Bietigheim-Bissingen Seit 50 Jahren Stimme des Sports

Von Walter Christ
Im August 1977 organisierte der Stadtverband für Sport einen Sporttag mit dem Bundestagsabgeordneten Günter Huonker, über den die BZ berichtete. Foto:  

Die Zahl der Mitglieder im Stadtverband ist von 7000 auf rund 17.700 in 40 Vereinen angestiegen. SVS-Gründer ist Hans Noller wegen der Sportstätten-Stagnation besorgt.

Den schlafenden Riesen geweckt“. So betitelte die Bietigheimer Zeitung einst die Gründung des Stadtverbandes für Sport Bietigheim-Bissingen e. V. Es war ein Schulterschluss von damals 23 Sportvereinen mit zusammen rund 7000 Mitgliedern, der am 17. November 1975 im Clubheim des FSV 08 Bissingen offiziell vollzogen wurde. Inzwischen ist die Zahl der Mitglieder auf fast 18.000 geradezu hochgeschnellt. Der SVS ist längst zu einer relevanten Institution mit vernehmbarer Stimme in der Stadt avanciert.

Die Sportler-Dachorganisation ist ein Kind des damaligen „Löwensteiner Kreises“. Dort regte 1973 Oberbürgermeister Manfred List bei einer Tagung die Liierung aller Vereine in der Stadt zu einem Gesamt-Verbund an. Sportkreisvorsitzender Richard Müller riet mit Beispiel Ludwigsburg jedoch eher zu fachbezogenen Gemeinschaften.

Ideale Führungskraft

Bald war mit Hans Noller, dem sportaffinen Sportstätten-Fachmann und einstigen TSV-Bietigheim-Vorsitzenden, auch schon die ideale Führungskraft gefunden. Die Maxime des anvisierten Stadtverbandes: Dem Sport und seinen Vereinen in politischen Gremien, im Rathaus und in der Bevölkerung endlich die Bedeutung zu verschaffen, die ihm zustehe.

Dass auch die Bissinger um beispielsweise Walter Nolle und Albert Scheuffele positiv reagierten, passte gut zum baldigen Zusammenschluss, auch zur Bietigheim-Bissinger Gesamtstadt. Hans Noller als SVS-Vorsitzender konnte zusammen mit seinen Stellvertretern Dr. Dietmar Klaper und Walter Nolle samt Ausschuss Ende des Jahres 1975 starten.

„Manfred List war dabei insbesondere auch für uns Sportler ein Glücksfall; ebenso die weiteren sportfreundlichen Leute wie Helmut Himmelsbach, Kurt Leibbrandt, Helmut Xander, Andreas Stein, Heinz Steidle, Hans Uli Karr und Stefan Benning“, kommentierte Noller den „vorbildlich gemeinsam“ gemeisterten Spurt aus dem kommunalen Abseits.

Was in den folgenden fünf Jahrzehnten geschah, war eine Fülle an Aktivitäten, die hier nur als aus einem Berg von Ordnern herausgepickte Beispiele skizziert werden können. Der Bogen reicht von Stellungnahmen zu Sportstätten-Leitplänen, wiederholten Forderungen nach Sportstätten und Fördergeldern, Modifizierungen der Richtlinien für die Sportlerehrungen, Klausuren und Vorträgen bis hin zu initiierten und auch organisierten sportlichen Großveranstaltungen. Zum Beispiel Wettkämpfe gegen die Sportler aus der Partnerstadt Sucy-en-Brie (1985), Internationales Handball-Turnier, Fußball-AH-Turnier mit Bundesliga-Klubs, Sportgalas, Berater-Aktivitäten zur SG BBM-Gründung oder etwa die temporäre Leitung des örtlichen Eishockey-Clubs beziehungsweise dessen Rettung vor dem drohenden Aus (1988/89). SVS-Ehrenpräsident Hans Noller erinnert sich im Gesamtblick auf den lokalen Sport auch an den früheren Bau der Sporteinrichtungen in Metterzimmern, das Sportzentrum im Buch oder etwa den Bau des Ellentalstadions mit Hilfe amerikanischer Pioniere.

Thema Regionale Großsporthalle

Unvergessen bleibt auch ihm das ausgesprochen haarige Thema Regionale Großsporthalle in den 1990er-Jahren. Ein letztlich gescheitertes Politikum ohnegleichen zwischen den Städten Ludwigsburg, Kornwestheim und Bietigheim-Bissingen. Aktuell sorgt sich Hans Noller, was die Entwicklung in Sachen Sportstätten in seiner Heimatstadt anbelangt. „Irgendwie ist der Faden gerissen, die Weiterentwicklung stockt, ausgerechnet der für Gesundheit und Sozialverhalten so wichtige Sport scheint mir immer mehr in den Bereich ,unter ferner liefen‘ abzudriften.“ Gerade auch im Blick auf die Bevölkerungszunahme und den Boom hin zu den Sportvereinen sei Manches wünschenswert, so Nollers Statement, bei dem er freilich auch betonte, dass er natürlich auch wisse, dass dazu das nötige Geld vorhanden sein müsse.

Wachstum der Vereine begrenzt

Nollers Nachfolger seit 2008, Günter Krähling, freut sich, dass der SVS dazu beigetragen habe, Bietigheim-Bissingen zur „Sportstadt“ zu entwickeln. Die Vereine könnten gute Sportstätten nutzen und würden durch die städtische Förderung in ihrer Kinder- und Jugendarbeit tatkräftig unterstützt. Das Wachstum der Vereine sei allerdings begrenzt durch die Verfügbarkeit von Trainingszeiten und qualifizierten ehrenamtlichen Übungsleiterinnen und Übungsleitern. „Der SVS wird weiterhin an Lösungen arbeiten, die es den Vereinen ermöglichen, die Nachfrage nach Angeboten im Leistungs-, Breiten- und Gesundheitssport für Kinder, Jugendliche, Ältere in der Gemeinschaft, aber auch im flexiblen Individualbereich abzudecken“, sagt Krähling.

Als Mittler zwischen Vereinen und Stadt werde der SVS das gute Miteinander fortführen. „Die Unterstützung des Sports ist zwar eine freiwillige Leistung der Stadt“, so der SVS-Chef abschließend, „aber ohne ein vielfältiges Angebot der Vereine verlieren wir an Lebensqualität.“ 

 
 
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