Bietigheim-Bissingen Spardruck auf Berufsschulen enorm

Von Jörg Palitzsch
Sabine Haveneth, Oliver Schmider, Schulleiter Stefan Ranzinger, Andrea Theile-Stadelmann (von links) sorgen sich um die Entwicklung der Berufsschulen im Kreis. Der Kreistag will mit einem geschmälerten Budget für die Bildungseinrichtungen arbeiten. Foto: /Oliver Bürkle

Die Schulleiter der Berufsschulen zeigen wenig Verständnis für Empfehlungen zur Haushaltskonsolidierung des Kreises bei einem Pressegespräch in Bietigheim-Bissingen.

An den sechs Berufsschulen in der Trägerschaft des Landkreises werden derzeit rund 10.000 Schülerinnen und Schüler auf einen Beruf geschult und vorbereitet. Jedes Jahr werden so im besten Fall rund 3000 in den Arbeitsmarkt entlassen, im schlechtesten Fall fängt sie ein engmaschiges soziales Netz auf.

Ob die Berufsschulen ihre Aufgaben als Vermittler beruflicher und berufsübergreifender Lerninhalte, vertiefender Allgemeinbildung und der Vorbereitung auf das Berufsleben noch gerecht werden können? Der Geschäftsführer der sechs Berufsschulen, Oliver Schmider, hat hier seine Zweifel. Die Schulen seien zwar gut aufgestellt, gleichwohl bereiten die Empfehlungen der Haushaltskommission des Landkreises Sorge und stoßen auf Unverständnis, sagte er bei einem Pressegespräch im Beruflichen Schulzentrum Bietigheim-Bissingen, an dem Schulleiter Stefan Ranzinger, Schulleiterin Sabine Haveneth (Oscar-Walcker-Schule) und Schulleiterin Andrea Theile-Stadelmann (Carl-Schaefer-Schule) teilnahmen.

Spardruck ist enorm

Die Empfehlungen zur Haushaltskonsolidierung des Kreises wurden jüngst vorgelegt (die BZ berichtete). Insgesamt hat der Kreistag 471 Handlungsempfehlungen auf den Weg gebracht. In Summe sollen mit dem XXL-Sparplan 43 Millionen Euro plus 22 Millionen Euro durch eine einmalige Umwidmung für die Kliniken reservierten Mitteln eingespart werden. Davon sind auch die Berufsschulen betroffen. Ranzinger hofft, dies werde nicht 1:1 ungesetzt, man müsse „in Gespräche kommen.“ Er verwies auf den Innovationsdruck, dem die Berufsschule, anders als die allgemeinbildenden Schulen, unterliegen. So arbeite man mit vielen Unternehmen zusammen, da könne man Lehrinhalte in der Schule nicht an veralteten Maschinen vermitteln. Der Spardruck auf die Schulen sei enorm, ergänzte Schmider.

Bei der Durchsicht der Handlungsempfehlungen zeigen sich viele Einsparvorschläge, die den Berufsschulen den Lehrauftrag erschweren. Etwa 500.000 Euro bei der Digitalisierung, Software soll nicht oder verzögert eingeführt werden. „Dabei müssen die Fachschüler weiter als die Unternehmen sein“, so Andrea Theile-Stadelmann. Die Priorisierung beim Lehrmittelbedarf soll rund 478.000 Euro bringen. Es sind aber auch die „kleineren“ Beträge, wie etwa 30.000 Euro für Sicherheitsschuhe, die der Landkreis für Schüler, nicht Azubis, streichen will.

Sparen bei Verbrauchsmaterial

Die Einsparungen bei den Sachleistungen kann Sabine Haveneth nicht nachvollziehen. So brauche man etwa im Musikinstrumentenbau Holz und in den anderen Bereichen wie Bau- und Farbtechnik ebenfalls Verbrauchsmaterial.

Die Schulen treffen ebenso die geplanten Reduzierungen bei der Bauunterhaltung in allen kreiseigenen Gebäuden (Einsparung zwei Millionen Euro) und die Reduzierung der Reinigungsdienstleistungen (Einsparungen 243.000 Euro). Dabei habe die Schulumgebung eine Auswirkung auf das Lernverhalten der Schüler. Zu dem gebe es eine Tendenz zum Vandalismus, so Haveneth. Schulleiter Ranzinger brachte die sich abzeichnende finanzielle Misere auf einen griffigen Punkt. Habe man bislang beim Landkreis die benötigten Mittel angemeldet – und auch erhalten – bekomme man jetzt ein um rund 40 Prozent gekürztes Budget.

Stichwort Budget. Im Investitionsprogramm 2025 bis 2029 des Landkreises ging die Finanzplanung 2025 von 49 Millionen Euro aus, neu sind nur noch 20 Millionen Euro. Diese Reduzierung hat massive Auswirkungen. Schon im nächsten Jahr gibt es für die Schulen eine pauschale Reduzierung von zwei Millionen Euro, dies bedeutet 700.000 Euro weniger. 2027 wird dann auf eine Million Euro reduziert, 2028 auf 1,5 Millionen Euro und 2029 wieder auf eine Million Euro. Bei all dem sei keine Teuerungsrate und Inflation eingerechnet. „Außerdem gibt es Jahresverträge und Lizenzen für KI, die man nicht einfach kündigen kann“, so Stefan Ranzinger.

Intensiver Dialog notwendig

Für Schmider steigen die Herausforderungen an die Berufsschulen immer weiter an. Es gibt einen hohen Beratungsbedarf und einen hohen Migrationsanteil. „Weniger zu machen, passt nicht in die Zeit“. So hat er mit dem Landrat, den Fraktionen im Kreistag und Personen der Haushaltskommission Gespräche geführt, jetzt müsse man die Weichen für die Jahre 2027 bis 2029 stellen. Im Herbst soll es weitere Gespräche über die Empfehlungen und Auswirkungen auf die Berufsschulen geben. Oliver Schmider sieht einen „intensiven Dialog“ kommen. Dann müsse man darüber sprechen, wo man sparen könne. Aber auch darüber, wo es noch weiteren Bedarf in den Schulen gibt.

 
 
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