hieß es. Die Omnibusverbindung mit einem 40-Minuten-Takt von Bissingen zum Bahnhof wurde schließlich im Februar 1955 eingeführt. 1967 verlegte Spillmann seinen Unternehmenssitz in die Gustav-Rau-Straße. Das Liniennetz wurde auch in den Jahren danach kontinuierlich ausgebaut. Am 26. September 1971 fuhr der erste Spillmann-Bus von Bietigheim nach Kleinsachsenheim.
Im August 1976 schließlich gab Ernst Spillmann die Verantwortung für den zukünftigen Betrieb des Unternehmens ab – aus gesundheitlichen Gründen. Wohl auch weil die Stadt ihm einst als Starthilfe ein unverzinsliches Darlehen gewährte, übertrug er seine Anteile der städtischen Sozialstiftung. Zum damaligen Zeitpunkt umfasste der Fuhrpark 21 Reise- und Linienbusse. Die Arbeitsplätze konnten mit dieser Übergabe vollständig gesichert werden.
Ernst Spillmann schied in der Folge zwar aus der Geschäftsführung aus, war jedoch weiter in einem neu eingeführten Beirat zur Unterstützung der Geschäftsführung vertreten und brachte seine Expertise ein. Ebenfalls Teil dieses Beirats waren der Vorstand der Sozialstiftung, Lothar Späth, Oberbürgermeister Manfred List und Bürgermeister Helmut Himmelsbach. Neuer Geschäftsführer wurde Willi Ackermann, der bis dato zusammen mit Ernst Spillmann den Betrieb leitete. Im Alter von 72 Jahren starb Ernst Spillmann am 29. März 1980. 1998 wurde die Firma Omnibus-Verkehr-Spillmann GmbH schließlich in die Städtische Holding integriert, der sie bis heute als Tochtergesellschaft angehört.
In der Stadt verwurzelt
Heute umfasst der Fuhrpark der Firma Spillmann vier Reisebusse und 38 Linienbusse, die von insgesamt 75 Fahrern gesteuert werden. Pro Jahr werden circa 3,3 Millionen Fahrgäste befördert. Obwohl das Liniennetz des Busunternehmens geografisch überschaubar ist, entspricht die Strecke, die die Linienbusse im Jahr zurücklegen, etwa fünfmal der Entfernung von der Erde zum Mond. Spillmann-Geschäftsführer Bülent Menekse blickt heute stolz auf die Firmengeschichte zurück: „In zwei Jahren wird Spillmann 100 Jahre jung – und seit nunmehr 50 Jahren begleitet uns die städtische Sozialstiftung auf diesem Weg. Allein diese beiden Zahlen zeigen, wie tief unser Unternehmen in der Geschichte unserer Stadt verwurzelt ist.“ Außergewöhnlich sei die Verbindung eines Verkehrsunternehmens mit einer Sozialstiftung: „Eine Konstellation, die in dieser Form vermutlich einmalig in Deutschland ist. Sie verbindet Mobilität, kommunale Verantwortung und soziales Engagement auf ganz besondere Weise. Dass diese Verbindung nun bereits seit einem halben Jahrhundert besteht, ist für uns Anlass zu großer Freude und zugleich Verpflichtung, diese besondere Geschichte erfolgreich weiterzuführen“, so Menekse.
