Ein gut behangener Schlüsselbund baumelt an ihrer Hose, in ihrer Tasche hat sie stets ein Paar Handschuhe griffbereit: Leontine Mannsperger arbeitet seit knapp einem halben Jahr im Hornmoldhaus. Ihre Stelle wurde neu geschaffen – und sie war begehrt. Die 30-jährige Ludwigsburgerin musste sich gegen rund 70 Mitbewerber durchsetzen. Mittlerweile hat sie sich gut eingelebt. „Ich bin echt gerne hier. Es ist eine erfüllende Arbeit mit vielen verschiedenen Bereichen und einem tollen Team“, lobt sie. Leontine Mannsperger ist studierte Restauratorin, in Bietigheim-Bissingen ist sie die Herrin der Depots des Stadtmuseums Hornmoldhaus, sie ist Sammlungsmanagerin.
Bietigheim-Bissingen Sie ist im Hornmoldhaus die Hüterin der Dinge
Seit etwa einem halben Jahr gibt es im Stadtmuseum in Bietigheim-Bissingen eine Sammlungsmanagerin. Leontine Mannsperger gibt Einblicke in ihre Arbeit.
Spezialisierung auf Gemälde
Im Studium habe sie sich vor allem auf die Restaurierung von Gemälden spezialisiert, sprich Textil und Holz. Die Materialweite innerhalb der Depots des Stadtmuseums sei jedoch groß. Von Holz- und Plastikspielzeug über Kleidung und Dokumente bis hin zu Möbeln. Die Vielseitigkeit mache aber auch den Reiz aus, sagt Mannsperger. Was all diese Dinge gemeinsam haben: Sie sind aus Bietigheim-Bissingen und erzählen Geschichten über längst vergangene Tage und bewahren fast vergessene Erinnerungen.
Was viele nicht wissen: Bis vor Kurzem konnte man im Hornmoldhaus noch wohnen. Über der Hausmeisterwohnung gab es noch zwei kleine Wohnungen im vierten Stock. Vor etwa zwei Jahren sind die letzen Mieter ausgezogen. Derzeit ist Mannsperger mit ihrem Team dabei, diesen Wohnraum in Aufbewahrungsräume umzuwandeln, um den Dingen, die im Namen der Stadtgeschichte bewahrt werden sollen, einen Ort zu geben. So sind bereits Textildepots entstanden, in welchen zum Beispiel historische Kleidungsstücke ordnungsgemäß aufbewahrt werden können. Zum Teil werden sie hängend in Kleiderhussen verwahrt, zum Teil befinden sie sich liegend und in Seidenpapier eingewickelt in Regalen. Taschen und Schuhe getrennt von Kostümen, fein säuberlich beschriftet mit kleinen weißen Schildchen an roten Fäden.
Denn was mindestens genauso wichtig ist wie der Gegenstand selbst, ist die Geschichte dahinter. Buchstaben auf den Inventarisierungsschildchen sagen aus, ob es sich um einen einzelnen Gegenstand handelt oder gar um ein Konvolut, also mehrere, zusammengehörige Teile. Es sei sinnvoll, beieinander zu lagern, was zusammengehöre. „Die Geschichte der Objekte ist wichtig. Ohne sie ist die Bedeutsamkeit nicht klar“, sagt Mannsperger. Die Inventarisierungsbücher, in denen alle wichtigen Informationen stehen, werden in ihrem Büro aufbewahrt. Aktuell sei man dabei, die Informationen zu den Sammlungsstücken zu digitalisieren. Dafür werde „Museum digital“, die kostenlose Datenbank der Landesstelle für Museen Baden-Württemberg, genutzt. Welche Exponate über die Onlineabfrage gefunden werden können und damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, entscheidet das Hornmoldhaus selbst.
„Gute Depotlagerfläche ist so wichtig“, sagt Mannsperger. Dabei gebe es einiges zu beachten (siehe Infobox). Zum Hornmoldhaus gehören viele Depots, in denen unterschiedliche Dinge aufbewahrt werden. Manche dieser Räume werden gemeinsam mit dem Stadtarchiv oder der Städtischen Galerie genutzt. Manche wurden zusätzlich angemietet. Derzeit versuche das Hornmoldhaus angemietete Orte zu räumen, um einerseits Kosten zu sparen und andererseits die Exponate weniger verteilt aufbewahren zu können.
Bevor die Stelle der Sammlungsmanagerin geschaffen wurde, sei Museumsleiterin Dr. Catharina Raible auch für diese Aufgaben zuständig gewesen. Von einer Person sei das alles schlichtweg nicht zu schaffen, auch wenn zusätzlich freiberufliche Restauratoren für größere Instandsetzungen eingesetzt werden und studentische Hilfskräfte bei der Inventarisierung und Digitalisierung unterstützen, sagt Mannsperger. Vorerst ist die Stelle auf drei Jahre befristet, das Team um Museumsleiterin Raible hofft jedoch, dass die Stadt sich auch künftig die Sammlungsmanagerin bewahren möchte.
Es sei nicht zwingend notwendig, dass eine Restauratorin die Stelle bekleide, „ich sehe aber nur Vorteile darin“, sagt Mannsperger. Das Gespür für Materialien und der Umgang mit den Objekten sei essenziell. Und präventive Konservierung, die bei der dauerhaften Erhaltung von Kunst und Kulturgut stark auf die Umgebungsbedingungen achtet, spiele eine immer wichtigere Rolle in der modernen Museumsarbeit.
Was macht ein gutes Depot, eine gute Lagerfläche aus?
Raumklima Einerseits müsse der Raum trocken sein, sagt Sammlungsmanagerin Leontine Mannsperger. Jedoch müsse es auch möglich sein, Temperatur und Luftfeuchtigkeit einzustellen. Schwankungen seien etwa für Holz fatal – und davon hat das Stadtmuseum viel: antike Kommoden, Gebrauchsgegenstände, unterschiedlichste Spielsachen. Um das Raumklima realistisch einschätzen zu können, sei ein Monitoring über mindestens ein Jahr unerlässlich, sagt Mannsperger. Wenn man wisse, wie sich die Jahreszeiten auswirken, könne man gezielt entgegenwirken, etwa durch mobile Luftbefeuchter oder die Heizung.
Thematisch passende Führungen im Hornmoldhaus
Am Dienstag, 6. Januar, bietet die Restauratorin von 14.30 bis 16 Uhr eine Schaurestaurierung an. Am Sonntag, 8. Februar, wird von 13.30 bis 14.30 Uhr eine Führung aus Restauratorenperspektive zu den Malereien des Hornmoldhauses angeboten. Anmeldung empfohlen. Weitere Infos gibt’s unter www.stadtmuseum.bietigheim-bissingen.de
