Bietigheim-Bissingen Seltene Schafe auf Weiden rund um Bietigheim unterwegs

Von Bigna Fink
Alexander Hiekel beim Füttern seiner ungarischen Zackelschafe auf einer Weide bei Besigheim, zuvorderst Leitschaf Gunni. Die korkenzieherartig gedrehten Hörner der Rasse sind weltweit einmalig. Foto: /Oliver Bürkle

Seit fünf Jahren lebt eine Herde Zackelschafe auf dem Wilhelmshof und im Umkreis von Bietigheim-Bissingen. Alexander Hiekel spricht über sein Hobby mit den bedrohten Nutztieren. 

Zögerlich kommen die Schafe auf ihren Halter zu, schließlich ist noch fremder Besuch dabei. Doch der Hafer lockt. Die wuscheligen Tiere blöken mit verschiedenen Stimmen ihr „Mäh“ und fressen die Körner sachte von der Hand. Alexander Hiekel, geborener Härle, hält die kleine Herde an ungarischen Zackelschafen seit fünf Jahren leidenschaftlich als Hobby. Auf dem Wilhelmshof nahe des Stadtteil Buch, wo er groß geworden ist, sind seine Tiere mit Stall und Weide zu Hause.

In den wärmeren Monaten leben sie auf Wiesen im Umkreis, aktuell auf einem Besigheimer Stückle. Die 24 Schafe gehören zu einer seltenen, vom Aussterben bedrohten Nutztierrasse, „urtümliche Tiere, die einzige verbliebene Schafrasse mit Schraubenhörnern weltweit“. Nur noch rund 3500 Exemplare davon soll es laut Schätzungen geben.

„Scheu, genügsam und robust“

Schafhalter Alexander Hiekel arbeitet in Affalterbach als Zimmermeister und lebt in Öhringen. Zweimal am Tag, morgens und abends, kommt der 36-Jährige zu seiner Herde. Er füllt Wasser in die Bottiche, schaut, ob alle fit sind, und gibt ihnen Kraftfutter. „Es entschleunigt unheimlich“, so Hiekel über sein Hobby.

„Mit Tierhaltung habe ich schon vieles durchprobiert“, sagt Hiekel lachend, etwa mit Tauben, Wachteln, Ziegen. „Ich bin auf dem Bauernhof aufgewachsen mit Hühnern, Katzen, Enten, Hasen, früher Milchvieh, dann Schweinen.“ Er habe das Leben auf dem elterlichen Betrieb mit all den Tieren genossen, erzählt er. Seit 2001 betreibt sein Vater auf dem Wilhelmshof eine Pferdepension mit Westernreitstall.

Eine TV-Dokumentation über einen Halter von Zwerg-Yaks und Zackelschafen auf einer Schweizer Bergalm hat Alexander Hiekel die Rasse näher gebracht, und fand sie so gleich „interessante Tiere“: Sehr scheu, genügsam und robust seien diese Herdentiere mit einem ausgeprägten Sozialverhalten. Seine wolligen Mitgeschöpfe erkennt er an ihrem Aussehen und Charakter. „Gunni und Freni sind die Leitschafe“, erklärt Hiekel, „sie kommen als erstes zum Füttern, reagieren sofort, wenn etwas passiert, bringen Ruhe rein.“ Auch eine „Marit“, eine „Ida“ und eine „Hilda“ sind mit dabei: Der Halter hat den erwachsenen Tieren der Herde, die aus zehn Mutterschafen, Bock „Ragna“ und 13 Lämmern besteht, skandinavische Namen gegeben. Ragna, „vom Gemüt her zurückhaltend“ ist der Größte und trägt die längsten Hörner.

Erstmals Zwillingslämmer

„Zackelschafe sind saisonal“, erklärt Hiekel. Das heißt, sie paaren sich nur vom Spätsommer bis in den Winter. Zwischen Februar und Mai „lammen“ die Muttertiere, wie das Gebären bei Schafen heißt. „Dieses Frühjahr gab es erstmals Zwillingsgeburten, und zwar gleich drei“, freut sich Hiekel. In ihrem Stammgehege auf dem Wilhelmshof „spielen die Lämmer, die alle ungefähr im gleichen Alter sind, wie im Kindergarten.“ Nun seien die Jungschafe weitgehend abgestillt.

Etwa zweieinhalb Wochen haben die Schafe eine Streuobstwiese mit Unterstand oberhalb von Besigheim beweidet, die Hiekel einst über das Internet-Portal Kleinanzeigen entdeckt hat. Der Rasen ist wie überall in der Region derzeit extrem trocken und bietet keine Nahrung für die Tiere – dafür Ruhe, Schattenplätze und viel Auslauf. Nun sind sie auf eine andere Fläche zwischen Besigheim und Löchgau gezogen.

Anschließend kommen die Tiere auf eine größere Wiese in Metterzimmern. Auch in Freiberg beweiden sie im Jahr mehrere große Flächen, sowie die Pferdekoppeln beim Wilhelmshof. Eine Chance sieht Hiekel im Beweiden unter PV-Freiflächenanlagen. Die eingezäunten Wiesen seien reich an Artenvielfalt und Schatten und böten Schutz vor Raubvögeln. Am Zaun hat der Tierhalter ein Infoschild zu der Herde befestigt. „Die Leute sind sehr an den Schafen interessiert“, sagt Hiekel, der Passanten gerne von seinen besonderen Tiere erzählt.

Wohlfühltemperatur ist niedrig

Wie viele alte Nutztierrassen seien die Zackelschafe sehr bedroht, so Hiekel. Denn anders als hochgezüchtete Schafe sei die Rasse nicht so ergiebig. „Es ist ein Dreinutzungsschaf“, erklärt der Hobbyhalter, wobei er weder Milch noch Fleisch nutzt, dafür etwas Wolle. Die Wohlfühltemperatur der Tiere liegt laut Hiekel bei sechs bis zehn Grad. „Wir scheren sehr früh im Jahr, im April, damit sie etwas Erleichterung haben.“ Bei Hitze suchen sie Schatten, fressen und bewegen sich weniger.

Etwas Wolle nutzt seine Familie Härle auf dem Hof als Dünger für Hochbeete und Blumentöpfe. „Wolle als Rohstoff hat an Bedeutung stark verloren,“ weiß Hiekel. Die raue Wolle gibt er umsonst zum Filzen ab, etwa für Hüte und Mäntel. Melken könne man die Schafe schon, „aber die Milch lasse ich den Lämmern.“

Schafe bitte nicht füttern

Auf der Infotafel am Zaun wird eindringlich gebeten, die Schafe nicht zu füttern. „Sie haben ein sehr empfindliches Verdauungssystem“, so Halter Alexander Hiekel. „Falsches Futter kann ihre Mägen für lange Zeit durcheinander bringen.“  

 
 
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