Ich habe ihn gefragt, ob eine solche KI-Anwendung gebraucht wird, ob sie in der Baubranche nützlich sein könnte“, erzählt Oliver Hörr von einem Gespräch mit Leon Held, dessen Vater ein Architekturbüro in Stuttgart führt. Die Antwort war „Ja, das wäre super hilfreich“ – und damit war der Grundstein für Conzai gelegt. Danach ging alles ganz schnell. Im Februar hat Hörr gemeinsam mit Dylan Kilkenny sowie Leon Held angefangen, das Projekt umzusetzen. Der erste Prototyp war im März fertig, mittlerweile arbeiten sieben Unternehmen, fünf aus Stuttgart und zwei aus Bietigheim-Bissingen, mit dem Produkt von Conzai.
Bietigheim-Bissingen Start-up will die Baubranche verändern
Die Gründer von Conzai aus Bietigheim-Bissingen haben eine KI-Anwendung entwickelt, die Architekten bei der Bauplanung unterstützt.
KI hilft bei der Bauplanung
Conzai ist ein Start-up mit Sitz in Bietigheim-Bissingen, das eine KI-Anwendung erfunden hat, die Architekten bei der Bauplanung unterstützt. Conzai steht für „Construction AI“, also Künstliche Intelligenz für den Bau. Mit ihrer Idee haben die Gründer auch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus des Landes Baden-Württemberg überzeugt und nehmen am Förderprogramm „Start-up BW Pre-Seed“ teil (siehe Infobox).
Vereinfacht erklärt, wird die KI-basierte Anwendung mit allen nötigen Daten gefüttert, die es zum Bauprojekt gibt. Die KI prüft daraufhin, welche Gesetze, Verordnungen und Standards eingehalten werden müssen. „Manchmal stehen Regularien miteinander im Konflikt“, erklärt Hörr. Die KI zeige die Konfliktpotenziale zwischen Landes-, Bundes- und EU-Recht auf und erarbeite Handlungsmöglichkeiten, weise darauf hin, was beachtet werden muss – zum Beispiel, wenn es um den Brandschutz geht. „Das recherchieren die Architekten sonst alles selbst, das ist ein langwieriger Prozess“, sagt Hörr. Auch die Ressourcen- und Kostenplanung könnte die KI übernehmen.
In Deutschland werde in der Baubranche deutlich mehr Zeit auf die Planung verwendet als auf das Bauen an sich. „Das wollen wir umdrehen und konzentrieren uns dabei auf den Regularien-Teil“, sagt der Wahl-Bietigheimer. Durch die Hilfe der KI könnten sich Architekten auf den kreativen Teil ihrer Arbeit konzentrieren. „Dadurch wird mehr Zeit frei für andere Dinge, etwa Design und Nachhaltigkeit. Wir nehmen damit niemandem etwas weg, was gerne gemacht wird“, sagt er.
Was ihr Produkt von anderen Architektur-Programmen unterscheide? „Es gibt viele Tools beispielsweise zur 3-D-Modellierung. Aber für diese Bauphase gab es noch keins.“ Das sei bis vor Kurzem technisch auch noch nicht möglich gewesen. Conzai kombiniert dafür eigene Entwicklung mit den KI-Anwendungen der Softwareunternehmen Open AI und Mistral AI. Bis Januar nächsten Jahres möchte das Start-up ein Endprodukt entwickelt haben.
Man könne jetzt nicht direkt sagen, dass es von vornherein sein Ziel gewesen sei, ein Unternehmen zu gründen und keinen Chef mehr über sich zu haben, sagt Hörr im Gespräch mit der BZ. „Aber der Wunsch kam nach ein paar Jahren im Berufsleben.“ Mittlerweile ist Hörr 32 Jahre alt und gründet bereits sein zweites Start-up. Sein erstes Unternehmen befasste sich mit Cybersicherheit. „Hats Finance“ wird von seinem ehemaligen Geschäftspartner fortgeführt, er habe etwas Neues machen wollen, sagt Hörr.
Der 32-Jährige ist der Liebe wegen von Darmstadt nach Bietigheim gezogen und sagt: „Ich habe es keinen Tag bereut.“ Er habe sich schon richtig gut eingelebt, spiele unter anderem in der Hobby-Mannschaft der Bietigheim Steelers Eishockey. Hörr fungiert bei Conzai als CEO. Er kommt ursprünglich aus dem UX-Design. Dabei geht es darum, eine Software, App, Homepage nutzerfreundlich zu gestalten.
Co-Gründer Leon Held wohnt ebenfalls in Bietigheim-Bissingen und kümmert sich als CBO unter anderem um den Vertrieb. Dylan Kilkenny ist, wie der Name unschwer vermuten lässt, Ire. Er arbeitet remote und ist als CTO der technische Leiter, hat die Software programmiert. Zwei weitere Softwareentwickler wurden vor Kurzem zusätzlich eingestellt.
Räume im Big-Park-Gelände
Das erste Start-up von Hörr war komplett remote, ein Büro gab es nicht. „Wir waren 13 Leute, die aus 13 Ländern kamen“, erzählt Hörr. Dieses Mal möchte er, dass es eine Basis gibt, einen festen Sitz. Und der soll in Bietigheim-Bissingen sein. Ab Oktober dürfen die Conzai-Mitarbeiter in Räume im Big-Park-Gelände einziehen.
Nebenher verfolgt Oliver Hörr noch etwas anderes: „Ich will vor Ort eine größere Gründerszene aufbauen“, sagt er. An deutschen Universitäten werde tolle Arbeit geleistet, dort gehöre Deutschland zur Weltspitze. Es werde aber der Schritt danach, das Gründen eines Unternehmens, viel zu selten geschafft. In Deutschland dauere alles ewig, die Hürden seien zu hoch. „Wir müssen da besser werden“, wünscht sich der Unternehmer für die deutsche Wirtschaft.
An Ambitionen fehlt es ihm und seinen Mitstreitern nicht. Langfristig möchte das Trio nicht nur bundesweit, sondern weltweit agieren. „Wir sind risikobereit. Wenn, dann jetzt“, sagt er.
Frühphasenförderung des Landes für Start-ups
Das Förderprogramm „Start-up BW Pre-Seed“ ist ein Frühphasenförderprogramm des Landes Baden-Württemberg und der L-Bank, mit dem junge Unternehmen in einer sehr frühen Phase ihrer Existenz unterstützt werden. Das Entscheidungsgremium hat in diesem Jahr 17 vielversprechenden jungen Unternehmen grünes Licht für eine mögliche Förderung gegeben, schreibt das Wirtschaftsministerium auf seiner Homepage. Darunter auch ein Start-up aus Bietigheim-Bissingen: die Conzai GmbH.
