Bietigheim-Bissingen Stadt-Töchter in schwerem Umfeld

Von Uwe Mollenkopf
Die Bietigheimer Wohnbau schrieb im vergangenen Jahr als einziges städtisches Tochterunternehmen schwarze Zahlen. Foto: /Martin Kalb

2025 konnte nur die Bietigheimer Wohnbau einen Gewinn verbuchen. Die Stadtwerke und Spillmann fuhren hingegen Verluste ein. Der Ausblick für das laufende Jahr fällt besser aus.

Die Zeiten, in denen alle drei städtischen Tochterunternehmen in Bietigheim-Bissingen teils satte Gewinne verbuchen konnten, sind vorbei. Im Coronajahr 2022 schrieb die Städtische Holding, unter deren Dach die Bietigheimer Wohnbau, die Stadtwerke und das Omnibusunternehmen Spillmann zusammengefasst sind, erstmals nach 23 Jahren rote Zahlen, und auch 2025 war dies nicht anders, wie die Stadtverwaltung in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats bekannt gab.

Gewissermaßen der Musterschüler innerhalb des Trios ist die Wohnbau. Sie schloss das Geschäftsjahr 2025 mit einem Gewinn von 4,2 Millionen Euro ab, von denen sie 2,5 Millionen Euro als Gewinnabführung an die Holding überweist. Dabei sind auch in der Wohnungswirtschaft die Rahmenbedingungen schwierig. Der Prüfungsbericht für die Holding nennt Baukosten, Zinsentwicklung, Unsicherheiten über die weitere Entwicklung und Inflation sowie eine „wechselhafte Förderkulisse“ des Bundes als Probleme fürs Verkaufsgeschäft.

Ein positives „Makler-Jahr“

Doch die Wohnbau sei „immer anpassungsfähig“, sagte Oberbürgermeister Jürgen Kessing in der Ratssitzung, und Stadtrat Jürgen Weller (CDU) erklärte, die Geschäftsführung habe sich in guten Zeiten auf die schlechten Zeiten vorbereitet. Man habe „sehr gut gewirtschaftet“. Auch Ute Epple, die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, sah die Wohnbau „hervorragend aufgestellt“. Im Prüfungsbericht wird darauf hingewiesen, dass insbesondere der Verkauf von Gebraucht- beziehungsweise Bestandsimmobilien sehr gut gelaufen sei. Es sei ein sehr positives „Makler-Jahr“ mit 60 verkauften Wohnungen und einem Verkaufsvolumen von 17,3 Millionen Euro gewesen.

Die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen rutschten 2025 hingegen tief in die roten Zahlen. Das Defizit von fast 4,3 Millionen Euro sei „ein historisch hoher Verlust“, sagte Weller. Er machte dafür auch „die Fehler der Vergangenheit“ verantwortlich. Sogenannte Limitgeschäfte bei der Beschaffung von Strom und Gas hatten damals zu Verlusten geführt, Klagen, durch die Mitarbeiter haftbar gemacht werden sollten, waren gescheitert. Im Sommer 2025 hatte es dann einen Wechsel in der Geschäftsführung gegeben, die bisherigen Geschäftsführer Richard Mastenbroek und der Erste Bürgermeister Michael Hanus schieden aus, neuer Geschäftsführer wurde Herbert Marquard. Unter dessen Leitung sei „jeder Stein umgedreht“ worden, sagte OB Jürgen Kessing, inzwischen trage dies auch Früchte. So strebten die Stadtwerke an, 2026 „eher die schwarze Null zu erreichen“. Ob es gelinge, sei aber auch von der geopolitischen Situation abhängig, schränkte Kessing mit Blick auf die Lage im Nahen Osten ein. Auch Weller sah die Stadtwerke nun „auf sehr gutem Weg“. Und: Ohne Bäder und Eishalle, die von den Stadtwerken betrieben werden und laut Kessing Dauerverluste in Höhe von rund fünf Millionen Euro pro Jahr bringen, wäre auch deren Ergebnis im vergangenen Jahr ausgeglichen gewesen, so Weller.

Stadt hilft beim Eigenkapital

Dauerverluste beschert der Holding auch das Busunternehmen Spillmann. Im Jahr 2025 waren es minus 1,7 Millionen Euro, im kommenden Jahr soll der Verlust mit minus 1,1 Millionen Euro aber geringer ausfallen. Weller sah die Ursachen in den steigenden Energiepreisen und den Wünschen des Gemeinderats, die das Unternehmen erfüllen muss. Ein positives Ergebnis sei gar nicht mehr möglich, sagte Kessing. Dazu müsste man Strecken reduzieren, was konträr zu den gesteckten Klimazielen sei.

Aufgrund der Verluste hat die Stadt der Holding sechs Millionen Euro an Eigenkapital zugeführt. Aus Sicht von Jürgen Weller „eine verdammt bittere Pille“. Thomas Reusch-Frey, der Fraktionschef der SPD, betrachtete dies jedoch nur als eine „Momentaufnahme“. Während die Stadtwerke auf gutem Weg seien und die Lage bei der Wohnbau erfreulich sei, gelte es jetzt bei Spillmann, die Belange von Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz unter einen Hut zu bringen.

Der Gemeinderat fasste die notwendigen Beschlüsse über die Jahresabschlüsse und die Entlastung der Geschäftsführer jeweils einstimmig. Im Falle der Stadtwerke erfolgte die Entlastung der Ex-Geschäftsführer Mastenbroek/Hanus für 2025 allerdings nicht uneingeschränkt.

 
 
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