An der Zufahrt zur Auwiesenbrücke von der Bundesstraße 27 aus bringen Bauarbeiter an diesem Donnerstagmorgen den „Besenstrich“ auf. Dabei wird ein Stahlbesen über die frische Betonoberfläche gezogen, sodass eine leicht aufgeraute Struktur entsteht. Der Belag werde dadurch griffiger, erläutert der Leiter des Baureferats West im Regierungspräsidium Stuttgart (RPS), Andreas Klein, bei einem Vor-Ort-Termin das Verfahren. Auf der Brücke selbst ist noch die freigelegte Oberfläche zu sehen, von welcher der alte Belag entfernt wurde. Doch Klein ist zuversichtlich, das Versprechen, die Brücke vor dem Bietigheimer Pferdemarkt für den Verkehr freizugeben, einhalten zu können. „Wir sind im Zeitplan“, erklärt er.
Bietigheim-Bissingen Spezialasphalt für die Auwiesenbrücke
Die Sanierung der Brücke soll laut Regierungspräsidium bis zum Pferdemarkt abgeschlossen sein. Für das Asphaltieren ist man allerdings auf trockenes Wetter angewiesen.
Brücke in gutem Zustand
An einzelnen Stellen auf der im Jahr 1974 gebauten Brücke sind Schäden zu erkennen, vor allem am Übergang zur B 27-Auffahrt, wo viel gebremst wird. Die Oberfläche ist hier nicht mehr glatt, sondern durch Verwitterung aufgeplatzt. Der darüberliegende Belag und die Abdichtung seien an diesen Stellen nicht mehr in Ordnung gewesen, erläutern Klein und sein Stellvertreter Nico Beck. Die damals beim Bau verwendete Mastix-Abdichtung sei heutzutage auch nicht mehr in Gebrauch.
Ansonsten sei die Brücke, die seit Mai vom Regierungspräsidium und der Stadt Bietigheim-Bissingen unter Vollsperrung saniert wird, aber „in einem super Zustand“, erklärt Klein. Man sehe, dass die Stadt immer wieder etwas dort gemacht habe.
Der neue Belag wird im westlichen Teil der Brücke (Richtung Schwarzwaldstraße) im konventionellen Verfahren aufgebracht, im östlichen Teil, ab dem Bereich, wo die Brücke langsam breiter wird, erhält sie zwei Lagen offenporigen Asphalt, der mit Epoxidharz ausgegossen wird. Die Fachleute sprechen von HANV, eine Abkürzung, die für „Hohlraumreiches Asphalttraggerüst mit nachträglicher Verfüllung“ steht. Eine doppelte HANV-Schicht sei im Landkreis bisher nur auf der Autobahn zur Anwendung gekommen, erläutert Klein. Dies sei doppelt so teuer, doch in diesem Abschnitt der städtischen Brücke gebe es auch eine Mitfinanzierung durch den Bund.
Asphalt vom 25. bis 27. August
Ein Vorteil dieses speziellen Belags bestehe darin, dass die Brücke dann eine sehr hohe Widerstandskraft gegen Verformungen bei starker Verkehrsbelastung habe, sagt der Experte. Der zweite Vorteil: Es sei eine sehr schnelle Bauweise. Das Asphaltieren soll in der Zeitspanne vom 25. bis 27. August über die Bühne gehen. Voraussetzung ist allerdings, dass es trocken ist. „Wenn es regnet, haben wir ein echtes Problem“, sagt Klein.
Wie an den Rändern der Brücke zu sehen ist, wurde an den Brückenkappen, von denen die südliche als Gehweg dient, etwas Material weggenommen. Die Fahrbahnbreite, die vorher zwischen den Kappen bei 7,50 Meter lag, erhöht sich dadurch auf mindestens 8,30 Meter. Dadurch sei es möglich, bei einer späteren Sanierung nur halbseitig zu sperren, und auch eine Rettungsgasse sei leichter zu bilden, erläutert Klein. Auch Leerrohre für Leitungen wurden an den Seiten verlegt.
Der weitere Zeitplan sieht vor, die Auwiesenbrücke vor dem Pferdemarkt zu öffnen, sodass sie in alle Richtungen befahren werden kann. Auch die Landesstraße 1107 Richtung Löchgau soll dann fertig sein.
Einschränkung beim Abbiegen
Nach dem Fest fällt dann allerdings eine Fahrmöglichkeit vorübergehend wieder weg: Aus Richtung Bahnhof kann man dann bis zum Abschluss der B-27-Sanierung Ende November nicht mehr von der B 27 nach links auf die Brücke einfahren. Ansonsten würden sich zu lange Wartezeiten für die Verkehrsteilnehmer an dem Knotenpunkt ergeben, erläutert Klein. Eine Wand soll verhindern, dass Autofahrer dennoch abbiegen. Wer von der Brücke kommt und nach links auf die B 27 abbiegt, muss sich dann in den Verkehr einfädeln. Dabei hofft Andreas Klein auf die Rücksichtnahme der Verkehrsteilnehmer. Nach dem Abschluss der weiteren Sanierungsmaßnahmen auf der B 27 Ende November soll dann alles wieder so sein wie vorher – mit der Ausnahme, dass die Linksabbiegespur auf der Brücke länger sein wird.
Die Kosten für die Gesamtbaumaßnahme an der Auwiesenbrücke wurden in einer Machbarkeitsstudie auf ungefähr 2,6 Millionen Euro geschätzt. Der städtische Anteil beträgt circa 1,45 Millionen Euro. Hinzu kommen nochmals rund 180.000 Euro für die Fahrbahnsanierung von der Brücke bis zur Schwarzwaldstraße. Die Stadt hat dafür aber Fördermittel nach dem LGVFG-Förderprogramm des Landes mit einem Fördersatz von 50 Prozent angemeldet.
