Bietigheim-Bissingen Sepsis: Eine unterschätzte Gefahr

Von Yannik Schuster
Bei Verdacht auf eine Sepsis kommt es auf eine möglichst zeitnahe Behandlung an. Je länger die Sepsis unerkannt bleibt, desto geringer die Chancen, sie zu überleben. Foto: Martin Kalb

Am Sonntag, 13. September, ist Welt-Sepsis-Tag. Dr. Christian Schlottke erklärt, was hinter der gefährlichen Diagnose steckt und welche Symptome man kennen sollte.

Am Sonntag, 13. September, ist der Welt-Sepsis-Tag. Dann steht eine Krankheit im Fokus, die umgangssprachlich auch als Blutvergiftung bekannt ist und die zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland zählt. Dr. Christian Schlottke, Ärztlicher Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie im RKH-Krankenhaus Bietigheim-Vaihingen erklärt, dass eine Sepsis immer dann entsteht, wenn eine Infektion sich körperweit ausbreitet. Am häufigsten gehe entstehe sie aus einer Lungenentzündung hervor, aber auch ein geplatzter Darm oder ein einfacher Katzenbiss können verheerende Auswirkungen haben. „Die Sepsis ist die schwerste Form einer Infektion. In der Regel sind dabei mehrere Organsysteme betroffen“, so Schlottke.

Schnelle Behandlung ist überlebenswichtig

So gefährlich sei die Sepsis dabei einerseits, weil eine möglichst zeitnahe Behandlung enorm wichtig ist, um das Leben des Patienten zu retten. Die Sepsis als solche zu erkennen, sei jedoch gar nicht so einfach, denn anders etwa als bei einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall weise sie keine eindeutigen Symptome auf. Indizien können jedoch eine plötzliche Verwirrtheit und Orientierungslosigkeit, Herzrasen oder ein niedriger Blutdruck gepaart mit einem extremen Krankheitsgefühl sein. In solchen Fällen sollte man schleunigst seinen Hausarzt oder einen Rettungsdienst kontaktieren. Im Krankenhaus lasse sich über eine Laboruntersuchung schnell in Erfahrung bringen, ob es sich um eine Sepsis handelt.

Ist dies der Fall, gehe es zunächst um eine Stabilisierung des Kreislaufs und eine anschließende Antibiotikum-Behandlung. Dazu müsse zunächst der Ursprung der Infektion in Erfahrung gebracht werden. Je länger es bis zur Diagnose dauere, desto schwerwiegender seien die Schäden an den Organen. Gerade dann könne eine Behandlung mehrere Wochen in Anspruch nehmen und die Sepsis auch Folgeschäden beim Patienten hervorrufen.

Ein erhöhtes Risiko tragen laut Schlottke einerseits ganz junge Patienten sowie ältere Menschen und all jene, deren Immunsystem bereits durch chronische Erkrankungen geschwächt seien.

Bis zu 200 Fälle pro Jahr in Bietigheim

Rund 150 bis 200 Sepsisfälle werden im Bietigheimer Krankenhaus jedes Jahr behandelt. Deutschlandweit werden jährlich zwischen 400 und 500.000 Fälle therapiert. Die Sterblichkeitsrate liege bei rund einem Drittel. Im internationalen Vergleich stehe Deutschland damit nicht besonders gut da, kritisiert Schlottke. Dabei sei das Thema nicht nur für die Kliniken wichtig, aus seiner Sicht handelt es sich um eine sektorenübergreifende Aufgabe. Aus diesem Grund wurde der Welt-Sepsis-Tag ins Leben gerufen.

Seit diesem Jahr gilt in deutschen Krankenhäusern eine neue Qualitätssicherung, die einen ausführlichen Nachweis jedes behandelten Patienten erfordert. Auch müssten alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Kliniken jedes Jahr neu geschult werden.

Doch all das, was vor der Einlieferung ins Krankenhaus geschieht, könne er nicht beeinflussen, sagt Schlottke. Hier seien Hausärzte, aber auch Rettungsdienste gefragt, die Symptome richtig zu deuten. Auch in Pflegeheimen sollten Mitarbeiter nach Ansicht Schlottkes geschult werden. Am Ende der Rechnung stünde schließlich auch ein volkswirtschaftlicher Schaden von mehreren Milliarden Euro.

 
 
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